CZ-Jugendpodium zur Wahl

Diskussion um 9-Euro-Ticket und Studienplätze

Was kommt nach dem 9-Euro-Ticket? Und wie stehen die Celler Politiker zu Waffenlieferungen in die Ukraine? Celler Schüler haben beim Jugendpodium nachgefragt.

  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 29. Sept. 2022 | 18:05 Uhr
  • 06. Okt. 2022
Die fünf Kandidaten waren sich in vielen Punkten grundsätzlich einig.
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 29. Sept. 2022 | 18:05 Uhr
  • 06. Okt. 2022
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Celle.

Am 9. Oktober wird in Niedersachsen die neue Landesregierung gewählt. Wahlberechtigt sind alle deutschen Staatsbürger, die mindestens seit drei Monaten ihren Wohnsitz in Niedersachsen haben und 18 Jahre und älter sind. Wer kann die Direktmandate in den Wahlkreisen Celle und Bergen holen? Und wer zieht am Ende über die Liste in den Landtag ein?

Celler Politiker diskutieren bei CZ-Podium in CD-Kaserne mit Jugendlichen

Am Donnerstagvormittag stellten sich die Kandidaten der aktuell im Niedersächsischen Landtag vertretenen Parteien – Christoph Engelen (SPD), Alexander Wille (CDU), Johanne Gerlach (Grüne), Jörg Bode (FDP) und Jens-Christoph Brockmann (AfD) – bei einer Podiumsdiskussion für Schülerinnen und Schüler in der CD-Kaserne den Fragen von CZ-Redakteur Christopher Menge und Sheenara Wiebke.

Nachfolger für 9-Euro-Ticket soll unbedingt kommen

Große Einigkeit herrschte auf dem Podium, als die Moderatoren die Sprache auf das Neun-Euro-Ticket brachten. "Das war eine absolute Erfolgsgeschichte", betonte SPD-Mann Engelen. Zustimmung kam von Alexander Wille und Jörg Bode, der aber gleichzeitig klarstellte, dass der Preis für ein Nachfolgeticket nicht zu halten sei. Realistisch sei laut Brockmann ein Preis zwischen 39 und 49 Euro pro Monat. Gleichzeitig wies der AfD-Kandidat jedoch darauf hin, dass man zunächst an der Qualität des Nahverkehrs arbeiten sollte. "Was nützt mir ein günstiges Ticket, wenn die Züge alle ausfallen?"

„Wir müssen an der Qualität arbeiten. Was nützt ein günstiges Ticket, wenn die Züge alle ausfallen?“ Jens-Christoph Brockmann (AfD) über einen möglichen 9-Euro-Ticket-Nachfolger.

Johanne Gerlach forderte unterdessen, dass das Ticket vor allem einheitlich sei müsse. "Es muss eine App geben, in der ich einen länderübergreifenden Fahrschein kaufen kann, es darf nicht mehr sein, dass man für jede Stadt und für jedes Bundesland eine eigene App downloaden muss."

Zweifel an Schwimmbadschließungen, um Energie zu sparen

Nicht vorbei kommen die Politiker in diesem Wahlkampf am Thema Energiekrise. "Wie vertretbar ist es, Schwimmbäder zu schließen, um zu sparen?", fragten die Moderatoren. "Ich halte es nicht gerade für ressourcenschonend, alle Schwimmbäder im Nordkreis dichtzumachen und die Kinder durch den halben Landkreis nach Celle zum Schwimmkurs zu schicken", eröffnete Gerlach die Diskussion. "Das ist eine absolute Fehlentscheidung, die mal wieder zu Lasten der Jüngsten geht." Auch Bode hält die Schließung einiger Schwimmbäder für "fatal". Das würde in den kommenden Jahren schwerwiegende Folgen für die aktuelle Schwimmen-Lern-Generation haben.

„Schwimmbäder schließen ist eine Fehlentscheidung, die mal wieder zu Lasten der Kinder geht.“ Johanne Gerlach (Grüne) über Schwimmbad-Schließungen, um Energie zu sparen.

Energie zu Lasten der Schwimmer zu sparen, sieht auch CDU-Mann Wille nicht als Lösung. "Wir müssen aktuell in erster Linie schauen, wie wir es schaffen, dass alle Menschen gut über den Winter kommen, und das wird nicht einfach", betonte er. Die einzige Lösung: "Wir müssen alle Energiequellen, die wir haben, nutzen. Auch die Kern- und Kohleenergie."

