CZ-Weihnachtsaktion "Mitmenschen in Not"

"Essenszeit" der Diakonie Celle: Ein Teller voll Gemeinschaft

Die "Essenszeit" der Diakonie Celle ist Treffpunkt, Seelsorge und günstiger Mittagstisch. Nutzerin Astrid Manzow ist im Februar schwer erkrankt und kämpft noch heute mit den Folgen. Sie bezieht Hartz IV. Am dringendsten benötigt sie ein Bett.

  • Von Benjamin Behrens
  • 23. Nov. 2022 | 18:15 Uhr
  • 24. Nov. 2022
  • Von Benjamin Behrens
  • 23. Nov. 2022 | 18:15 Uhr
  • 24. Nov. 2022
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Celle.

Zwei ältere Männer und eine Frau sitzen am größten Tisch des Esszimmers der "Essenzeit" der Diakonie Celle und lassen es sich schmecken. Es wird geklönt, man kennt sich. Astrid Manzow ist schon satt, sie sitzt etwas abseits. Vor ihr steht ein blaues Tablett, darauf ein leerer Teller und ein Schälchen. Gulasch mit Kartoffeln gab es und zum Nachtisch Vanillepudding – für zwei Euro. Und das vier Tagen in der Woche: Die Essenszeit in den Diakonie-Räumen an der Harburger Straße 20 ist dienstags bis freitags jeweils ab 10.30 Uhr geöffnet. Von 11.30 bis 13 Uhr wird das Essen ausgegeben.

Seit April regelmäßiger Gast

"War lecker und einen Nachtisch gibt es immer, Pudding meist oder auch mal Obst oder Kekse", sagt Manzow. "Es ist abwechslungsreich hier", so die 53-Jährige. Seit April kommt sie regelmäßig zum Essen hierher. "Man kennt sich und unterhält sich und es ist wirklich sehr günstig." Zudem ist es eine Möglichkeit, sich etwas von Sorgen und Nöten abzulenken. "Es ist gibt einige. Ich bekomme Hartz IV, wie viele hier auch." Das Geld sei aktuell schnell weg, selbst wenn man nur das Nötigste kaufe. "Man muss schon gucken, dass man sich Kleidung gebraucht besorgt, beim Roten Kreuz."

"Aber ich kann froh sein, dass ich überhaupt hier sitze. Mein Herz ist kaputt, die Herzklappe war abgesprengt. Zum zweiten Mal, vor zehn Jahren hatte ich das schon einmal. Jetzt habe ich wieder eine künstliche. Im Moment geht es mir ganz gut."

Astrid Manzow, Gast der "Essenszeit"

"Ich kann froh sein, dass ich überhaupt hier sitze"

Auch bei Lebensmitteln ist es so, dass das Geld kaum reiche, sagt Manzow. "Manchmal muss schon schauen, was man sich überhaupt selber kochen soll. Es ist alles so teuer geworden", beklagt sie. "Aber ich kann froh sein, dass ich überhaupt hier sitze. Mein Herz ist kaputt, die Herzklappe war abgesprengt. Zum zweiten Mal, vor zehn Jahren hatte ich das schon einmal. Jetzt habe ich wieder eine künstliche. Im Moment geht es mir ganz gut", berichtet Manzow. "Weil ich im Koma lag, ist viel kaputt da oben im Kopf", sagt sie und tippt sich an die Schläfe.

Sechs Wochen lag sie im Koma, wurde im Krankenhaus in Bad Bevensen und Hannover behandelt. Gedächtnis- und Sprachstörungen sind die Folge. Manchmal fallen ihr Dinge aus der Hand oder im Gespräch Worte nicht ein. "Ich hatte auch noch einen Schlaganfall während der OP. Auch Schreiben musste ich wieder lernen. Es war chaotisch, aber jetzt geht es wieder", sagt sie.

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Gleich mehrere Schicksalsschläge 

Nicht die einzigen Schicksalsschläge. Während sie im Krankenhaus lag, verstarb ihre Mutter. "Jetzt habe ich noch die beiden Töchter, sie sind 32 und 27." Neben ihrer eigenen Mietwohnung verbringt sie viel Zeit bei ihrer älteren Tochter, die auch in Celle lebt. Gelernt hatte sie Bürokauffrau, aber nie viel in dem Beruf gearbeitet. Die Beziehung zu ihrem Mann ging in die Brüche, als dieser zu trinken begann und gewalttätig wurde. "Keine schöne Zeit. Das Geld war immer weg. Und wenn so ein Alkoholiker loslegt, da haben auch die Kinder drunter gelitten."

Weihnachtsaktion unterstützt Bedürftige

Die 28. Weihnachtsaktion "Mitmenschen in Not" der CZ unterstützt Bedürfte sowie soziale Einrichtungen in Stadt und Landkreis Celle. "Kleidung bräuchte ich unbedingt, ich habe fast gar nichts mehr", sagt Manzow. Der größte Wunsch aber: "Ich habe kein Bett, ich schlafe auf dem Sofa. Durch die OP kann ich mich auch nicht richtig bewegen und merke das sehr."

Gäste aus unterschiedlichen Schichten

Solche Schicksale kennt Silke Dümeland, Leiterin der Essenzeit der Diakonie. "Unsere Gäste mögen gar nicht an die steigenden Kosten denken. Als es die Mitteilungen der Stromversorger gab, waren die meisten schon ziemlich verzweifelt", sagt sie. "Das Soziale hier ist für die Menschen das Wichtigste. Als wir in der Pandemie geschlossen hatten und das Essen durchs Fenster rausgegeben haben, haben die Leute gesagt: 'Das fehlt uns'". Die Gäste kommen aus unterschiedlichsten Schichten. Rentner, die einfach die Gemeinschaft schätzen, sind genauso darunter wie Menschen, die nicht mal mehr die zwei Euro übrig haben für ein Essen. "Dann lasse ich anschreiben."

So können Sie helfen

Die Tombola in der Celler Altstadt als traditioneller Teil der CZ-Weihnachtsaktion fällt auch in diesem Jahr leider aus. Menschen in finanzieller Not können Sie aber mit Ihrer Geldspende helfen. Das Bankkonto des gemeinnützigen Vereins „Mitmenschen in Not“ läuft unter dem gleichnamigen Stichwort mit der IBAN DE74269513110000009910 bei der Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg (BIC: NOLADE21CEL). Bis zu einem Betrag von 200 Euro erkennt das Finanzamt den Einzahlungsbeleg als Spendenquittung an.