Bodo Theel

Celler rettet sein Fachwerk-Elternhaus

Als Pensionär hat sich Bodo Theel jetzt eine Menge vorgenommen. Er saniert sein Elternhaus am Celler Heiligen Kreuz. Eine wahre Herkulesaufgabe.

  • Von Michael Ende
  • 09. Dez. 2022 | 19:00 Uhr
  • 09. Dez. 2022
Bodo Theel vor seinem Elternhaus am heiligen Kreuz.
  • Von Michael Ende
  • 09. Dez. 2022 | 19:00 Uhr
  • 09. Dez. 2022
Anzeige
Celle.

Es ist eines der größten Abenteuer, das Celle zu bieten hat, und Bodo Theel hat sich darauf eingelassen: Er renoviert ein historisches Fachwerkhaus in der Altstadt. Das macht man nicht mal eben so, und das ist auch nichts für schwache Nerven, doch Theel bleibt cool: „Hier sind Spitzen-Handwerker bei der Arbeit, und wenn die fertig sind, wird dieses Haus ein echtes Schmuckstück sein.“ Bis dahin ist allerdings noch viel zu tun.

Entkerner bei der Arbeit.

Wo Menschen seit Jahrhunderten leben

Nachdem der 66-jährige Theel im vergangenen Jahr die Leitung der Winser Oberschule abgegeben hat, nimmt er jetzt als Pensionär ein Projekt in Angriff, das schon längst mal fällig war: "Ich saniere gerade das Fachwerkhaus meiner Eltern Am Heiligen Kreuz 30: Es wird das erste Energie-Effizienz-Haus-Denkmal in Celle werden." Dabei agiert der gelernte Historiker auf geschichtsträchtigem Grund. Das Haus liegt im Bereich des allerältesten Kerns der 1292 gegründeten Stadt. "Der Platz ist seit 1500 nachweislich bebaut gewesen", so Theel. Das jetzige Haus Am Heiligen Kreuz 30 ist laut Inschrift 1617 erbaut worden." Vorher müsse auf diesem Grundstück schon ein Haus gestanden haben, denn eines wurde bereits 1512 beurkundet."

Bodo Theel entdeckt sein altes Elternhaus neu.

Erbe der Eltern erhalten

Theels Eltern betrieben in dem Haus, das sie 1971 für gerade mal 40.000 Mark gekauft hatten und in dem sie auch lebten, ein Schneiderei- und Bekleidungsgeschäft. "Theel Moden" war in den 80er Jahren ein Begriff im Geschäftsleben der Altstadt. Vater und Mutter leben nicht mehr. Theel will das Erbe erhalten: "Vielleicht sehen sie ja von oben, was wir hier tun." Und das ist eine ganze Menge. Theel erging es wie so manchem Altstadt-Hausbesitzer, der sich an die Sanierung seines Gebäudes macht: Da ist es mit Spachtelarbeiten und ein bisschen Farbe nicht getan. Als er mit der Sanierung begann, stellte sich schnell heraus: Das Ganze wird eine echte Rettungsmission.

Solide konstruiert: Der Dachboden.

Fast wäre der Giebel umgefallen

"Bei den Entkernungsarbeiten entdeckten wir, dass der Giebel des Hauses hochgradig gefährdet war: Die Querbalken hatten kaum noch eine Verbindung zum sogenannten Stichbalken im Giebel – der gesamte Giebel hätte schlimmstenfalls komplett über die Straße aufs Restaurant San Marino fallen können", sagt Theel: "Natürlich haben wir der Absturzgefährdung sofort durch Sicherungsmaßnahmen entgegengewirkt."

Alten und neues Holz ergänzen einander.

Jetzt ist das Haus größtenteils "entkernt". Das heißt, bis auf das historische Fachwerk ist nicht mehr viel übrig. "Jetzt sind hier Künstler am Werk", schwärmt Theel, der die Zimmerer Matthias Pfahls und Uwe Förster von der Zimmerei Thomas Klein fasziniert bei ihrer Arbeit beobachtet.

Matthias Pfahls arbeitet einen Schriftzug im Fachwerk nach.

Mit Können und Liebe bei der Arbeit

"Wir wollen unseren Job so gut machen wie unsere Kollegen vor ein paar hundert Jahren", sagt Pfahls und schnitzt an einer Balkeninschrift. Dafür braucht man fundiertes Fachwissen, Können, den Blick fürs große Ganze und für jedes Detail. Theel: "Was die Jungs hier mit viel Akribie an Arbeiten verrichten, ist ganz große Zimmermannskunst." Zum Glück gebe es in einer Stadt wie Celle noch Betriebe, die sich mit Fachwerk auskennen: "Das kann längst nicht mehr jeder."

Uwe Förster zeichnet Schnittkanten in einen Holzbalken. 

Das große Ziel vor Augen

Vor seinem inneren Auge sieht Theel bereits die Wiedergeburt des alten Hauses. "Mit Stampflehm in den Wänden und einer Luft-Wärme-Pumpe wird es auf einzigartige Weise traditionelles Bauen, Ökologie und Zukunfts-Technik verbinden", sagt der Haus-Retter, der hofft, bei den Kosten unter der Millionen-Grenze zu landen: "Ende 2023 sollen die Wohnungen fertig sein – und das Haus ist dann hoffentlich gut gerüstet für die nächsten paar hundert Jahre."