Augenzeugenberichte

Celler nach Unfall in Altstadt schockiert

Der Unfall auf dem Großen Plan sorgte am Montag bundesweit für Schlagzeilen. Die Augenzeugen sind geschockt, loben aber das schnelle Eingreifen von Polizei und Rettungsdienst. So erlebten die Celler den Unfall.

  • Von Sebastian Salpius
  • 03. Jan. 2023 | 19:15 Uhr
  • 04. Jan. 2023
Der SUV der Marke Mercedes umrundete zunächst den Brunnen am Großen Plan, ehe er in die Hauswand fuhr. Zuvor hatte der 70-jährige Fahrer wegen eines medizinischen Notfalls das Bewusstsein verloren.
  • Von Sebastian Salpius
  • 03. Jan. 2023 | 19:15 Uhr
  • 04. Jan. 2023
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Celle.

Es waren dramatische Szenen, die sich am Montagnachmittag in der Celler Altstadt abgespielt haben. Der 70-jährige Fahrer eines Mercedes-SUVs verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug und fuhr in eine Hauswand. Mindestens fünf Passanten wurden verletzt, einer davon, ein 40-Jähriger, lebensbedrohlich.

"Ich habe nur den Knall und die schreienden Leute gehört. Es war furchtbar."

Boutique-Inhaberin Monika Ludwigs

Boutique-Inhaberin von Knall überrascht

Abgebröckelte Ziegelsteine und zersplitterte Holzbretter deuten auf die Wucht hin, mit der das Auto in den Eingangsbereich des Fachwerkhauses am Großen Plan rauschte. Ein rotes Verkaufsoberteil kaschiert die Stelle, an der abgerissene Holzbretter in die nun blanke Ziegelsteinfassade übergehen. Rechts daneben verdecken zwei Spanholzplatten das Schaufenster einer Modeboutique. Monika Ludwigs, die Inhaberin des Geschäfts, klebt rote Schilder mit einem Prozentzeichen auf die hellbraune Oberfläche. "Ich habe nur den Knall und die schreienden Leute gehört. Es war furchtbar", berichtet sie.

Am Folgetag war die Fassade demoliert und das zersplitterte Schaufenster der Modeboutique mit Spanholzplatten abgedeckt. 

Der Grund für die ungewöhnliche Fensterabdeckung offenbart sich im Innenraum des Geschäfts: Das Schaufenster ist zwar in seinen Fugen verblieben, aber durch den Unfall komplett zersplittert. Hinter dem Tresen faltet Ludwigs ein gelbes Oberteil zusammen. "Ich habe hier gesessen und gar nicht rausgeguckt", schildert sie den dramatischen Moment. Nach dem lauten Knall habe sie sofort die Polizei alarmiert, direkt im Anschluss sei bereits der erste Rettungswagen eingetroffen. "Ich weiß nur, dass sehr viele Krankenwagen ankamen. Das war prima."

Vor dem zerstörten Eingangsbereich prüften THW und Feuerwehr die Statik des Fachwerkhauses.

Auch das Technische Hilfswerk (THW) sei sofort zur Stelle gewesen und habe sich nach ihr erkundigt. Doch ihre Gedanken galten den Verletzten. "Die armen Menschen, die hier am Bummeln waren", sagt sie, während sie zum Tresen guckt.

Auch der Motorraum des Unfallfahrzeugs wurde genauestens begutachtet.

Augenzeugen sind sprachlos

Vor dem Kaffeehaus Kiess & Krause haben es sich zwei ältere Frauen mit weißen Tassen an einem Tisch bequem gemacht. Auch sie unterhalten sich über das, was tags zuvor hier geschah. Hinter der brusthohen, gläsernen Kuchentheke des Cafés empfängt eine Verkäuferin die Kunden. Sie selbst sei zum Zeitpunkt des Unfalls nicht im Geschäft gewesen, ruft aber eine Kollegin. Diese möchte zunächst nichts zum Unfall sagen. "Die Leute haben geschrien, die Kinder geweint. Es war schlimm", sind ihre einzigen Worte, bevor sie wieder in der Küche verschwindet. Das Café habe den Betrieb trotz des Unfalls fortgeführt, doch an einen normalen Arbeitsalltag war für die Augenzeugen anschließend nicht mehr zu denken.

"Polizei und Rettungswagen waren in fünf Minuten da. Das war super."

Augenzeugin Cosima Crone

Cosima Crone beobachtete den Unfall zufällig aus dem Laden „s' Fachl“, der sich schräg gegenüber auf dem Großen Plan befindet. "Ich habe es von hier aus gesehen, als ich die Postkarten sortiert habe", meint die Inhaberin und zeigt auf den Postkartenständer vor der Eingangstür. Mehrere Personen hätten sich zunächst um die Verletzten gekümmert. "Polizei und Rettungswagen waren in fünf Minuten da. Das war super."

Feuerwehr, Rettungswagen und Polizei waren binnen weniger Minuten zur Stelle, um Hilfe zu leisten.

Schwerverletzter schwebt in Lebensgefahr

Das Crêpes-Geschäft, dessen Fassade durch den Unfall beschädigt wurde, hatte am Montag Ruhetag. Aus diesem Grund befand sich niemand im Innenraum. Die Statik des Fachwerkhauses ist nach ersten Einschätzungen von beauftragten Firmen und THW nicht gefährdet, sagt Inhaber Sven Engler. Ob die geplante Neueröffnung des Geschäfts mit integrierter Bar am 5. Februar verschoben wird, sei am Wochenende zu klären. Der Schaden an der Fassade dürfte sich auf 10.000 Euro belaufen, der an dem Unfallfahrzeug auf etwa 15.000 Euro.

Unbekannt ist nach wie vor, was den "medizinischen Notfall" des Fahrers auslöste, der zur Bewusstlosigkeit führte. Die Gerüchte um einen "Krampfanfall" konnte Polizeisprecher Dirk Heitmann am Dienstag nicht bestätigten. Stand Dienstagmorgen sei der Zustand des schwerverletzten 40-jährigen Fußgängers „stabil“. Heitmann meint aber, „dass er sich weiterhin in Lebensgefahr befindet“. Vier der verletzten Passanten erlitten Knochenbrüche. Sie wurden im AKH Celle medizinisch versorgt. Die Ermittlungen zum Unfallhergang dauern an.