Wahlkreis Celle

Alexander Wille (CDU) gewinnt Zweikampf gegen Christoph Engelen (SPD)

Knapp war es nur zu Beginn: Alexander Wille zieht für die Celler CDU direkt in den Landtag ein, Christoph Engelen (SPD) hat das Nachsehen. Und einen Schuldigen dafür hat er auch schon ausgemacht. So lief der Wahlabend in der Stadt Celle.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 09. Okt. 2022 | 22:35 Uhr
  • 10. Okt. 2022
Hatte am Ende gut lachen - Alexander Wille holte für die CDU den Wahlkreis 45 (Celle-Hambühren-Wietze).
  • Von Gunther Meinrenken
  • 09. Okt. 2022 | 22:35 Uhr
  • 10. Okt. 2022
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Celle.

Jubel bei der SPD, Katerstimmung bei der CDU – so sah es gestern um 18 Uhr bei den Wahlkampfpartys der beiden Celler Parteien aus, als im Fernsehen die erste Hochrechnung zur Landtagswahl in Niedersachsen präsentiert wurde. Etwa eineinhalb Stunden später hatten sich die Vorzeichen umgekehrt, zumindest in Celle. Da löste sich die Spannung bei einem zunächst sichtlich nervösen Alexander Wille. Nach einem nur nach der Auszählung der ersten 20 Wahlkreise spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen hatte sich Wille letztlich relativ deutlich gegen seinen Konkurrenten von der Celler SPD, Christoph Engelen, im Kampf um das Direktmandat im Wahlkreis 45 (Celle-Hambühren-Wietze) durchgesetzt. Am Ende lag Wille mit 28,8 Prozent vor Engelen, der 27,1 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte. In absoluten Zahlen: Wille erhielt 625 Stimmen mehr als Engelen.

"Das war eine enge Kiste. Ich war ganz froh, dass der Abstand irgendwann größer wurde und dann in etwa stagniert hat."

Der neue CDU-Landtagsabgeordnete Alexander Wille

Sieger Wille spricht von "enger Kiste"

"Das war eine enge Kiste. Ich war ganz froh, dass der Abstand irgendwann größer wurde und dann in etwa stagniert hat", sagte ein sichtbar entspannter Alexander Wille, nachdem gegen 21 Uhr 109 von 110 Wahllokalen ausgezählt waren. Der Fraktionsvorsitzende der CDU im Stadtrat, der diesen Posten weiterhin ausfüllen wird, wird in den Landtag einziehen. Abzusehen sei dies für ihn im Vorfeld der Wahl nicht gewesen. "Mit Kirschstein haben die Grünen einen Kandidaten, der ordentlich Perspektive hatte, ins Rennen geschickt. Das hat die Ausgangssituation grundlegend verändert", meinte Wille.

Ganz und gar nicht zufrieden war Wille mit dem Abschneiden der CDU auf Landesebene. "Wir als Partei haben nach dieser Wahl verstanden, dass wir stärker auf die Menschen zugehen müssen. Wir brauchen jetzt schnell klare Antworten", sagte Wille mit Blick darauf, dass offensichtlich die Angst vor den hohen Energiepreisen die Menschen in die Arme der AfD getrieben habe. "Das ist ein ganz klarer Arbeitsauftrag für alle demokratischen Kräfte", so Wille.

"Es ist das zweite Mal nacheinander, dass die Grünen der CDU zu einem Direktmandat verholfen haben. Bei der Bundestagswahl war es genauso."

SPD-Kandidat Christoph Engelen

Engelen kritisiert Celler Grüne

Christoph Engelen gratulierte Wille zur Direktwahl und kritisierte anschließend die Grünen. "Es ist das zweite Mal nacheinander, dass die Grünen der CDU zu einem Direktmandat verholfen haben. Bei der Bundestagswahl war es genauso", meinte Engelen, der darauf anspielte, dass ohne Grünen-Direktkandidaten vielleicht genug Stimmen auf den SPD-Bewerber entfallen wären. "Das ist kein Erfolg der CDU, sondern der Grünen", ätzte Engelen in Richtung der letztgenannten Partei.

