Aufwand in Celle hoch

Bürger und Testzentren kritisieren Bürgertests

Auf wenig Gegenliebe bei Bürgern und Testzentren stößt die neue Corona-Testverordnung in Celle. Das sind die Kritikpunkte.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 01. Juli 2022 | 17:00 Uhr
  • 01. Juli 2022
  • Von Gunther Meinrenken
  • 01. Juli 2022 | 17:00 Uhr
  • 01. Juli 2022
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Celle.

Unverständnis und Verwirrung herrschen derzeit an den Corona-Testzentren vor. Seit Donnerstag gibt es neue Regeln bei den Bürgertests, die jetzt zumeist wieder kostenpflichtig sind. Doch wer in Zeiten nach wie vor hoher Sieben-Tage-Inzidenzen von mehr als 1000 in der Region wie viel bezahlen und welche Nachweise mitbringen muss, wissen die meisten Celler, die aktuell die Teststationen aufsuchen, nicht. Kein Wunder: Wie schon in der Vergangenheit stockte der Informationsfluss bei neuen Corona-Verordnungen der Bundesregierung auch dieses Mal. Deshalb hatten sich in Hannover am Donnerstag sogar einzelne Betreiber entschieden, die Tests vorerst weiter kostenlos anzubieten, um den Ärger der Nutzer abzufedern.

Celler kritisieren neue Verordnung

Am Covid-Checkpoint AllerCenter in Groß Hehlen nahmen die Mitarbeiter am Freitag fast im Minutentakt Abstriche ab. In der Schlange stand auch Jens Thölert mit seiner Familie. Er wollte sich freitesten und auch seine Frau und seine Kinder testen lassen. Seinen positiven PCR-Test hatte er dabei, also mussten er und seine Familie nichts zahlen. „Ich halte nichts davon, bei den derzeitig steigenden Infektionszahlen die Tests kostenpflichtig zu machen“, sprach er wohl vielen Bürgern aus der Seele.

Neue Regelungen erreichen Testzentren erst einen Tag vorher

Wie wohl alle Betreiber von Testzentren hat die neue Verordnung auch Christoph Caesar vom Covid-Checkpoint AllerCenter kalt erwischt. Ursprünglich war immer vom 1. Juli die Rede. „Dann hat die Bundesregierung wohl gemerkt, dass die alte Verordnung am 30. Juni ausläuft. Am Mittwoch um 16 Uhr, also einen Tag vorher, kamen dann die neuen Regelungen“, so Caesar, der nicht versteht, warum man nicht die alte Verordnung um vier Wochen verlängert hat, damit die Testzentren mehr Zeit gehabt hätten, sich auf die neuen Regelungen einzustellen.

Bundesregierung kürzt Vergütung für Testzentren

Für die Testzentren hat es die neue Verordnung in sich. Zum einen werden für jeden Schnelltest jetzt nicht mehr 11,50 Euro, sondern nur noch 9,50 Euro erstattet (Beispielpreis vom Covid-Checkpoint). Dafür ist der Dokumentationsaufwand gestiegen. Sprich: weniger Geld für mehr Arbeit. So müssen die Nachweise für die Kunden, die auch künftig nichts bezahlen müssen, zwar nicht archiviert werden, die Selbstauskünfte derjenigen, die nun 3 Euro pro Test zuzahlen müssen, allerdings schon.

Großer Aufklärungsbedarf bei Kunden

„Darüber hinaus haben wir im Augenblick einen sehr großen Aufklärungsbedarf bei den Kunden. Das machen wir gern, aber es bedeutet natürlich einen großen Mehraufwand“, sagte Yasin Dumlu, Betreiber der Teststation Nienhagen an der B3. Bis spät in die Nacht hatte er am Mittwoch zusammen mit Caesar Formulare zur Selbstauskunft entworfen, da es bisher keine offiziellen Vordrucke gibt. Ein Grundproblem: „Seit einer Woche versuche ich vom Gesundheitsamt und der Kassenärztlichen Vereinigung nähere Informationen etwa zur Abrechnung zu erhalten. Eine Antwort habe ich nicht erhalten“, so Christoph Eisermann vom Testzentrum „CPS Health Care“.

Testzentren müssen Kassensystem aufbauen

Weitere Belastung: „Wir mussten aus dem Nichts über Nacht ein Kassensystem mit Sicherheitsvorkehrung aufbauen“, erklärte Caesar, der nun auch immer genug Wechselgeld vorhalten muss. Immerhin – der Unmut der Kunden richtet sich nicht gegen die Mitarbeiter der Testzentren. „Viele sind froh, dass sie bei uns aufgeklärt werden über die neue Verordnung“, so Dumlu. Und Caesar weist auf ein anderes Problem hin: „Personen, die Symptome zeigen, sollen laut Verordnung zum Hausarzt gehen. Doch die haben gar nicht die Kapazitäten und schicken die Leute zu uns. Aber dann müssen sie die vollen 9,50 Euro zahlen.“

 

Detaillierte Informationen zu den neuen Regelungen findet man auf der Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums. Unter dem Suchbegriff „Bundesgesundheitsministerium Corona-Testverordnung“ landet man direkt auf der entsprechenden Seite mit der Verordnung und Fragen und Antworten zu dem Thema.