CZ-Weihnachtsaktion

„Menschen in Celle sind gezwungen, zur Tafel zu kommen“

Die Celler Tafel hat ein Jahr voller Herausforderungen hinter sich - und ein weiteres vor sich. Mittlerweile kommen so viele Menschen zur Tafel wie noch nie. Die wird aus Mitteln der CZ-Weihnachtsaktion "Mitmenschen in Not" unterstützt.

  • Von Christoph Zimmer
  • 24. Dez. 2022 | 16:59 Uhr
  • 27. Dez. 2022
Marianne Schiano (links) von der Celler Tafel mit einer langjährigen Kundin bei der Essensausgabe am Tag vor Heiligabend.
  • Von Christoph Zimmer
  • 24. Dez. 2022 | 16:59 Uhr
  • 27. Dez. 2022
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Marianne Schiano, die Vorsitzende der Celler Tafel, vor einem der Fahrzeuge.
Celle.

Angesichts steigender Verbraucherpreise und wachsender Armut erlebt die Celler Tafel nach eigenen Angaben gerade die größte Nachfrage ihrer Geschichte. "Den Menschen in der Region bereitet die aktuelle Situation extrem große Schwierigkeiten", sagt Marianne Schiano, die Vorsitzende der gemeinnützigen Hilfsorganisationen, die Lebensmittel, die nicht mehr lange haltbar sind oder aus anderen Gründen nicht in den Verkauf gehen, einsammelt und an Bedürftige verteilt oder gegen geringes Entgelt abgibt. Bis zu 3500 Menschen kommen in der Woche zu den 14 Außenstellen in Stadt und Landkreis, vor einem Jahr waren es noch etwa 3000. In den schwierigen Zeiten gibt es aber auch gute Nachrichten. "Zum Glück mussten wir bis jetzt noch niemanden mit leeren Tüten nach Hause schicken", sagt Schiano. Und dennoch: Die Herausforderungen für die Celler Tafel könnten aktuell kaum größer sein.

"Jetzt müssen sie sich eingestehen, dass sie es alleine nicht mehr schaffen. Dabei muss man sich nicht dafür schämen, Hilfe anzunehmen."

Marianne Schiano, die Vorsitzende der Celler Tafel

So viele Menschen bei der Celler Tafel wie noch nie

Immer mehr Menschen bekommen die steigenden Lebenshaltungskosten schmerzhaft zu spüren. "Sie sind mittlerweile gezwungen, zu uns zu kommen", sagt Schiano. Sie ist überzeugt, dass es die Menschen, die Hilfe benötigen, in dieser Zahl im Landkreis Celle schon immer gab. "Bislang haben viele Menschen, die eigentlich auf Hilfe angewiesen sind, alleine versucht, irgendwie über die Runden zu kommen und sind aus Scham oder anderen Gründen nicht zu uns gekommen. Jetzt müssen sie sich eingestehen, dass sie es alleine nicht mehr schaffen. Dabei muss man sich nicht dafür schämen, Hilfe anzunehmen."

„Für uns als Familie ist es anders nicht zu schaffen. Alles wird teurer, und mehr sparen können wir im Alltag nicht.“

Eine junge Mutter

Dankbarkeit bei den Menschen riesengroß

Eine junge Mutter, die schon seit ein paar Jahren zur Ausgabestelle an der Uferstraße kommt, ist der Tafel unglaublich dankbar. „Für uns als Familie ist es anders nicht zu schaffen. Alles wird teurer, und mehr sparen können wir im Alltag nicht“, sagt die Frau. „Mein Sohn isst gerne Fleisch. Würde es die Tafel nicht geben, könnten wir uns das nicht leisten.“ Früher sei Scham ein großes Thema für sie gewesen. Inzwischen ist ihr „egal, was die Leute denken. Ich will, dass wir mit der Familie satt werden.“ Neben ihr steht eine Betreuerin, die für ein älteres, körperlich eingeschränktes Ehepaar die Lebensmittel abholt. Ohne die Tafel, würden die Rentner wohl Hunger leiden. „Altersarmut ist ein großes Thema. Für die Menschen ist es frustrierend und quälend zugleich, wenn sie nicht genug zu essen haben, obwohl sie ein Leben lang gearbeitet haben.“

