200. Corona-Todesfall

Das sind die aktuellen Entwicklungen in Celle

Nach dem zweihundertsten Todesfall im Zusammenhang mit Corona im Landkreis Celle analysieren Experten die Lage: Das macht jetzt Hoffnung, das besorgt sie.

  • Von Benjamin Behrens
  • 10. Nov. 2022 | 19:10 Uhr
  • 11. Nov. 2022
Die Versorgung von schwer erkrankten Corona-Patienten ist im AKH und auch bei Celler Hausärzten ungebrochen ein Schwerpunkt. Auch Nacherkrankungen trotz durchgemachter Infektion sind Thema. Weltweit wird hierzu geforscht.
  • Von Benjamin Behrens
  • 10. Nov. 2022 | 19:10 Uhr
  • 11. Nov. 2022
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Celle.

Nachdem im Frühjahr dieses Jahres die Zahl der seit Pandemiebeginn im Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung verstorbenen Patienten die Hunderter-Grenze überschritten hatte, sind mittlerweile 201 Menschen verstorben, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) gestern für den Landkreis Celle vermeldete. Bis Dienstag waren im Landkreis insgesamt sechs Verstorbene nach einer Infektion hinzugekommen, alle im fortgeschrittenen Alter. Somit fiel rund die Hälfte aller Celler Todesfälle ins dritte Jahr der Pandemie.

Ungeimpfter unter den jüngsten Corona-Todesfällen

„Eine Person war ungeimpft, bei den anderen ist der Impfstatus unbekannt“, sagt Landkreissprecher Tore Harmening zu den vier am Dienstag verzeichneten Toten. „Es handelt sich bei Corona um eine Virusinfektion, die auch weiterhin zu schweren Verläufen führen kann. Die Häufung der letzten Tage ist auch durch Nachmeldungen aus den vergangenen Wochen entstanden“, ergänzt Harmening.

RKI meldet auch bundesweit aktuell viele Tote

Auch bundesweit bekommt die Zahl der Toten eine neue Qualität. Das RKI meldete gestern 175 Todesfälle innerhalb eines Tages. Zum Vergleich: In der gesamten Vorwoche waren von den Gesundheitsämtern 281 ans RKI übermittelt worden. Generell schwanke die Zahl der registrierten Neuinfektionen und Todesfälle deutlich von Wochentag zu Wochentag, da insbesondere am Wochenende viele Bundesländer nicht ans RKI übermitteln und ihre Fälle im Wochenverlauf nachmelden, teilt die Dpa mit.

Das ist die Corona-Situation im AKH

„Aktuell zählen wir im AKH 23 coronapositive Patienten. Die Zahlen sind derzeit glücklicherweise rückläufig, nachdem es Ende Oktober mehr als 50 positive Patienten im AKH gab. Die Pandemie ist aber noch nicht vorbei, Stiko und RKI rechnen spätestens im Dezember wieder mit steigenden Zahlen“, sagt AKH-Sprecher Tobias Mull. „Es gab in jeglichen Phasen der Pandemie immer wieder schwere Fälle und das Virus darf zu keinem Zeitpunkt unterschätzt werden. Umso wichtiger ist es, dass bei der Behandlung echte Fortschritte gemacht wurden – so ist etwa der Wirkstoff 'Paxlovid' eine große Hilfe beim Kampf gegen das Virus“, betont Mull.

Gesunde Personen mit dritter Impfdosis gut geschützt

Neben Medikamenten bleibt die Impfung das wichtigste Mittel im Kampf gegen die Pandemie. „Beim Thema Impfen unterstützen wir die Empfehlungen von RKI und Stiko. Gesunde Personen sind mit drei Impfdosen gut geschützt. Personen ab 60 Jahren und Personen mit erhöhtem Risiko einer schweren Erkrankung wird eine vierte Impfung empfohlen – gerade auch mit den aktuellen an Omikron angepassten Impfstoffen“, erläutert Mull. Das AKH stellt auch weiterhin Räumlichkeiten für Corona-Impfungen bereit – geimpft wird werktags von Montag bis Freitag zwischen 8.30 und 16 Uhr. Es können dabei Erst-, Zweit- und Auffrischungsimpfungen, sogenannte Boosterimpfungen, erfolgen.

