Psychische Gesundheit

Traurigkeit und Depression: Das raten Celler Ärzte in der Krise

Die dunkle Jahreszeit drückt bei vielen Menschen auf die Stimmung. Zwei Experten des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) Celle geben Tipps, damit aus Traurigkeit keine ernsthafte Erkrankung wird.

  • Von Oliver Gatz
  • 24. Nov. 2022 | 17:30 Uhr
  • 25. Nov. 2022
Im oft trüben November drehen sich die Feiertage um Tod und Verlust. Das kann auf die Stimmung drücken.
  • Von Oliver Gatz
  • 24. Nov. 2022 | 17:30 Uhr
  • 25. Nov. 2022
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Celle.

Die kurzen und dunklen Tage haben begonnen – gerade viele ältere Menschen fühlen sich in dieser Jahreszeit lustloser, inaktiver und öfter auch trauriger als im übrigen Jahr. Dr. Mimoun Azizi, Chefarzt Geriatrie und Neurogeriatrie am AKH, und Susanne Boge, Diplom-Psychologin in der Geriatrie und Neurogeriatrie, kennen diese Symptome aus ihrer täglichen Arbeit und geben im Rahmen einer Pressemitteilung des Celler Krankenhauses Tipps, wie man damit umgehen sollte.

Depression: Zwei AKH-Experten informieren über Symptome

„Nicht jedes Gefühl von Traurigkeit ist immer auch eine Depression“, erläutert Dr. Azizi. Bei innerer Unruhe, Schlafstörungen, ausgeprägter Müdigkeit über den gesamten Tag empfiehlt Azizi jedoch, einen Arzt aufzusuchen. Denn hinter diesen Symptomen könnten sich ernsthafte Erkrankungen verbergen wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder auch ein signifikanter Mangel an Vitamin D, erklärt der Chefarzt. „Zudem sollte man solche Symptome wie Traurigkeit, innere Leere, Freudlosigkeit, Lustlosigkeit oder Kraftlosigkeit, die ebenfalls auf eine Depression hindeuten können, sehr früh mit dem Hausarzt besprechen, damit rechtzeitig mit einer adäquaten Behandlung begonnen werden kann.“

Es müssen nicht immer Medikamente sein

Depressionen seien meist gut behandelbar, sagt der Mediziner. Es müssten nicht immer Medikamente sein. Auch Bewegung, Ernährung, Geselligkeit, Freundeskreis und Familie könnten hilfreich sein. Dabei würde wichtige Botenstoffe wie Serotonin, Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin freigesetzt. Auch die Einnahme von Vitamin D könne die Symptome lindern.

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Trauer nicht zu viel Zeit im Alltag einräumen

Im oft trüben November drehen sich die Feiertage um Tod und Verlust. „Viele Menschen haben in ihrem Leben schon geliebte Menschen verloren“, sagt Diplom-Psychologin Boge. Dieser Trauer zu viel Zeit im Alltag einzuräumen, hindere die Menschen daran, sich mit sich und einer guten Gestaltung ihres Lebens auseinanderzusetzen. „Wenn das länger als ein Jahr anhält, dann ist das für die Psyche ungesund.“

Gute Erfahrungen und Erlebnisse mit anderen teilen

Boge und Dr. Azizi raten deshalb: „Nehmen Sie sich Zeit, ganz bewusst das eigene Leben anzusehen und gedanklich zusammenzutragen, für was man dankbar sein kann. Es empfiehlt sich, das immer mal wieder zu wiederholen. Denn das Gefühl der Dankbarkeit kann trainiert werden.“ Eine weitere Übung: Nicht immer spontan über eine negative Sache klagen. „Viel wichtiger ist es, sich immer darin zu üben, von den guten Dingen, über die man nachgedacht hat oder die einem selbst passiert sind, auch den anderen zu erzählen“, erklären Azizi und Boge. „Denn wie sagt der Volksmund: Geteilte Freude ist doppelte Freude.“