Zahl der Kunden stellt Tafel vor Herausforderungen

Während die Menge an Lebensmitteln bis auf leichte Schwankungen laut Schiano nahezu konstant ist, stellt die größere Zahl der Kunden die Tafel vor Schwierigkeiten. "Es kann schon mal vorkommen, dass die Portionen etwas kleiner ausfallen. Aber wir lassen niemanden ohne Essen nach Hause gehen." Und trotzdem: "Natürlich tut es einem weh, wenn man nur eine halbe Wochenration ausgeben kann. Man weiß nie, was man bekommt."

Wenn es einmal knapp wird, wie im Frühjahr, als Flüchtlinge aus der Ukraine nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges auch nach Celle kamen, mussten auch mal Lebensmittel dazugekauft werden. Dank der Unterstützung aus der Bevölkerung und einer Spende der CZ-Aktion Mitmenschen in Not meisterte die Tafel aber auch diese Situation, "die uns an die Grenzen gebracht hat", wie Schiano rückblickend sagt.

Corona, Krieg und Brandanschlag prägen Jahr der Tafel

Überhaupt blickt Schiano mit gemischten Gefühlen zurück. Corona, die gestiegenen Energiepreise und Lebenshaltungskosten wegen des russischen Angriffskrieges und der Brandanschlag auf die Transporter der Tafel - es war ein herausforderndes und schwieriges Jahr für die gemeinnützige Hilfsorganisation. Aber gerade die Anteilnahme angesichts dieser schwierigen Situationen hätte ihr Mut gemacht, sagt Schiano. "Wie die Menschen, Geschäftsleute und Institutionen schnell und unkompliziert geholfen haben, war einmalig. Es ist gut zu wissen, dass die Menschen sehen, wie wichtig unsere Arbeit ist."

Hilfsbereitschaft in der Region riesengroß

Kurz vor Weihnachten etwa erfüllte die Sparkasse im Rahmen ihres digitalen Wunschbaums rund 250 Wünsche der einzelnen Standorte in Celle, Gifhorn und Wolfsburg und verschenkte Spielzeug, Kleidung und vieles mehr. Der Hehlenchor und die Combo der Hehlentorschule trugen an den sprechenden Laternen in der Celler Innenstadt Advents- und Weihnachtslieder vor. Für die neue Ausgabestelle in ihrer Schule sammelten die Chorkinder Spenden in Höhe von knapp 250 Euro. Um die Kunden in Zukunft besser bedienen zu können, wird am 13. Januar eine weitere Außenstelle in der Grundschule im Hehlentor eröffnet.

Energiekosten sind größte Herausforderung

Die vielleicht größte Herausforderung für die Celler Tafel im neuen Jahr sind die gestiegenen Energiekosten. "Ich habe erst kürzlich einen Brief geöffnet, dass sich die Energiepreise für uns verdreifachen werden", sagt Schiano. Aber sie ist sich sicher: Auch dieses Problem werden sie lösen. "Mit der tollen Hilfe der Menschen in der Region haben wir bisher jede Hürde gemeistert."

So können Sie helfen

Menschen in finanzieller Not können Sie mit Ihrer Unterstützung der CZ-Weihnachtsaktion helfen – die eingehenden Gelder gehen an soziale Einrichtungen sowie Einzelpersonen und Familien. Das Bankkonto des gemeinnützigen Vereins „Mitmenschen in Not“, läuft unter dem gleichnamigen Stichwort mit der IBAN: DE74 2695 1311 0000 0099 10 bei der Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg. Bis zu einem Betrag von 200 Euro erkennt das Finanzamt den Einzahlungsbeleg als Spendenquittung an.