CZ-Wettbewerb

Celler Horror-Gärten mit jeder Menge Potenzial

Celles schlimmste Gärten sind ermittelt - mit tollen Aussichten für die Zukunft. Damit stehen die Sieger des Wettbewerbs im Rahmen von "Celle blüht auf" fest.

  • Von Michael Ende
  • 20. Aug. 2022 | 07:00 Uhr
  • 25. Aug. 2022
  • Von Michael Ende
  • 20. Aug. 2022 | 07:00 Uhr
  • 25. Aug. 2022
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Celle.

Brrrrrr – war das eine Tour: Als eine Tortur für Freunde lebendiger, artenreicher Gärten erwies sich die Runde, die die Jury des „Horror-Garten“-Wettbewerbs durch Celle drehte, um die schlimmsten Gärten zu küren. Dabei gab es wahre Garten-Wüsten zu entdecken, bei denen die Jury-Mitglieder trotz Hitze Gänsehaut bekamen – und total sympathische und ambitionierte Besitzer, die daraus etwas Besseres machen wollen.

Organisch geschottert

Bieneninstituts-Leiter und Wildbienen-Experte Otto Boecking, Celles städtischer Grünfachbereichs-Leiter Jens Hanssen als ausgewiesener Garten-Experte sowie die CZ-Redakteure Maren Schulze und Michael Ende vom „Celle blüht auf“-Team staunen nicht schlecht, als sie im Hehlentor vor dem Reihenhaus der Familie Adolph stehen: Denn hier begrüßt sie ein Schotter-Vorgarten mit organischem Material.

Anstatt mit Steinen ist hier die große Fläche mit Rindenmulch aufgefüllt worden – damit garantiert nichts Grünes sprießt. Umrahmt wird das Ganze mit immergrünen Friedhofskoniferen, Steinen, Baumstubben, Metallkugeln und Waschbeton. Besonderer Clou: eine mit Steinchen gefüllte Steinschale. Einziger Lichtblick für Insekten: eine dickblättrige Fettehenne.

Waschbeton und Löcher-Rasen

„Den Rindenmulch erneuern wir jedes Jahr – für die Optik, damit es gepflegt aussieht. Etwas anderes würde hier in der Nachbarschaft auffallen“, so Jerome Adolph, der hier mit seiner Frau Katja, den Kindern Emiliya und Leano sowie den Katzen Mila und Loui wohnt: „Eingezogen sind wir vor sechs Jahren, das Haus ist mittlerweile innen renoviert, aber der Garten ist die große Baustelle – besonders hinterm Haus.“

Rund um das Thema Schottergärten

Dort gibt es eine Waschbeton-Terrasse mit einer halsbrecherisch steilen Stufe, unter der sich eine 30 Quadratmeter große löchrige Rasenfläche befindet, auf der Trampolin, Planschbecken und Sandkiste für die Kinder sowie ein kleiner Auslauf für die Katzen stehen. „Damals wollten wir einen kleinen Garten, heute sehen wir das anders“, sagt Jerome Adolph.

Hier könnte Vorbildliches entstehen

„Hier ist definitiv Handlungsbedarf – und zwar eine ganze Menge“, sagt Hanssen: „Hier könnte man auf relativ kleinem Raum viel bewegen. Aber einfach wird das nicht.“ Boecking: „Dann könnte man der Nachbarschaft auch zeigen, dass man auch Reihenhaus-Gärten mit Pflanzen so gestalten kann, dass sich dort viele Tiere wohl fühlen – und die Menschen sowieso.“

"Rebellin" in der Steinwüste

Ira Brauner ist in ihrer Nachbarschaft im Heesegebiet eine Ausnahme. Sie lebt in einer Mietwohnung in einer topmodernen Wohnanlage, die einer Steinwüste gleicht. Gepflasterte Steinwege ziehen sich hier durch riesige Schotterfelder. Die Luft flimmert. Pflanzen scheinen hier tabu zu sein.

Doch damit will sich Brauner nicht zufrieden geben: „Hier ist so viel Stein – ich ertrage das nicht. Ich will, dass unser Mini-Garten neben unserem Sitzplatz belebt wird.“ Bisher gibt es dort lediglich eine Steinschüttung, sechs Bahnen vertrockneter Rollrasen sowie einen blanken Gitterzaun. Brauner: „Leider habe ich keinen grünen Daumen. Ich hätte gerne Hilfe beim Anlegen eines klitzekleinen Gartens hier in der Steinwüste.“

Viel Platz, wenig Ideen

Der Garten der Familie Hoppe-Mikolaczick in Klein Hehlen sei eigentlich gar keiner, sagt Ann-Kristin Hoppe, die Ende 2021 mit ihrem Mann und drei kleinen Kindern ins eigene Häuschen gezogen sind.

Das ist jetzt rundum-erneuert, aber draußen gibt es nur Steine und Staub: „Für die Gartengestaltung fehlt es an Ideen. Es fehlen auch noch jede Menge Pflanzen, die es bunt und grün machen, sowie Hochbeete für den Obst- und Gemüseanbau und Rasenflächen für die Kinder zum Spielen.“

Drei Gewinner ermittelt

Intensiv berät die Jury. Am Ende hat Familie Adolph die Nase vorn. „Hier gibt es am meisten zu tun, und hier steckt am meisten Potenzial – und auch die Nachbarschaft könnte sich hier eine Menge abgucken“, so Boecking. Für die Umgestaltung des Gartens stehen jetzt 1500 Euro bereit. „Wir überlegen nun zusammen mit der Familie, was wir wie machen werden“, so Hanssen. Jerome Adolph freut sich: „Das ist die beste Nachricht seit langem für uns.“ Der zweite Preis und damit ein 1000-Euro-Budget für einen grünen Garten gehen an die unverdrossene Steinwüsten-Rebellin Ira Brauner. Mit 500 Euro werden wir die drittplatzierte Familie Hoppe-Mikolaczick unterstützen – und darüber natürlich berichten, wie nun bunte, lebendige Gärten entstehen.

Dieser Wettbewerb hat Mut gemacht. Glückwunsch an alle Gewinner und ein herzliches Dankeschön an alle CZ-Leser, die sich am Wettbewerb beteiligt haben.