Party in Altstadt

Warum die Veranstalter das Celler Stadtfest absagen

Viele Einflüsse haben zu der Entscheidung geführt: Der Vorstand des Vereins Celler Stadtfest erklärt die Absage. Schweren Herzens habe man eine Entscheidung getroffen, die auch die Zukunft betrifft.

  • Von Jürgen Poestges
  • 15. Aug. 2022 | 17:00 Uhr
  • 18. Aug. 2022
  • Von Jürgen Poestges
  • 15. Aug. 2022 | 17:00 Uhr
  • 18. Aug. 2022
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Celle.

Dieser Weg war kein leichter für sie. Der „Doppelspitze“ des Vereins Celler Stadtfest, Wolfgang Reichert und Bernd Wengeler, ist deutlich anzumerken, dass ihnen die Absage des Festes, das eigentlich am 16. und 17. September in der Altstadt nach zwei Jahren Corona-Pause wieder stattfinden sollte, absolut nicht leicht gefallen ist. „Nach der Corona-Pause haben wir es etwas zu ruhig angehen lassen“, erklärt der Vorsitzende Reichert. „Wir haben die Situation unterschätzt, und dann kamen noch nicht vorhersehbare Probleme dazu. Es stand unter dem Strich der Fortbestand des Vereins und des Stadtfestes auf dem Spiel, wenn wir das auf Teufel komm raus durchgezogen hätten.“

Krankheit und private Probleme

„Es sind viele Einflüsse mehr, die auf unsere Vorstandentscheidung eingewirkt haben “, so Reichert weiter. Daran sind die beiden vergangenen Jahre nicht ganz unschuldig. „Es hat sich im personellen Bereich in dieser Zeit einiges geändert, dazu kamen jetzt aktuell Krankheit und private Probleme im Umfeld des Vorstandes. Alles zusammen hat letztlich dazu geführt, dass wir uns zu der Absage entschieden haben. Wir wollen, bei allem Respekt den Helfern und dem Publikum gegenüber, mit dem Vorstand in Ruhe einen neuen Anlauf nehmen.“

"Gegebenheiten unterschätzt"

Beide geben zu, „dass wir im Vorstand die aktuellen Gegebenheiten zu Beginn unterschätzt haben. Da sind die Techniker und Caterer, die nach den beiden mageren Jahren schauen müssen, dass sie endlich wieder Geld verdienen können oder die schlicht kein Personal mehr haben, weil das in den beiden Jahren abgewandert ist“, erklärt Wengeler. „Das sind die Spätfolgen der Corona-Pandemie, die jetzt durchschlagen auf unsere Organisation. Auch bei uns im Team sind einige Personen nicht mehr dabei.“ Es seien viele Kleinigkeiten aufgelaufen, die sich letztlich zu so einem großen Berg aufgetürmt hätten, dass er nicht zu bewerkstelligen gewesen sei. „Wir haben dann gemerkt, dass es nicht zu leisten ist – es wäre nicht ein Stadtfest geworden, wie wir es wollen“, so Wengeler.

Verkleinerung keine Option

Eine Verkleinerung des Festes auf vielleicht nur eine Bühne sei zuletzt ebenfalls keine Option gewesen. „Das hätte für uns einen ähnlichen Aufwand bedeutet wie bei einem kompletten Fest“, sagt Reichert. „Catering, Bühne, Technik – das alles müssen wir dann ja trotzdem gewährleisten.“ Dabei stellen beide aber klar, dass es weder an der Stadt noch an den Sponsoren gelegen haben. „Wir haben von allen Seiten die volle Unterstützung erhalten wie auch in den Jahren zuvor.“ Und die Sponsoren VGH, Sparkasse und SVO haben uns nach der Absage für dieses Jahr auch weiterhin ihren Zuspruch zugesagt.“

Unterstützung der Helfer nicht das Problem

Auch vermeintlich fehlende freiwillige Helfer seien nicht das Problem gewesen. „Es waren noch nicht so viele wie sonst, aber es haben sich nach und nach immer mehr Leute gemeldet“, sagt Wengeler. „Das war wirklich nicht das Problem.“ So weisen auch beide noch einmal auf das Helfertreffen am Dienstag, 23. August, um 19.30 Uhr in der CD-Kaserne (Cri) hin. „Das wird trotz allem stattfinden. Und dort werden wir auch alle auftretenden Fragen klären.“

"Einmal kräftig durchatmen"

Jetzt wolle man die Zeit nutzen, um einmal kräftig durchzuatmen und dann im kommenden Jahr wie gewohnt ein Fest von Cellern für Celler auf die Beine zu stellen, so Wengeler. Ziel sei es auch, die Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen. Der fünfköpfige Vorstand und das um vier Personen größere Orga-Team will sich damit breiter aufstellen, um das gewohnt großartige Fest zu gewährleisten.

Kommentar von Jürgen Poestges

Spätfolgen

Dass Corona uns noch länger verfolgen wird, war uns wohl allen klar. Das bestätigt sich jetzt auch mit der Absage des Stadtfestes für dieses Jahr. Und da sollte man, bei aller Enttäuschung, die Verantwortlichen nicht verdammen. Vielmehr verdient es großen Respekt, den mutigen, wenn auch unbequemen Weg gegangen zu sein.

Man kann nur vermuten, was hinter den Kulissen im Vorstand alles abgelaufen ist. Denn da sitzen nicht nur Ehrenamtler, sondern auch Freunde. Und es war wohl so, dass einigen die Aufgaben schlicht über den Kopf gewachsen sind, einfach, weil es zu viele wurden.

Dabei ehrt es die Verantwortlichen, dass sie keine Schuld weiterschieben, sondern auf die eigene Kappe nehmen, dass sie die Gegebenheiten nach der zweijährigen Pause unterschätzt haben. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass es sicherlich alles kein Problem gewesen wäre, wenn das Stadtfest kontinuierlich über die Jahre weitergelaufen wäre. Dann wären die Dinge, die nun so massiv aufgetaucht sind und zur Absage führten, sicherlich nicht so zum Tragen gekommen, wie es nun passiert ist. Letztlich ist eine kurzfristige Absage wie jetzt aber besser als ein Fest, mit dem niemand, weder die Verantwortlichen noch die Besucher, zufrieden gewesen wäre und das eine Fortsetzung in den kommenden Jahren infrage gestellt hätte.