Nach 122 Jahren

Bei Celler Traditionsbäckerei Rönitz ist der Ofen aus

Wo sollen die Celler jetzt ihr Pane Italiano herbekommen? Die Bäckerei Rönitz am Großen Plan schließt. Ein bewegender Moment nicht nur für die Inhaber, sondern auch für die Kunden. Eine Frau kaufte gleich 20 Pakete Dinkeltoast, um sie einzufrieren.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 30. Nov. 2022 | 15:36 Uhr
  • 01. Dez. 2022
Nach 31 Jahren ist Schluss. Gabriela und Thomas Pitrowski-Rönitz haben am Mittwoch zum letzten Mal in ihrer Bäckerei gestanden. Die beiden freuen sich, jetzt endlich einmal mehr Zeit für andere Dinge im Leben zu haben.
  • Von Gunther Meinrenken
  • 30. Nov. 2022 | 15:36 Uhr
  • 01. Dez. 2022
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Celle.

Diese Nachricht wird den Cellern schwer im Magen liegen. Die Feinbäckerei Rönitz am Großen Plan hat ab Donnerstag, 1. Dezember, geschlossen, für immer. Gabriela und Thomas Pitrowski-Rönitz hören auf. 31 Jahre lang haben die beiden die Celler Traditionsbäckerei geführt, die im Jahr 1900 gegründet wurde und seitdem immer in Familienbesitz geblieben ist. Über vier Generationen hinweg.

Celler Kunden mit Tränen in den Augen

Im Laden haben sich in den vergangenen Wochen rührende Szenen abgespielt. "Einige Kunden standen mit Tränen in den Augen im Geschäft. Eine Frau hat auf einen Schlag 20 Pakete Dinkeltoast gekauft, die wollte sie einfrieren", erzählt Gabriela Pitrowski-Rönitz. Viele Celler können es nicht fassen, dass sie jetzt auf ihr Lieblingsbrot oder den Lieblingskuchen verzichten müssen. "Am vergangenen Samstag haben die Leute schon Schlange gestanden, bevor wir aufgemacht haben. Viele Kunden und auch andere Bäcker haben mich nach den Rezepten gefragt", sagt Thomas Pitrowski-Rönitz. Aber die gibt er nicht heraus.

"Ich wollte nie ein Bäcker sein, der irgendetwas in den Ofen schiebt."

Thomas Pitrowski-Rönitz

Rönitz war schon immer etwas Besonderes

1991 haben Pitrowski-Rönitz' die Bäckerei übernommen, er werkelte in der Backstube, sie war für den Verkauf zuständig. "Rönitz war immer schon der Bäcker in Celle, auch unter meinem Vater und Großvater", sagt der 63-Jährige. Und seine Frau bestätigt: "Als Kind habe ich in Unterlüß gelebt und selbst dort bin ich mit Rönitz groß geworden. Wenn meine Urgroßmutter zum Friseur nach Celle gefahren ist, ist sie immer zu Rönitz gegangen und hat eine große Tüte Campingbrötchen mitgebracht. Das war etwas ganz Besonderes", erinnert sie sich. Dass sie selbst einmal zur bekannten Bäckerfamilie gehören würde, hätte die 60-Jährige nicht gedacht.

Kleiner und feiner Bäcker

Pitrowski-Rönitz' haben die Erfolgsgeschichte der Bäckerei noch einmal auf eine andere Ebene gehoben. "Wir standen damals vor der Frage, ob wir ganz groß werden und expandieren oder ob wir klein bleiben und lieber Spezialitäten machen wollen", sagt Thomas Pitrowski-Rönitz. Die Antwort kennt jeder Celler. Rönitz blieb "klein und fein". Oder wie es der Bäckermeister ausdrückt: "Ich wollte nie ein Bäcker sein, der irgendetwas in den Ofen schiebt."

Die Bäckerei Rönitz im Jahr 1900. 

60 Brotsorten in 30 Jahren entwickelt

Thomas Pitrowski-Rönitz entwickelt eigene Rezepte. "Jeden Sonntag habe ich getüftelt und die Familie hat so lange die neuen Kreationen probiert, bis es perfekt war." Das Ergebnis: In 30 Jahren hat Pitrowski-Rönitz allein 60 Brotsorten "erfunden". "Als die Gesundheitswelle losging, habe ich zum Beispiel ein Dinkelbrot entwickelt, dadurch haben wir wieder junges Publikum bekommen."

Im Urlaub bei italienischem Bäcker gelernt

Und selbst im Urlaub, der stets zu kurz kam, gab es für den Bäcker keine Pause. "In Italien, im Städtchen Gubbio, habe ich gelernt, wie man italienisches Brot backt. Drei Tage bin ich früh aufgestanden und habe da in einer Bäckerei gearbeitet. Das habe ich dann hierher übertragen, die machen das da ohne Salz." Geboren war das Pane Italiano, ein absoluter Verkaufsschlager.

"Jeden Sonntag habe ich getüftelt und die Familie hat so lange die neuen Kreationen probiert, bis es perfekt war."

Thomas Pitrowski-Rönitz

Gourmetwelt entdeckt Celler Bäckerei

Die kleine Bäckerei am Großen Plan blieb auch der Gourmetwelt nicht verborgen. 1999 schaffte es Rönitz als erste Bäckerei deutschlandweit überhaupt in den "Feinschmecker", bis heute zählt das Geschäft ununterbrochen zu den besten Bäckern in der Republik. Der bekannte Restaurantkritiker Wolfram Siebeck schwärmte über Rönitz, weitere überregionale Zeitungs- und Fernsehbeiträge folgten. In Celle belieferte die Bäckerei die Hotels, unter anderem den Fürstenhof.

Keinen Nachfolger gesucht

Und nun ist Schluss, nach 31 Jahren, in denen Thomas Pitrowski-Rönitz fast pausenlos jede Nacht in der Backstube gestanden hat. "Einen Nachfolger haben wir nie gesucht. Man braucht ein Händchen für den Teig", sagt er. Große Wehmut verspüren die beiden nicht, noch nicht? "Es war eine gute Zeit, aber wir wollen auch mal etwas anderes machen", sagt Gabriela Pitrowsi-Rönitz. Und ihr Mann fügt hinzu: "Es gibt auch ein Leben nach dem Backen."