Funklöcher sollen im Landkreis Celle Vergangenheit angehören

Funklöcher dürfen nicht weiterhin Alltag sein, da waren sich die Politiker einig. "Digitalisierung hin oder her, es hilft ja alles nichts, wenn wir in Schulen zum Beispiel die besten Geräte anschaffen, die Infrastruktur aber einfach nicht da ist", sagte Johanne Gerlach. "Wir müssen Geld in die Hand nehmen, um die Versorgungsqualität in jeder noch so kleinen Ecke des Landkreise zu gewährleisten", pflichtete ihr Wille bei. AfD-Mann Brockmann sieht dabei aber weniger das Land in der Pflicht. "Das sollte Sache des Bundes sein", forderte er.

Kann Landarztquote den Ärztemangel auffangen?

Das Land braucht mehr Studienplätze – dieser Tatsache widersprach keiner der fünf Politiker auf dem Podium. "Im Bereich Medizin haben wir riesigen Bedarf", sagte Wille. Ein großes Problem: Viele angehende Ärzte zieht es in die Stadt, Landarztmangel ist schon lange Thema. "Es war ein riesiger Fehler, die Landarztquote auszusetzen, das kommt jetzt zu spät", meinte Gerlach. Ab 2023 sollen 60 Medizinstudienplätze pro Jahr bevorzugt an Bewerber vergeben werden, die sich für zehn Jahre zu einer hausärztlichen Tätigkeit in unterversorgten Regionen verpflichten.

„Wir müssen alle Energiequellen die wir haben nutzen. Auch die Kern- und Kohleenergie.“ Alexander Wille (CDU) zur Frage, wie Deutschland durch den nahenden Winter kommen kann.

Eine Scheinlösung, wie FDP-Kandidat Bode meint. "Ich kann mir vorstellen, dass so mancher nach Ablauf der Zeit dann trotzdem in die Stadt zurückgeht und es auf dem Land wieder düster aussieht." Brockmann plädierte dafür, die Vergütung anzupassen. "Tendenziell ist die Bezahlung in urbanen Regionen besser. Wir müssen zusehen, dass es sich wieder lohnt, Landarzt zu werden."

SPD fordert mehr Kassenzulassungen für Psychotherapeuten

Man müsse etwas am System ändern, auch um beispielsweise die psychologische Versorgung zu verbessern, meinte Engelen. "Ich sehe die Kassenzulassung als Hauptproblem. Es gibt viele Psychotherapeuten, die keine Kassenzulassung haben, weil das sehr teuer und begrenzt ist. Deren Therapiestunden müssten deswegen privat bezahlt werden. "Das wiederum können sich viele Bürger nicht leisten. Es muss dringend mehr zugelassene Therapieplätze in Niedersachsen geben."

Waffenlieferung an Ukraine interessiert Celler Schüler

Aus dem Publikum kam schließlich noch die Frage, wie die jeweiligen Parteivertreter zum Thema Waffenlieferungen an die Ukraine stehen. "Ein Klares ,Ja' zu mehr Waffen", antwortete Alexander Wille. "Putin ist nur an den Verhandlungstisch zu bekommen, wenn er erstens merkt , dass die Ukraine nicht klein beigibt und zweitens sieht, dass der Westen geschlossen hinter der Ukraine steht."

„Es muss dringend mehr von Kassen zugelassene Therapieplätze in Niedersachsen geben.“ Christoph Engelen (SPD) auf die Frage, wie man den Fachärztemangel behebe könnte.

Laut FDP-Kandidat Bode könne man es nicht zulassen, dass dort weiter gemordet werde. "Ich bin mit dem Handeln unserer Koalitionspartner in Berlin dahingehend auch nicht einverstanden. Meiner Meinung nach muss da deutlich mehr passieren."

„Ich bin mit dem Handeln unseren Koalitionspartnern in Berlin dahingehend auch nicht einverstanden.“ Jörg Bode (FDP) zum Thema verhaltene Waffenlieferungen an die Ukraine. 

Jörg Bode gewinnt Probe-Abstimmung vor Johanne Gerlach

Die zweistündige Diskussion endete mit einer Online-Abstimmung, bei der rund 700 Schüler für ihren Wunschkandidaten stimmten. Vorn lag dabei Jörg Bode, der 44 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinte. Dem am nächsten kam Johanne Gerlach mit 35 Prozent.

Bei der CZ-Probeabstimmung haben die 169 Zuhörerinnen und Zuhörer für ihren Wunschkandidaten abgestimmt.