20jähriger unter Verdacht

Fahndung nach Leiche in Celler Birkenstraße

Die Suche nach Mandy Müller in der Birkenstraße blieb trotz Leichenspürhunde erfolglos. So berichtete die Cellesche Zeitung am 9. Oktober 2009.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 09. Okt. 2009 | 15:46 Uhr
  • 22. Sept. 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 09. Okt. 2009 | 15:46 Uhr
  • 22. Sept. 2022
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Celle.

„Wie vom Erdboden verschluckt“ sei die 18-jährige Mandy Müller aus Nienburg, hieß es vor einem Jahr, als die Polizei begann, auch in Celle öffentlich nach der vermissten jungen Frau zu fahnden. Jetzt gehen die Ermittler davon aus, dass die Formulierung von damals makabre Realität sein könnte: Gestern setzten Beamte ihre am Vortag begonnene Leichensuche im Keller des Hauses an der Ecke Birkenstraße/Bienholdstraße fort. Betonbrocken und Erdreich wurden beiseitegeräumt, später das ganze Grundstück abgesucht - ohne Erfolg. Gestern wurde bekannt, dass der 20-jährige Ex-Freund der jungen Frau verdächtigt wird, sie umgebracht zu haben.

Polizei fahndet nach mutmaßlichem Mordopfer

Birkenstraße, gestern Morgen, 10.50 Uhr: Sanfter Regen fällt vom Himmel, aus einem Auto heraus bellt ein Hund ohne Unterlass. In dem großen Familienhaus auf der Ecke zur Bienholdstraße gehen junge Feuerwehrmänner ein und aus. Bei sich tragen sie große Schalen voll mit Betonstücken. Was sie dort eigentlich tun, dürfen die Männer nicht verraten. Doch die Bilder sprechen für sich: Im Inneren des weiß verklinkerten Wohnhauses wird der Fußboden aufgerissen. Als der Betonhaufen im Vorgarten größer wird, greifen einige Polizisten und Feuerwehrmänner, zu Schaufeln: Werden sie hier die Leiche der seit einem Jahr verschwundenen Nienburgerin Mandy Müller finden? In dem grau-braunen Mehrfamilienhaus auf der anderen Straßenseite stehen viele Fenster offen. Neugierig schauen Menschen auf die gesperrte Straße mit den vielen Feuerwehrautos. „Ich weiß gar nicht, was dort passiert sein soll“, sagt eine weißhaarige Dame, „wir haben die Leute doch noch nie gesehen.“ Dann verschwindet sie in ihrer Wohnung, das Fenster bleibt trotz des Regens weit geöffnet. „Gebaut haben die da drüben“, hat eine andere Frau beobachtet, „die waren immerzu am Arbeiten.“ Doch gekannt haben will die Besitzer des leerstehenden Hauses, in dessen Keller jetzt Leichenspürhunde angeschlagen haben, niemand.

Mord im Eckhaus?

Im Falle der im September 2008 verschwundenen Mandy Müller dürfte das anders gewesen sein - andernfalls würde jetzt kein Polizei-Großaufgebot das Haus auf den Kopf stellen, dessen Besitzer nach unbestätigten CZ-Informationen dem Schrotthändler-Milieu zugeordnet werden. Die zierliche junge Frau könnte Kontakte zu den Leuten aus dem Eckhaus gehabt haben. Traf sie hier ihren Mörder? Am 13. September 2008 hatte sich die sommersprossige kaufmännische Auszubildende, die als sehr kontaktfreudig galt, von ihren Eltern verabschiedet. Sie soll sich damals auf den Weg nach Celle gemacht haben.

20-Jähriger unter Verdacht

„Nach den vorliegenden Erkenntnissen war die Vermisste in der Nacht ihres Verschwindens zuletzt mit ihrem Freund in seinem damaligen Wohnhaus in Celle zusammen“, so gestern der Celler Oberstaatsanwalt Witold Franke. „Gegen den 20-jährigen, der bei mehreren Befragungen widersprüchliche Angaben zum Ablauf des Treffens und den Umständen des Verschwindens der jungen Frau machte, wird mittlerweile wegen des Verdachts ermittelt, seine Freundin getötet zu haben.“

Durchsuchungen auch andernorts

In der Celler Birkenstraße verlor sich die Spur von Mandy Müller. Die haben die Ermittler nun wieder aufgenommen. Nach CZ-Informationen wurden am Mittwoch im Zuge der Fahndung nach Mandy Müller auch Objekte in Wietzenbruch sowie im Raum Salzgitter durchsucht. Franke: „Von diesen Maßnahmen erhofften sich Polizei und Staatsanwaltschaft in erster Linie das Auffinden persönlicher Gegenstände aus dem Besitz der Vermissten sowie von Spuren eines etwaigen Tatgeschehens.“

Suche bislang ohne Erfolg

An der Birkenstraße weitete ein Spezialkommando der Polizei gestern Nachmittag die Suche auf das gesamte Eckgrundstück aus. In regelmäßigen Abständen wurden Gruben ausgehoben, zu denen Leichen-Spürhunde geführt wurden – bisher ohne Erfolg. Franke: „Bislang sind die Maßnahmen ohne das erhoffte Ergebnis verlaufen - allerdings steht das Resultat diverser kriminaltechnischer Untersuchungen noch aus. Eine vorläufige Festnahme des Tatverdächtigen ist nicht erfolgt. Dieser äußert sich bisher nicht zu dem gegen ihn erhobenen Vorwurf. Die Ermittlungen dauern an.“

Von cz