Celle blüht auf

Celler feiern die tolle Knolle

Hunderte Celler feierten am Sonntag mit beim Kartoffelfest. Es war der gelungene Abschluss eines Projektes für mehr Artenvielfalt.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 25. Sept. 2022 | 17:30 Uhr
  • 20. Okt. 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 25. Sept. 2022 | 17:30 Uhr
  • 20. Okt. 2022
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Celle.

Wenn die Ernte eingebracht und die Arbeit auf dem Feld getan ist, dann wird gefeiert. Das war schon immer guter Brauch, und so war es auch am Sonntag als die CZ mit ihren Lesern am Sonntag auf dem Acker in Altenhagen den beeindruckenden Abschluss des „Celle blüht auf“-Kartoffelprojekts feierte. Dabei zeigte sich: Die jüngsten Bauern haben die buntesten Kartoffeln.

„Nimm noch welche von den witzigen verdrehten Roten mit – und von den dünnen langen Gelben da hinten!“ Robert und Ulrike Mehburger gehörten mit ihren Kindern Nike und Jone zu den Hunderten von Cellern, die auf dem Feld von Reihe zu Reihe sprangen und ganz unterschiedliche Kartoffeln aufsammelten und einpackten. „Wie verschieden die sind – diese Vielfalt ist wirklich beeindruckend“, so Robert Mehburger.

18 bunte Sorten für die Artenvielfalt

Artenvielfalt – ihr Erhalt ist das Hauptanliegen der CZ-Aktion „Celle blüht auf“. Die Kartoffel, von der es über 2000 Sorten gibt, steht wie kaum eine andere Pflanze für Biodiversität. Die „tolle Knolle“ sollte in diesem Sommer einmal zeigen, was sie alles draufhat. Damit das funktioniert, hatten sich mit dem Landvolk und der Albrecht-Thaer-Schule tatkräftige Aktions-Partner gefunden, die mit Sachverstand und viel Liebe einen einzigartig vielartigen Kartoffel-Acker angelegt hatten.

Für die Vielfalt geackert haben Schüler der Altenhäger Berufsschule, die im Rahmen des Kartoffel-Projekts direkt neben ihrem Klassenraum eine 2500 Quadratmeter große Fläche so vorbereiteten, dass 18 ganz unterschiedliche Kartoffelsorten gesteckt werden konnten – von Hand natürlich, denn für ein paar Reihen einer Sorte wäre modernes Großgerät fehl am Platz. Die angehenden Landwirte, die hier ihr Handwerk von der Pike auf lernen, betreuten Speisekartoffeln wie das Bamberger Hörnchen, die Rote Emmalie, die Blaue St. Galler oder die finnische Mandelkartoffel Puikula. Diese bunt gemischten Sorten sind nicht nur einfach interessant oder putzig: Sie stehen für die Artenvielfalt, für einen riesigen Genpool, den es zu erhalten gilt, wenn man auch in Zeiten des Klimawandels immer noch ein passendes Kartoffel-Ass im Ärmel haben will.

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„Wir wollen die Kartoffel wieder salonfähig machen – viele Leute nehmen sich ja heute gar nicht mehr die Zeit, sie zuzubereiten.“

Daniel Heuer von der Firma Europlant

„Die rosaschalige Laura ist Mamas Lieblingssorte“, sagte Daniel Heuer von der Firma Europlant, die Gutteil des Saatguts gesponsert hatte: „Diese Aktion ist so gut – klar, dass wir da mitgemacht haben.“ Heuer hatte zu allen Sorten Informationen und auch Rezepte zum Mitnehmen parat: „Wir wollen die Kartoffel wieder salonfähig machen – viele Leute nehmen sich ja heute gar nicht mehr die Zeit, sie zuzubereiten.“ Vor allem in Hofläden finde man immer noch Exoten, die sich mit interessanten Geschmacksnuancen von den 0815-Supermakrt-Kartoffeln unterschieden: „Da lohnt sich das Suchen.“

Ein Roder mit Geschichte

Wie Kartoffeln gerodet wurden, bevor Hightech-Monstermaschinen auf dem Acker das Regiment übernommen haben, demonstrierten die Schlepperfreunde Wolthausen mit einem historischen Kartoffelroder. Treckerfreund Christian Peters: „Die Maschinen müssen auch mal laufen. Das wollen die Leute sehen.“ Recht hatte er: Das Oldie-Roden war ein Publikumsmagnet. Auch hier packten die Landwirtschaftsschüler mit an. Sie trugen überall – vom Kinderspaß bis zum Kartoffelverkauf – dazu bei, dass das Fest mit seinen Attraktionen und kulinarischen Genüssen ein Erfolg war. Das war weit mehr als „nur“ Schule. Die jungen Leute haben ungezählte Stunden Freizeit in dieses Projekt gesteckt. Und dabei noch super gute Laune gehabt: Respekt!

Respekteinflößend war für viele Besucher auch der Grimme-Kartoffelroder der neuesten Generation. Dort müssen – je nach Modell – gar keine Helfer mehr auf dem Roder stehen. Preis: ab 200.000 Euro aufwärts, je nach Ausstattungsvariante. Wenn aber keiner mehr oben sortieren muss, dann wäre Michael Heins aus Offen um viele schöne Kindheitserinnerungen ärmer. Er stand gestern mit dem Handy am Feldrand, um zu filmen, wie sich der Wisent durch die Kartoffelreihen wühlt. Denn der Roder von 1964, den nun Christian Peters von den Schlepperfreunden sein Eigen nennt, kennt der 37-Jährige ganz genau aus dem elterlichen Betrieb. „Der war bis zum vorherigen Jahr noch in der Maschinengemeinschaft im Einsatz. Für mich heißt der Einmaleins“, erzählt Heins. Denn auf eben diesem Roder hat seine Großmutter ihn immer das Einmaleins aufsagen lassen. Nebenbei wurden Kartoffeln sortiert.

Bei den Kindern, die gestern auf dem Acker unterwegs waren, war die Trendbekleidung Matschhose und Gummistiefel. Sie hatten sichtlich Spaß, die größten oder auch kleinsten Kartoffeln aus den Reihen zu sammeln. Vielleicht werden sie sich als Erwachsene auch noch an diesen Nachmittag auf dem Acker erinnern. So wie Michael Heins sich an seine Einsätze auf dem Kartoffelroder.

 

 

Von Michael Ende und Maren Schulze