Celler Jugendherberge

Zusammensetzen und "Reset" drücken

Mit einem Hilferuf hat sich das DJH an die Celler Politik gewandt. Das sagen die Ratsfraktionen.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 11. Nov. 2022 | 18:10 Uhr
  • 11. Nov. 2022
Wo kann eine neue Jugendherberge angesiedelt werden? Die Celler Ratsfraktionen wünschen sich, dass die Gespräche zwischen Stadt und DJH fortgesetzt werden.
  • Von Gunther Meinrenken
  • 11. Nov. 2022 | 18:10 Uhr
  • 11. Nov. 2022
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Celle.

„Hätte die Stadt nicht Brücken bauen können, um die Jugendherberge am Standort Celle zu halten?“ So reagiert Karin Abenhausen auf den Hilferuf des Landesverbands Hannover des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) an die Celler Politik. Vorsitzender Peter Peschel hatte die Ratsfraktionen angeschrieben und gebeten, sich bei der Stadt für eine "deutlich konstruktivere Position" einzusetzen. Und auch Abenhausen denkt, dass im Neuen Rathaus noch deutlich Luft nach oben bei der Suche nach einem neuen Standort besteht.

Grüne hätten sich aktive Mitarbeit der Stadt gewünscht

"Außer dem geplanten Riegelbau auf der Allerinsel ist kein Angebot an das DJH zu erkennen. Wir hätten uns hier die aktive Mitarbeit der Stadt an einer Lösung gewünscht. Denn Jugendherbergen locken vor allem junge Touristen und Familien in Städte, die dann später gerne wieder besucht werden“, so Abenhausen. Für die Grünen sei es auch vorstellbar, über Bestandsimmobilien und deren Ausbau nachzudenken.

"Ich kenne keine Person aus Rat und Verwaltung, die sich gegen eine Jugendherberge in Celle aussprechen würde, ganz das Gegenteil ist der Fall."

Klaus Didschies, CDU-Ratsherr

Hin und Her über 25 Jahre

Klaus Didschies, langjähriger CDU-Ratsherr, hat "das Hin und Her in Sachen Jugendherberge mittlerweile seit 25 Jahren" beobachtet. Am alten Standort an der Petersburgstraße sei kaum noch investiert worden. Grundstücksangebote der Stadt auf dem Saarfeld oder später südlich der Hafenstraße seien vom DJH aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt worden. "Frei nach dem Motto: Wir wollen alles – haben aber nicht genügend Geld“, so Didschies.

Alle Celler Fraktionen wollen Jugendherberge

"Ich kenne keine Person aus Rat und Verwaltung, die sich gegen eine Jugendherberge in Celle aussprechen würde, ganz das Gegenteil ist der Fall und so hoffe ich, dass Vertreter aus Hannover weiterhin die Gespräche suchen und endlich Klartext sprechen, was finanziell umsetzbar ist und was nicht. Ein Grundstück zu verschenken haben weder die Stadt noch die Allerland. Sie dürften es auch nicht", betont Didschies.

Kein Nulltarif für DJH

Zum Nulltarif könne man das Jugendherbergswerk nicht bedienen, so die Meinung der FDP. "Wenn das DJH mit seinen knapp 2,4 Millionen Mitgliedern in diesem Schreiben von seinen 'Wünschen und Möglichkeiten' und davon spricht, dass das DJH 'allerdings mehr Entgegenkommen' erwartet, dann sind dies sehr ungenaue und harmlose Umschreibungen des Begriffs 'Forderungen', die sich natürlich auf die Steuergelder unserer Bürger auswirken würden. Ich hätte hier präzisere Angaben erwartet", sagt FDP-Fraktionsvorsitzender Joachim Falkenhagen.

„Hätte die Stadt nicht Brücken bauen können, um die Jugendherberge am Standort Celle zu halten?“

Karin Abenhausen, Ratsmitglied Grüne

WG für finanzielles Entgegenkommen

Torsten Schoeps (Wählergemeinschaft) rechnet etwas anders. "Das Haupt-Klientel des DJH, also Schulklassen und Jugendgruppen, sind die Touristen von Morgen – also lebenswichtig für unsere wirtschaftlich stark vom Tourismus abhängige Stadt", meint Schoeps. Mit entsprechendem finanziellen Entgegenkommen und einer Liegenschaft in adäquater Lage seien die Jugendherbergspläne möglicherweise zu retten. "Es ist angesichts des geschilderten Hintergrundes nicht angezeigt, jeden Euro zweimal umzudrehen. Jeder Euro Kaufpreis heute weniger wird sich in der Zukunft mehrfach positiv für unsere Stadt auszahlen", ist Schoeps überzeugt.

Celle muss Jugendherberge haben

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Patrick Brammer fordert Stadt und DJH auf, sich an einen Tisch zu setzen. "Reset drücken und neue Gespräche führen", so Brammer. "Der DJH hat Interesse am Standort Celle und ein Oberzentrum wie Celle muss eine Jugendherberge im Angebot haben. Eigentlich geht es hier um eine Win-Win-Situation. Warum das von der Stadt nicht begriffen wird, befremdet mich", so Brammer.

Leerstehende Gebäude prüfen

Und wie kann die Politik helfen? Brammer: "Wenn ein Neubau nicht möglich ist, wären alle möglichen, leerstehenden Bestandsimmobilien, die den Anforderungen einer Jugendherberge nach Umbaumaßnahmen entsprechen könnten, zu überprüfen. Insofern muss sich die Verwaltung die Fragen stellen, ob eine leerstehende katholische Grundschule, ein ungenutztes St.-Josefstift, die alte Ratsmühle oder andere nicht genutzte Immobilien in der Altstadt, wovon es ja bekanntlich einige gibt, für eine Jugendherberge stehen könnten. Wir hören häufig immer nur, was alles nicht geht. Warum fragt man nicht erstmal, was alles gehen könnte?"