Wärmeplanung der Stadt

50 Prozent der Wärmeerzeugung in Celle bis 2030 aus erneuerbaren Energien

Bis 2030 sollen 50 Prozent der Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien erfolgen - eine echte Herausforderung. Die Stadt Celle bereitet derzeit eine umfangreiche Wärmeplanung vor. Wie der aktuelle Stand und was in Zukunft geplant ist. 

  • Von Gunther Meinrenken
  • 12. Jan. 2023 | 07:00 Uhr
  • 19. Jan. 2023
Selbst in der Celler Altstadt werden einzelne Gebäude schon mit Geothermie versorgt.
  • Von Gunther Meinrenken
  • 12. Jan. 2023 | 07:00 Uhr
  • 19. Jan. 2023
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Celle.

Das wird ein langer und steiniger Weg und noch steht die Stadt Celle wie viele andere Kommunen in Deutschland auch erst am Anfang. Bis 2030, so hat es die Bundesregierung im Koalitionsvertrag festgeschrieben, soll der Anteil erneuerbaren Energien an der Wärmeerzeugung 50 Prozent betragen. Ein ehrgeiziges Ziel, beträgt dieser doch bundesweit aktuell gerade einmal etwas mehr als 16 Prozent. Auf die Stadtverwaltung kommt jede Menge Arbeit zu. Erster Schritt: die Ausarbeitung einer kommunalen Wärmeplanung.

Wärmeplanung bis 2026

"In einigen Bundesländern gibt es das schon. Niedersachsen hat Mitte vergangenen Jahres festgelegt, dass die Kommunen bis Ende 2026 eine Wärmeplanung erstellen müssen", erklärt Stadtbaurätin Elena Kuhls und fährt fort: "Zunächst geht es darum, genaue Zahlen für Celle zu ermitteln." Mit im Boot sind dabei die Energieversorger SVO und Stadtwerke sowie die Wohnungsbaugesellschaften.

"Auch eine Energie- und Treibhausgasbilanz gehört dazu. Das ist aber schon in unserem Klimaschutzkonzept in Bearbeitung."

Elena Kuhls, Stadtbaurätin

Celle in sinnvolle Quartiere unterteilen

Dabei reicht es nicht, die gesamte Stadt zu betrachten, sondern es geht darum, jeden Ortsteil in sinnvolle Quartiere zu unterteilen, für die man im Anschluss einen Fahrplan und einen Maßnahmenkatalog festlegt und zwar für alle Gebäude, nicht nur für die städtischen. Kuhls nennt ein Beispiel: "Klein Hehlen ist als ein homogenes Quartier nicht zu fassen, aber es gibt Wohnviertel, deren Häuser zur etwa gleichen Zeit errichtet wurden und die damit die gleichen energetischen Voraussetzungen haben, wie etwa westlich der Tangente. Da müsste man dann die Siedlung, die bereits geothermisch versorgt wird, extra betrachten."

Fachbüro soll Stadt unterstützen

Für die Aufbereitung der Daten und die Erstellung der Wärmeplanung wird die Stadt ein Fachbüro beauftragen. Im Detail geht es darum, die Gebäudestruktur nach Baualter und energetischem Zustand sowie die Energieversorgung der Gebäude zu erfassen. "Auch eine Energie- und Treibhausgasbilanz gehört dazu. Das ist aber schon in unserem Klimaschutzkonzept in Bearbeitung", so Kuhls. Die genauen Kosten stehen noch nicht fest, aber im Klimatopf der Stadt sind dafür bereits Mittel in Höhe von 100.000 Euro eingeplant, die wahrscheinlich nicht ausgeschöpft werden.

Abwärme der Industrie nutzen

Zudem wird eine Potentialanalyse auf Quartiersebene vorgenommen. "Dabei kann man zum Beispiel prüfen, ob die Abwärme, die das Werk von Barilla erzeugt, nicht dazu genutzt werden kann, um das nahe gelegene Wohngebiet zu versorgen", sagt Kuhls. Insgesamt veranschlagt die Stadt etwa ein Jahr, bis die Wärmeplanung konzeptionell ausgearbeitet ist.

"Die Maßnahmen mit den größten Effekten wollen wir natürlich zuerst machen. Im Fokus stehen dabei Verdichtungsbereiche und das Gewerbe."

Elena Kuhls, Stadtbaurätin

Maßnahmen mit größten Effekten zuerst

Dann würden noch sechs Jahre Zeit bleiben, um die Vorgaben der Bundesregierung zu erfüllen. Vor dem Hintergrund der Materialengpässe im Baubereich, dem Fachkräftemangel und der noch nicht geregelten Förderkulisse ist es allerdings fraglich, ob überhaupt eine Kommune in der Republik es schaffen wird, das Ziel bis 2030 zu erreichen. "Die Maßnahmen mit den größten Effekten wollen wir natürlich zuerst machen. Im Fokus stehen dabei Verdichtungsbereiche und das Gewerbe", sagt Kuhls.

Ältere Eigenheime schwer energetisch zu sanieren

Die Wohnungsbaugesellschaften hätten alle das Thema auf dem Zettel. Der Stadt sei bewusst, dass es für Besitzer von Eigenheimen älteren Baujahrs schwer sei, ihr Gebäude energetisch zu sanieren. "Die 50 Prozent gelten für die ganze Stadt. Am Ende ist aber die Gesamtbevölkerung gefragt."