Celler Wort zum Sonntag

Nikolaus – ein Ganzjahresheiliger

Peter Söllner ist Pastor der Concordia-Gemeinde Celle. In seinem "Wort zum Sonntag" schreibt er über den beliebten Nikolaus und seine Geschichte.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 04. Dez. 2022 | 10:00 Uhr
  • 04. Dez. 2022
Dr. Peter Söllner ist Pastor der Concordia-Gemeinde Celle.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 04. Dez. 2022 | 10:00 Uhr
  • 04. Dez. 2022
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Celle.

In drei Tagen ist es wieder so weit: Nikolaus hat seinen Gedenktag am 6. Dezember. Sein Name bedeutet so viel wie „Sieger des Volkes”, also jemand, der im Volk sehr beliebt war. Und das ist Nikolaus bis heute.

Wer war dieser Mann? Er wurde um das Jahr 270 in Patara in Lykien geboren. Das ist eine Hafenstadt im Süden der heutigen Türkei. Möglicherweise wurde er während der Christenverfolgung Anfang des 4. Jahrhunderts gefangen genommen. Später jedoch soll er, als er bereits Bischof von Myra war, am Konzil von Nicäa im Jahr 325 teilgenommen haben. Im Jahr 342 soll er dann gestorben sein. Allerdings bleiben diese wenigen historischen Daten des Nikolaus recht unsicher.

Reihe von Heiligengeschichten

Und trotzdem wurde er zu einem der bekanntesten Heiligen in unseren europäischen Gefilden. Um ihn rankten sich eine Reihe von Heiligengeschichten, die insbesondere in der Volksfrömmigkeit eine enorm prägende Rolle spielten. Etwa die dramatische Geschichte von den drei fahrenden Schülern, die auf ihrer Reise von einem wirren Wirt ermordet und in einem Fass eingepökelt worden waren. Doch sie wurden dann vom Heiligen Nikolaus aus ihrem gepökelten Zustand mir nichts, dir nichts auferweckt. – Ich garantiere: Mit modernen Kinder-Psychologen kann man über diese Geschichte mindestens eine ganze Nacht lang heiß diskutieren...

Verrücktes Knabenbischofsfest in den Klosterschulen

Noch was Interessantes: Am Nikolaustag entwickelte sich das völlig verrückte Knabenbischofsfest in den Klosterschulen: Es wurde unter den Schülern ein Kinderbischof gewählt, der für 24 Stunden die Herrschaft übernahm und den Erwachsenen einen frechen Spiegel vorsetzte. Man nannte das Ganze „verkehrte Welt“.

Nikolaus wurde dann Schutzheiliger der Schüler, Studenten, Chorknaben und heiratsfähiger Mädchen. Schutzheiliger der Rechtsanwälte und Justizbeamten, der Metzger und Bäcker. Schutzheiliger der Apotheker und Lebensmittelhändler, der Bauern, Bierbrauer und Schnapsbrenner – was will man eigentlich noch mehr?

Beschützer der Opfer von Justizirrtümern

Doch der Heilige Nikolaus ist außerdem noch der Beschützer gegen Diebe und der Beschützer der Opfer von Justizirrtümern. Schließlich ist er noch der Patron der Pilger und Reisenden, Liebenden und Gebärenden, aber auch der Patron von Dieben, Gefängniswärtern, Prostituierten und Gefangenen geworden. – Meine Güte, was hat der Heilige Nikolaus nicht alles zu tun! Noch fleißiger sein kann ein Heiliger wirklich nicht … Man muss schon die Frage stellen: Wann kommt dieser Mann eigentlich zum Schlafen? Er ist wirklich ein Ganzjahresheiliger, der – ganz nebenbei – eine Menge zu erkennen gibt vom unendlichen Humor Gottes.

Von Peter Söllner