Analyse nach Landtagswahl

Celler SPD und Grüne ohne Abgeordnete

Eigentlich haben die Celler SPD und insbesondere die Grünen bei der niedersächsischen Landtagswahl gut abgeschnitten - doch gehen beide leer aus. Wie sich die Parteien das Ergebnis erklären und welche Folgen sie für den Landkreis fürchten. 

  • Von Gunther Meinrenken
  • 12. Okt. 2022 | 07:05 Uhr
  • 12. Okt. 2022
In den Landtag in Hannover werden keine Abgeordneten der Celler SPD und Grünen einziehen.
  • Von Gunther Meinrenken
  • 12. Okt. 2022 | 07:05 Uhr
  • 12. Okt. 2022
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Celle.

Keine Abgeordneten im Bundestag und nach der Landtagswahl am vergangenen Sonntag steht fest, dass SPD und Grüne aus dem Landkreis Celle auch nicht im Landtag in Hannover vertreten sein werden. Stattdessen sitzen zwei Abgeordnete der CDU und zwei von der AfD im Landtag. Vor allem für die Sozialdemokraten vor Ort ein alles andere als zufriedenstellendes Ergebnis. Eine sozialdemokratische Stimme für den Landkreis Celle gibt es weder auf Bundes-, noch auf Landesebene. Bei der SPD und auch bei den Grünen hat die Aufarbeitung der Landtagswahl begonnen.

Zweite Legislaturperiode ohne Celler SPD-Abgeordneten

Für die Celler SPD ist es die zweite Legislaturperiode nacheinander, in der sie keinen Landtagsabgeordneten stellt. 2017 war Maximilian Schmidt im Wahlkreis Bergen gegen Jörn Schepelmann (CDU) unterlegen. Sein Listenplatz reichte nicht aus, um in den Landtag einzuziehen. Nach der Kommunalwahl im vergangenen Herbst rückte er zwar für ein Jahr in den Landtag nach, zur jetzigen Wahl wollte er sich aber nicht mehr aufstellen lassen. Die SPD nominierte Ros-Marie Siemsglüß, die deutlich gegen Schepelmann unterlag.

"Das ist richtig schlecht für unsere Region. Die beiden CDU-Abgeordneten landen in der Opposition und die beiden AfD-Abgeordneten in der Totalopposition – gerade für die Vertretung unserer Interessen als Landkreis Celle ist das eine miserable Ausgangslage."

Maximilian Schmidt, Vorsitzender des Celler SPD-Unterbezirks

"Miserable Ausgangslage" für Landkreis Celle

Jetzt sagt Schmidt, Vorsitzender des Celler SPD-Unterbezirks: "Das ist richtig schlecht für unsere Region. Die beiden CDU-Abgeordneten landen in der Opposition und die beiden AfD-Abgeordneten in der Totalopposition – gerade für die Vertretung unserer Interessen als Landkreis Celle ist das eine miserable Ausgangslage." Doch damit stehen die Celler nicht allein da. "Die gesamte Region zwischen Aller und Elbe hat bis auf Lüneburg-Land jetzt keinen Abgeordneten mehr in Hannover. Wir erwarten von der Landes-SPD, dass sie unsere Heide-Region im Blick behält", so Schmidt.

Zu gutes Ergebnis: Landesliste zieht bei SPD nicht mehr

Der Misserfolg der Celler SPD-Kandidaten ist die Kehrseite des SPD-Erfolgs auf Landesebene. Viele SPD-Abgeordnete haben ihren Wahlkreis direkt gewonnen, so viele, dass die Landesliste allenfalls noch auf den vorderen Plätzen zieht. 2017 zog sogar kein Abgeordneter der SPD über die Liste in den Landtag ein. Ein besserer Platz auf der Landesliste würde im Augenblick wenig helfen. Oder wie es der gerade in Celle unterlegene Christoph Engelen formuliert. "Es lohnt sich nicht zu kandidieren, wenn die SPD im Land stark ist."

Wahlkreis Bergen fest in Händen der CDU

"Wir brauchen Zugpferde", sagt Engelen nach der Landtagswahl. Doch selbst die besten Zugpferde haben in der Vergangenheit nicht gezogen. Bestes Beispiel: Dirk-Ulrich Mende. Einen populäreren Kandidaten als den ehemaligen Celler Oberbürgermeister hatte die Celler SPD wohl nur selten und doch unterlag Mende bei der vergangenen Bundestagswahl knapp gegen Henning Otte. Im Wahlkreis Bergen scheint die CDU bei der Landtagswahl immer noch unschlagbar zu sein, das zeigt der große Stimmenvorsprung von 12,8 Prozent von Schepelmann gegenüber Siemsglüß.

"Die Frage ist doch, ob man eine so starke Erststimmenkampagne wie die Grünen machen muss, wenn man eine rot-grüne Mehrheit haben möchte."

SPD-Kandidat Christoph Engelen

Engelen kann Zweitstimmenvorsprung nicht ummünzen

Der Wahlkreis Celle ist vielversprechender. Hier lag die SPD bei den Zweitstimmen mit 30,4 Prozent sogar relativ deutlich vor der CDU mit 27,4 Prozent. Doch bei der Direktwahl konnte Engelen diesen Vorteil nicht für sich ummünzen. Er unterlag knapp gegen Alexander Wille (CDU). Hat der Grünen-Kandidat Martin Kirschstein Engelen die entscheidenden Stimmen gekostet? Noch am Wahlabend hatte Engelen sich über die Grünen beschwert, jetzt relativiert er seine Aussage. "Die Frage ist doch, ob man eine so starke Erststimmenkampagne wie die Grünen machen muss, wenn man eine rot-grüne Mehrheit haben möchte."

Erstimmenkampagnen von Celler Grünen und SPD

Engelen zielt darauf ab, dass sich SPD und Grüne hätten einigen können, um einen von beiden Bewerbern direkt in den Landtag zu bekommen. Doch nicht nur die Grünen haben für die Erststimme ihres Bewerbers geworben, auch Mende hatte eine Anzeige geschaltet, damit Wähler der Grünen ihre Erststimme lieber Engelen geben, wie Grünen-Kreisvorsitzender Bernd Zobel kritisch anmerkt. Der lachende Dritte war CDU-Kandidat Alexander Wille.

Einigung auf gemeinsamen Kandidaten schwierig

"Sich auf einen gemeinsamen Kandidaten zu einigen, ist für uns nur die zweite Option", sagt Zobel. Das sei je nach politischer Wetterlage ohnehin nicht einfach. Und die Grünen haben mittlerweile ganz andere Ambitionen. Die Partei hat so zugelegt, dass sie in einigen Wahlkreisen ernsthafte Konkurrenten um das Direktmandat stellt. Dennoch bleibt unterm Strich: Die Celler Grünen haben ein gutes Ergebnis eingefahren, dennoch gehen sie leer aus.

Grüne wollen langfristig Kandidaten aufbauen

Zobel verfolgt zwei Strategien. "Wir müssen langfristig junge Kandidaten aufbauen und in Hannover vernetzen", so der Kreisvorsitzende der Celler Grünen, die insgesamt in ihrer Geschichte erst zwei Landtagsabgeordnete und einen Bundestagsabgeordneten stellten. Und: Die Celler Kandidaten müssten bessere Plätze auf der Landesliste erhalten. Zudem müssten die Celler im Wahlkampf besser unterstützt werden. "Wir haben keine Promis bekommen im Wahlkampf. Die Nienburger haben ein schlechteres Ergebnis als wir, aber dort waren Bundestags- und Landtagsabgeordnete im Wahlkampf aktiv", beschwert sich Zobel.