Diese seien auch die wirksamste Möglichkeit, um eine Covid-Nachkrankheit mit Komplikationen zu vermeiden, auch in Kombination mit Impfungen gegen Grippe und Gürtelrose, betont Prof. Dr. Stephan Hollerbach, Chefarzt Innere Medizin im AKH.

"Der Begriff 'Long Covid' stammt ursprünglich aus den sozialen Medien. Medizinisch spricht man heute von der 'Covid-bedingten Nachkrankheit' auch Post-Covid-Syndrom. Sie ist dann gegeben, wenn bestimmte Krankheitszeichen auch noch länger als drei Monate nach der durchgemachten Covid-19-Erkrankung fortbestehen. Mittlerweile gibt es dazu in Deutschland, Europa und in Übersee zahlreichen Forschungen, die versuchen, das 'Puzzle' dieser sehr belastenden Erkrankung zu lösen."

Prof. Dr. Stephan Hollerbach, Chefarzt Innere Medizin im AKH

"Long Covid" hat ausgedient

"Der Begriff 'Long Covid' stammt ursprünglich aus den sozialen Medien. Medizinisch spricht man heute von der 'Covid-bedingten Nachkrankheit' auch Post-Covid-Syndrom. Sie ist dann gegeben, wenn bestimmte Krankheitszeichen auch noch länger als drei Monate nach der durchgemachten Covid-19-Erkrankung fortbestehen. Mittlerweile gibt es dazu in Deutschland, Europa und in Übersee zahlreichen Forschungen, die versuchen, das 'Puzzle' dieser sehr belastenden Erkrankung zu lösen", erläutert Hollerbach.

Gute Nachricht im Kampf gegen Covid

"Die gute Nachricht ist, dass die Covid-Nachkrankheit derzeit immer seltener auftritt, etwa bei drei bis vier Prozent der am Coronavirus erkrankten Menschen." Dies sei auf die Impf-Strategie und zunehmende Durchseuchung der Bevölkerung zurückzuführen.

Covid kann andere Infektionskrankheiten begünstigen

"Es gibt noch viele ungeklärte wissenschaftliche Fragen bei der Covid-Nachkrankheit, die es zu erforschen gilt. Als eine Erkrankung, die durch Virus-Einwirkung auf das körpereigene Immunsystem entsteht, treten unterschiedliche Immun-Phänomene nach der durchgemachten Erkrankung mit dem Coronavirus auf. Es wird dabei auch vermehrt beobachtet, dass im Zuge der anhaltenden Covid-Symptome auch andere Infektionen begünstigt werden, zum Beispiel die Gürtelrose und die Ebstein-Barr-Virusinfektion", so Hollerbach.

Diese Folgeerkrankungen drohen bei Infektion

Es würden auch vermehrt Auto-Immunkrankheiten wie zum Beispiel Schilddrüsenentzündung und Überfunktion, Herzmuskel-Erkrankungen und andere Entzündungen auftreten. Auch Blutgerinnsel würden begünstigt, was zu Thrombosen oder Lungenembolien führen könne. Daher sei es wichtig, dass Personen, die sich auch nach einer Covid-Erkrankung schlecht fühlten oder Beschwerden aufweisen, diese mit ihrem Hausarzt abklären.

Nachfrage nach vierter und fünfter Impfung hoch

Auch dort ist Corona nach wie vor ein Schwerpunkt. "Die Nachfrage nach vierter und fünfter Impfung ist ungebrochen. Insgesamt haben wir relativ viele Corona-Fälle. Die Durchseuchung ist relativ hoch", sagt Dr. Ralf Aring, Celler Kreisstellensprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Die meisten Infizierten ohne Vorerkrankungen erlebten allerdings einen leichten Verlauf. "Grundsätzlich ist es so, dass, wenn man einen schweren viralen Infekt hat, das Immunsystem relativ daniederliegt. Da können Folgeerkrankungen wie Gürtelrose häufiger passieren, das ist nichts Ungewöhnliches", betont Aring.

"Corona hat die Notwendigkeit, sich impfen zu lassen, richtig vor Augen geführt. Das gilt auch für Pneumokokken- oder Grippeschutzimpfung", erläutert der Kardiologe.