Belohnung 1000 Mark

Vier Wochen nach den tödlichen Schüssen

So berichtete die CZ am 24. November 1979 über den Mord vor dem Einkaufszentrum "Blau-Gelb". Wachmann Dietrich Grohmann wurde von unbekannten Tätern erschossen.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 08. Sept. 2022 | 13:55 Uhr
  • 11. Okt. 2022
So berichtete die CZ am 24. November 1979 über den Überfall.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 08. Sept. 2022 | 13:55 Uhr
  • 11. Okt. 2022
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Celle.

Genau vier Wochen sind seit dem Überfall auf den Wachmann Dietrich Grohmann vor dem Einkaufszentrum Blau-Gelb vergangen. Im Bewusstsein der Öffentlichkeit ist diese Tat trotz vieler anderer weltpolitisch brisanter Themen immer noch erstaunlich frisch, wie man aus der häufig gestellten Frage: „Haben Sie schon die Täter?" entnehmen kann. Gespräche mit den ermittelnden Kripo-Beamten, aber auch mit der Familie des Opfers, lagen nahe.

Großaufgebot der Polizei fahndet nach den Räubern

Rund 140 Spuren gingen die Beamten nach, die zum Teil noch bearbeitet werden und von denen einige - wie die Kommissarin zurückhaltend andeutete - recht interessant sind. Auf Grund der CZ-Veröffentlichungen gingen 34 Hinweise aus der Bevölkerung ein, die das Täterfahrzeug, einen graphitgrauen BMW 528 i mit dem amtlichen Kennzeichen H · EU 666, im Raum Celle, schwerpunktmäßig im Bereich Scheuen, hauptsächlich in den späten Nachmittags- und Abendstunden gesehen hatte. Immer in Bewegung, nie nachts oder vormittags. Das heißt, wenn die Täter möglicherweise einem legalen Beruf nachgingen, muß das Fahrzeug irgendwo abgestellt worden sein.

Dubiose Anrufe bei der Polizei

Erstaunlich niedrig ist auch der Kilometerstand, der besagt, daß mit dem Fahrzeug nur im näheren Bereich Celles gefahren wurde. Und noch einen bedeutungsvollen Hinweis hält die Kripo in der Hand: das Tonband mit einer Frauenstimme, die 24 Stunden nach der Tat zweimal bei der Polizei Celle anrief und sagte: ,Ich weiß, wer der Mörder ist." Sie hatte sich am Sonnabendabend das erste Mal unter der Notrufnummer l 10 gemeldet. Als sie gebeten wurde, 2 10 11 zu wählen, hatte sie das kurze Zeit später auch getan. Ihren Namen gab sie nicht an, doch stellt die Polizei das Tonband der Öffentlichkeit jetzt zur Verfügung. Interessenten können es sich im Polizeihauptgebäude in der Jägerstraße anhören.

Hohe Belohnungen ausgesetzt für Hinweise

Seit gestern hat der Regierungspräsident in Lüneburg eine weitere Belohnung in Höhe von 2000 Mark für Hinweise aus der Bevölkerung ausgesetzt, die zur Klärung des Sachverhaltes führen. Ebenso wie die bereits am Montag nach der Tat bereitgestellte Belohnung in Höhe von 3000 Mark, wird das Geld unter Ausschluß des Rechtsweges zuerkannt und verteilt. Ebenfalls eine Belohnung in Höhe von je 2000 Mark halten die Firmen Geld· und Werttransport und Blau-Gelb bereit. Mit Hilfe von nunmehr 9000 Mark hofft die Kripo auf eine noch intensivere Mitarbeit der Bevölkerung.

So berichtete die CZ damals

Hilfe und Anteilnahme für Witwe von getötetem Wachmann

"Das macht meinen Mann auch nicht wieder lebendig." Gudrun Grohmann versucht, das Leben ohne ihn in den Griff zu bekommen. Bei der Bundeswehr, wo sie vorher als Sekretärin arbeitete. bringt man ihr größtes Verständnis entgegen. Ihr Posten steht ihr jederzeit, auch halbtags, wieder zur Verfügung. Große, unbürokratische Hilfe erfuhr sie auch durch die Berufsgenossenschaft ihres Mannes, die ihr alle Behördenwege abnahm und dafür sorgte, daß sie bereits nach drei Wochen einen Rentenbescheid erhielt. Olaf (11) und Andre (9) berichten stolz von der Anteilnahme ihrer Lehrer und der Klassenkameraden. Man begegnete der Familie nach dem Unglück mit größter Diskretion.

Trotz Karatekenntnis und guten Schießergebnissen keine Chance

Die Umbauarbeiten im Keller müssen jetzt die Handwerker vollenden, die defekte Eisenbahn repariert ein Nachbar im Hause. Die 38jährige Frau ist weder von Resignation noch von Rachegelüsten erfüllt. Doch macht sie keinen Hehl daraus, daß sie die Alleingänge ihres Mannes bei den immer riskanten Geldtransporten nicht begreift. Trotz Karatekenntnissen und ausgezeichneten Ergebnissen beim Übungsschießen hält sie es für zu gefährlich, daß bisher einer allein diese Aufgabe wahrnahm. Einmal begleitete sie abends ihren Mann. Anschließend hielt sie ihm vor, dabei zu viel aufs Spiel zu setzen. Sie hatte recht.

Der Text ist am 24. November 1979 im Original in der Celleschen Zeitung erschienen. Wir haben lediglich die gefetteten Zwischenzeilen hinzugefügt. 

Von Cellesche Zeitung