CZ-Weihnachtsaktion

Menschen entfliehen der Kälte in der Bahnhofsmission

Seniorin Bärbel Meyer ist oft Gast der Bahnhofsmission, weg aus ihrer schimmelbefallenen Wohnung. Sie sucht eine neue, doch viele sind zu teuer. Geldsorgen haben viele Gäste der Bahnhofsmission, oft bleibt der Kühlschrank leer und die Wohnung kalt. Die CZ-Weihnachtsaktion "Mitmenschen in Not" soll helfen.

  • Von Benjamin Behrens
  • 30. Nov. 2022 | 12:05 Uhr
  • 05. Dez. 2022
Bärbel Meyer will schon lange aus ihrer von Schimmel befallenen Wohnung ausziehen. 
  • Von Benjamin Behrens
  • 30. Nov. 2022 | 12:05 Uhr
  • 05. Dez. 2022
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Celle.

Rot-weiße Tischdecken, dazu kleine Kerzenleuchter auf den Tischen und Miniweihnachtsbäume aus Filz als Deko: Auch bei der Bahnhofsmission ist die Vorweihnachtszeit angebrochen. Die Weihnachtszeit rückt näher – jene Zeit, in der die CZ mit ihrer Aktion "Mitmenschen in Not" um Spenden für bedürftige Einzelpersonen und soziale Einrichtungen bittet. Und sich deshalb auch in diesen Einrichtungen umschaut.

Julia Dittel ist stellvertretende Leiterin der Bahnhofsmission. Bärbel Meyer ist oft Gast bei ihr.

"Ich habe eine Schimmelwohnung, aber wie. Es ist praktisch ein Hochhaus hier in Celle. Die ganzen Wohnungen sind davon durchzogen."

Bärbel Meyer, muss ihre kleine Rente aufstocken.

Ein Stück Schokoladenkuchen genießen

Noch gibt es eine recht ansehnliche Auswahl an Kuchen, eine Bäckerei hat gespendet. Bärbel Meyer hat sich ein Stück Schokokuchen geholt und ist auf dem Weg zu einem der geschmückten Tische. Sie ist auf einen Rollator gestützt, der Rücken ist gekrümmt. Die kleine, zierliche Frau mit den kurz geschnittenen grauen Haaren versinkt fast in ihrem ebenso grauen Pullover, so groß ist das Kleidungsstück. Die 75-Jährige kommt seit Jahren regelmäßig zur Bahnhofsmission. "Ich bin gerne hier", sagt sie. Beim Sprechen schaut sie oft zu Boden und ringt die Hände.

Seniorin Bärbel Meyer muss in verschimmelter Wohnung leben

"Ich habe eine Schimmelwohnung, aber wie. Es ist praktisch ein Hochhaus hier in Celle. Die ganzen Wohnungen sind davon durchzogen", sagt Meyer. Mit der Wohnungsbaugesellschaft habe sie bereits gesprochen. "Die sagen: 'Wir können nichts machen.' Es wird nichts gemacht dort, aber die Miete wird noch und noch erhöht", ärgert sich die Seniorin. Durch den Schimmel habe sie auch Probleme mit Husten bekommen. 720 Euro Kaltmiete zahle sie derzeit. Die Rente wird durch das Sozialamt aufgestockt, 200 Euro bleiben ihr am Ende zum Leben übrig.

Ulla Heine und Rainer Schmücker geben Kuchen und belegte Brötchen an die Gäste der Bahnhofsmission aus.

"Ich bin Haustochter beruflich", so Meyer. Heute ist die Tätigkeit nicht mehr üblich, früher lebten Mädchen wie Familienmitglieder bei anderen Familien und lernten die Haushaltsführung, vergleichbar mit einem Au-pair.

Freund hilft ihr viel

"Mein Partner hilft mir", sagt sie. Friedrich heißt er, ist ebenfalls in ihrem Alter und hat ein Auto, kann sie mal zu Terminen oder Besorgungen mitnehmen. Sonst hat sie keine Angehörigen mehr. Beim Umzug kann der Partner nicht helfen. Dafür müsste eh erst einmal eine neue Wohnung gefunden werden. "Ich hatte was in Aussicht in Bad Bevensen, doch das wird nichts. Zu teuer", sagt Meyer. Eine neue Wohnung wäre ihr größter Wunsch.

Rainer Schmücker zeigt den gefüllten Kühlschrank in der Küche der Bahnhofsmission. Es gab gerade eine größere Lebensmittelspende. So aus dem vollen Schöpfen können die Mitarbeiter nicht immer.

Jetzt kommen wieder deutlich mehr Gäste zur Bahnhofsmission

"Wir haben deutlich mehr Gäste im Moment. Durch die Pandemie waren es weniger als zuvor, jetzt merkt man ganz deutlich, dass wieder mehr Menschen kommen", sagt Julia Dittel, stellvertretende Leiterin der Bahnhofsmission. Schon im September sei wieder mehr los gewesen. "Wir hatten in der Pandemie vielleicht so 20 Leute am Tag, jetzt sind wir an vielen Tagen über 50. Es kommen auch Etliche, die sagen: 'Ich will einfach nur ein paar Stunden hier im Warmen sitzen, zu Hause ist es jetzt so kalt, und ich traue mich nicht, die Heizung anzustellen'", berichtet Dittel. Gerade Leute, die überwiegend oder ausschließlich draußen lebten, suchen jetzt die Bahnhofsmission auf, um sich aufzuwärmen, einen heißen Kaffee oder Tee zu trinken, sich saubere Kleidung zu besorgen oder zu duschen.

Viele haben leere Kühlschränke

"Wir hören ganz oft: 'Mein Kühlschrank ist leer.' Die Leute freuen sich, dass sie sich ein paar Brötchen mit nach Hause nehmen können oder Obst oder Kekse. Für viele ist das eine ganz wichtige Hilfe", sagt Dittel. Die Spenden an Lebensmitteln, Kleidung oder anderen Dingen kommen aus den unterschiedlichsten Quellen. Auffällig: "Ganz viele kommen von Menschen, die selbst wirklich aufs Geld achten müssen. Da gibt es auch ganz viele Anrufe, wo es heißt: 'Was könnt ihr brauchen, ich will was Sinnvolles spenden'", so die 48-Jährige.

Gespendete warme Kleidung, Brötchen und Kekse liegen für die Gäste zum Mitnehmen bereit.

Telefonisch nachzufragen, ist ein guter Ansatz, denn der Bedarf wechselt häufig. Aktuell ist etwa der Kühlschrank randvoll mit Käsepackungen, Wurst und H-Milch, eine Großspende aus einem Supermarkt. Nächste Woche kann es schon anders sein. "Wir freuen uns immer, wenn die Leute vorher fragen."

So können Sie helfen

Die Tombola in der Celler Altstadt als traditioneller Teil der CZ-Weihnachtsaktion fällt auch in diesem Jahr leider aus. Menschen in finanzieller Not können Sie aber mit Ihrer Geldspende helfen. Das Bankkonto des gemeinnützigen Vereins „Mitmenschen in Not“ läuft unter dem gleichnamigen Stichwort mit der IBAN DE74269513110000009910 bei der Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg (BIC: NOLADE21CEL). Bis zu einem Betrag von 200 Euro erkennt das Finanzamt den Einzahlungsbeleg als Spendenquittung an.