Christoph Engelen (SPD) hat den Kampf um das Direktmandat knapp verloren.

Celler SPD ohne Abgeordneten

Engelen selbst glaubt nicht, dass er trotz des Wahlerfolges der SPD in Niedersachsen noch in den Landtag einziehen wird. Dazu dürfte sein Listenplatz, er liegt auf Rang 37, wohl nicht reichen. Das Problem: Wahrscheinlich hat die SPD zu viele Direktmandate gewonnen, als dass die Landesliste noch bis zu diesem Platz ziehen dürfte. Gleiches war bei der vorherigen Landtagswahl schon mit Maximilian Schmidt geschehen. So steht die Celler SPD nach einer erfolgreichen Bundestags- und einer erfolgreichen Landtagswahl (bei den Zweitstimmen im Wahlkreis 45 liegt die SPD mit 30,4 Prozent vor der CDU mit 27,4 Prozent) mit leeren Händen da. Einen SPD-Abgeordneten aus dem Celler Beritt gibt es weder im Landtag noch im Bundestag. Eine ernüchternde Bilanz.

Martin Kirschstein konnte für die Grünen nicht in das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Wille und Engelen eingreifen.

In den Zweikampf zwischen Wille und Engelen hatte Martin Kirschstein, Direktkandidat der Celler Grünen, nicht eingreifen können. Der ehemalige Chefarzt der AKH-Kinderklinik kam auf respektable 18,3 Prozent, doch der Abstand zu Wille und Engelen war zu groß, um aus dem Zweikampf einen Dreikampf zu machen. Dennoch, die Wahl des Direktkandidaten sei für die Grünen die richtige Entscheidung gewesen. "Das ist für die Celler Grünen ein toller Erfolg", meinte Kirschstein.

Energiepreise beherrschendes Thema

Nicht nur bei der Landtagswahl allgemein, sondern auch vor Ort in Celle habe die Bundespolitik sehr stark hineingespielt. "Es ging nur noch um die Energiepreise und den Krieg in der Ukraine. Das AKH oder Bildung hat keine Rolle mehr gespielt", sagte Kirschstein. Das habe sich auch auf das Gesamtergebnis der Grünen in Niedersachsen niedergeschlagen. "16 bis 17 Prozent, also eine Verdoppelung, habe ich für realistisch gehalten. In den Umfragen lagen wir im August noch bei 22 Prozent", so Kirschstein, dessen Partei im Wahlkreis Celle bei 13,5 Prozent landete.

"Wir haben 11 Prozent angestrebt – dass wir in Celle sogar darüber liegen, ist fulminant."

AfD-Kandidat Daniel Biermann

Parteien entsetzt über gutes Ergebnis der AfD

"Entsetzlich" – das war der Tenor bei der Celler CDU, SPD und den Grünen über das Abschneiden der AfD, sowohl auf Landesebene als auch vor Ort. Im Wahlkreis 45 hatte AfD-Direktkandidat Daniel Biermann 14,9 Prozent der Stimmen geholt, sogar noch 0,1 Prozent mehr als die Partei an Zweitstimmen erhalten hatte (14,8 Prozent). Und: Die AfD in Celle schnitt damit im Landkreis noch besser ab als landesweit.

Celler AfD feiert Wahlerfolg

"Wir haben 11 Prozent angestrebt – dass wir in Celle sogar darüber liegen, ist fulminant", so Biermann, der selbst nicht in den Landtag einzieht. Auf der Landesliste war er nicht vertreten. Im Gegensatz zur Meinung von CDU, SPD und den Grünen über seine Partei, denkt Biermann, "dass immer mehr Bürger erkannt haben, dass die AfD eine bürgerlich-freiheitliche Politik verfolgt".