Debatte um Alpha E

Deutsche Bahn: Nur ein Neubau erfüllt Kriterien

Die umstrittene Frage eines Ausbaus oder Neubaus der Bahnstrecke zwischen Hannover und Hamburg bewegt die Menschen in Celle. Die Bahn hat eine klare Position, die vielen Cellern und Politikern nicht gefallen dürfte.

  • Von Christopher Menge
  • 15. Sept. 2022 | 21:20 Uhr
  • 16. Sept. 2022
  • Von Christopher Menge
  • 15. Sept. 2022 | 21:20 Uhr
  • 16. Sept. 2022
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Celle.

Er wisse, dass es nicht das sei, was die Anwesenden hören wollen. „Es ist ein Dilemma, dass sich die Lösungsidee aus dem Dialog nach planerischer Befassung als nicht möglich erwiesen hat“, sagte Frank Limprecht, Leiter Großprojekte bei der DB Netz AG Regionalbereich Nord, am Donnerstag beim Statustreffen zu Alpha E in der Celler Congress Union. Man müsse daher weiterschauen.

„Es ist ein Dilemma, dass sich die Lösungsidee aus dem Dialog nach planerischer Befassung als nicht möglich erwiesen hat.“ 

Frank Limprecht, Leiter Großprojekte bei der DB Netz AG Regionalbereich Nord

Er machte keinen Hehl daraus, dass die geplante Neubaustrecke zwischen Hamburg und Hannover alle Kriterien – verkehrlich engpassfrei, betrieblich optimal und ein gesetzlich vorgegebenes Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV) von mindestens 1 – erfülle, beim Bestandsausbau liege das NKV dagegen bei 0,67.

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann kündigt Widerstand gegen Neubau an

Limprecht ergänzte, dass die Neubaustrecke auch die Vorgaben des geplanten Deutschland-Taktes – diese Idee gab es beim Dialogforum Schiene 2015 noch nicht - erfüllen würde. Im November will die Deutsche Bahn dem Bundesverkehrsministerium und der Öffentlichkeit ihre Vorzugstrasse vorstellen. Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann kündigte Widerstand des Landes gegen eine Neubautrasse an.

Vor der Congress Union hatten zuvor rund 250 Menschen aus den überregionalen Bürgerinitiativen, aber auch Bundes- und Landtagsabgeordnete und Landräte und Bürgermeister gegen den Trassenneubau protestiert. Am Morgen waren bereits 28 Landwirte mit ihren Treckern von Bergen über Winsen nach Celle gefahren, um für den Bestandsausbau zu protestieren. „Nachdem die Bahn zuletzt viele Termine abgesagt hat, wollen wir den Vertretern heute zeigen, dass wir ein vernünftiges Ergebnis wollen – und das ist der Ausbau“, sagte Mathias Stelter, stellvertretender Vorsitzender des Aktionsbündnisses gegen Trassenneubau.

Henning Otte (CDU) fordert Umsetzung von Alpha E

Der Celler Bundestagsabgeordnete Henning Otte (CDU) bewertete den Protest als „Ausdruck von Heimatliebe und Sachverstand“. Es gebe seit 2015 eine klare Regelung, dafür stehe die ganze Region, parteiübergreifend. „Ich erwarte vom Bundesverkehrsministerium eine Vorlage, die den Bestandsausbau vorsieht“, so der Eversener. Die Demonstranten riefen immer wieder: "Gebt mir ein Alpha E!"

Neubau ein "Schlag ins Gesicht der Menschen"

Minister Althusmann streifte sich bei seiner Ankunft auch gleich eine gelbe Warnweste mit dem Druck „trassenabsage.de“ über, die alle Demonstranten trugen. Eine Zustimmung des Landes Niedersachsen für eine Neubaustrecke werde es auf keinen Fall geben – egal, wer nach dem 9. Oktober regiere. Er kündigte an, vom Bund ein Raumordnungsverfahren einzufordern.

Auch das Wort „Klage“ nahm Althusmann in den Mund. Was derzeit passiere, sei ein „Schlag ins Gesicht der Menschen in der Region“. Beim Statustreffen sagte der Minister zudem, dass der Deutschland-Takt eine gute Idee sei, aber dafür brauche es keine Neubaustrecke. Zumal Fahrten mit einer Geschwindigkeit von 300 Stundenkilometern nichts bringen würden, wenn die Züge dann an den Knoten vor Hamburg und Hannover warten müssten.

„Wir müssen alle Varianten betrachten“, sagte Limprecht. „Wir planen ergebnisoffen.“ In den Bundesverkehrswegeplan sei das „optimierte Alpha E plus Bremen“ aufgenommen worden. Auf CZ-Nachfrage sagte Limprecht, dass nach dem Verständnis der Bahn auch eine komplette Neubaustrecke durch den Bundesverkehrswegeplan abgedeckt sei. Vom Auftraggeber werde erwartet, dass jede Alternative geprüft werde.

Alle drei Varianten – Bestandsausbau, Bestandsausbau mit Ortsumfahrungen oder Neubautrasse – würden die Bahn dem Bund zur Entscheidung vorlegen. Er entschuldigte sich bei Althusmann, dass die Bahn das niedersächsische Verkehrsministerium verloren habe. „Das müssen wir besser machen“, sagte der DB-Vertreter zum Thema Transparenz bei den Planungen.

Detaillierte Planung für Celle soll vorgestellt werden

Für den Bereich Celle sollen am Montag, 19. September, in nicht-öffentlicher Sitzung die detaillierten Planungen für die Stadt und die Gemeinde Hambühren vorgestellt werden. Limprecht sagte, dass es für den Bahnhof Celle zum Beispiel zwei Entwürfe gebe – Durchfahrt oder Umfahrung.

Der Sprecher des Projektbeirates, Peter Dörsam, ging ausführlich darauf ein, was 2015 im Dialogforum Schiene in Celle beschlossen wurde. Er spielte mehrere Videos von der Rede des damaligen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn, Volker Kefer, ein. „Kein Neubau, sondern Ausbau“, sagte er damals.

„Die DB-Netz AG hat zum Ausbau der Bestandsstrecke nun Planungen mit der Brechstange vorgestellt“, sagte Dörsam. Dass das NKV unter 1 gerutscht sei, hätte unter anderem den Grund, dass die Bahn die Sanierung der Strecke mit einplane. „Bei einem Ausbau von drei auf vier Gleise bleibt weitgehend nur ein Gleis liegen, drei werden neu gebaut“, sagte der Sprecher des Projektbeirates. Als weiteres Beispiel nannte er Lüneburg. Dort könne durch eine andere Gleisführung eine Geschwindigkeitserhöhung von 110 auf 190 Stundenkilometer erreicht werden. Die Bahn plane aber mit 230 Stundenkilometern. „Eine Planung, bei der es zu massiven Abrissen von Gebäuden kommen würde“, so Dörsam. Er forderte Alpha E nun umzusetzen.

„Wir waren damals froh, einen Kompromiss gefunden zu haben“, sagte der Becklinger Landwirt Gerhard Harms, der sich gestern wieder an den Protesten beteiligte. „Es soll umgesetzt werden, worauf man sich 2015 geeinigt hat.“