Ausbildung

In Celle sind noch über 600 Lehrstellen frei

Mehr als 600 Lehrstellen sind in Stadt und Landkreis derzeit noch unbesetzt. Die Chancen einer kurzfristigen Bewerbung sind aber nicht überall gleich groß. 
  • Von Jana Wollenberg
  • 22. Jun 2022 | 19:00 Uhr
  • 23. Jun 2022
  • Von Jana Wollenberg
  • 22. Jun 2022 | 19:00 Uhr
  • 23. Jun 2022
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Celle.

Der Beginn des Ausbildungsjahrs steht vor der Tür, in diesem Spätsommer starten erneut zahlreiche junge Menschen in ihre berufliche Zukunft. Noch sind aber längst nicht alle Lehrstellen, die von Celler Betrieben ausgeschrieben wurden, besetzt. 677 Stellen warten (Stand Dienstag) in Stadt und Landkreis derzeit noch auf den passenden Bewerber, wie Benjamin Bauch, Sprecher der Agentur für Arbeit, mitteilt.

Aktuell sind laut der Agentur 562 junge Menschen noch auf der Suche. Eine Blick in die Statistik zeigt aber auch: Nicht in jeder Branche sind die Chancen, in den letzten Wochen vor Beginn des Lehrjahrs noch eine Stelle zu bekommen, gleich gut. Während zum Beispiel als Kauffrau oder Kaufmann im Einzelhandel in diesem Jahr fast doppelt so viele Stellen ausgeschrieben wurden, wie es Bewerber gab, ist die Nachfrage nach Ausbildungen im Kfz-Bereich mehr als zweimal so hoch wie das Angebot – sowohl in den Werkstätten als auch im Verkauf.

Bewerbermangel nur in wenigen Bereichen

Bauch ist optimistisch, dass die meisten Betriebe in den kommenden Wochen ihre letzten freien Plätze besetzen werden. "Aber es wird Bereiche geben, wie zum Beispiel das Fleischereihandwerk, die mit einem Bewerbermangel rechnen müssen." Warum es für manche Betriebe einfacher als für andere sei, ihre Stellen zu besetzen, lasse sich nicht zweifelsfrei sagen. Es gehe aber auch darum, bei den Bewerbern Lust auf die Arbeit zu wecken. "Die Kunst besteht darin, den Ausbildungsplatz und die Firma attraktiv darzustellen und die Vorzüge der Ausbildung in dieser Firma zu transportieren."

Gute Chancen für Suchende gibt es laut Bauch noch in der Gastronomie. Und auch im Handwerk gebe es noch freie Stellen, wobei das nicht für alle Branchen gleichermaßen gelte, erklärt Kreishandwerksmeister Markus Duwe. "Bei den Tischlern gibt es mehr Anfragen als Plätze, das war eigentlich schon immer so", meint er. Der Bereich zähle schon seit Langem zu den beliebteren Lehrberufen im Handwerk.

"Maurer und Zimmerleute haben zum Beispiel relativ wenige Auszubildende." Hier bedingen sich Angebot und Nachfrage, erklärt der Tischlermeister: Einerseits gebe es weniger Bewerber, dadurch würden aber auch weniger Stellen ausgeschrieben.

Praktikum bringt Vorteile für beide Seiten

Im Handwerk und auch in anderen Berufen gibt es also noch Chancen, in diesem Jahr in die Ausbildung zu starten. Ein kurzfristiger Einstieg sei aber nicht immer ohne Weiteres möglich, mahnt Duwe. Auch für das Unternehmen brauche es Vorlauf und die Anmeldung an der Berufsfachschule müsse rechtzeitig erfolgen. Eng wird es zudem, wenn sich Bewerber im Rahmen eines Praktikums für ein Unternehmen entscheiden wollen. Dabei kann das durchaus wichtig sein, betont der Kreishandwerksmeister. "Ich finde ein Praktikum für beide Seiten wichtig", sagt er. So könne sich auch die Firma von der Bewerberin oder dem Bewerber überzeugen.

"Kurze Praktika und ein persönlicher Kontakt zum Ausbilder sind da Schlüssel zum Erfolg", sagt auch Bauch. Zudem sollten Berufseinsteiger auch nach Beginn der Lehre die Angebote der Agentur für Arbeit in Betracht ziehen – und sich darüber informieren, unter welchen Bedingungen während der Ausbildung in der Übergangszeit Anspruch auf Kindergeld besteht.