1500 Euro erbeutet

Überfall auf Celler Spielhallen: Mildes Urteil - trotz weiterer Vorwürfe

Zahlreiche Straftaten und Überfälle auf Spielhallen in Celle wurden dem Angeklagten Kenan Y. zur Last gelegt. Doch das Gericht fällte am Ende ein mildes Urteil.

  • Von Benjamin Reimers
  • 15. Sept. 2022 | 06:55 Uhr
  • 15. Sept. 2022
  • Von Benjamin Reimers
  • 15. Sept. 2022 | 06:55 Uhr
  • 15. Sept. 2022
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Celle.

Der Prozess gegen Kenan Y. aus Celle vor dem Landgericht Lüneburg ging am Dienstag überraschend zu Ende. Der heute 39-Jährige wurde wegen schwerer räuberischer Erpressung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Die 2. Große Strafkammer folgte damit den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Richterin Claudia Hagemann sprach wegen des langen Zeitraums „von einer ungewöhnlichen Situation“.

"Den Namen des Komplizen nenne ich aus Angst nicht."

Kenan Y., Angeklagter

Spielhalle an Hannoverscher Heerstraße überfallen

Am 15. Juli 2011 überfiel der Angeklagte gegen vier Uhr morgens mit einem Komplizen die Spielhalle an der Hannoverschen Heerstraße und erbeutete 1500 Euro. Die Tat räumte der Mann ein. „Ich habe das gemacht. Den Namen des Komplizen nenne ich aus Angst nicht“, hieß es in der Einlassung. Die Richterin bezeichnete das Geständnis als „werthaltig“ und verzichtete darauf, Zeugen zu befragen.

Angeklagter Kenan Y. streitet weiteren Raubüberfall auf Automaten-Casino ab

Den zweiten Raub vom 7. September 2011 auf das Automaten-Casino am Heiligen Kreuz bestritt der 39-Jährige allerdings. „Ich habe das nicht gemacht“, gab er zu Protokoll. Seinerzeit stürmten zwei maskierte Gangster ins Ladenlokal und bedrohten die Aufsicht mit Messern. Der Mitarbeiter rannte geistesgegenwärtig auf die Straße und schrie laut um Hilfe. Die Kriminellen flüchteten ohne Beute.

Angeklagtem werden weitere Straftaten zur Last gelegt

In Lüneburg trudelten zum Prozessauftakt vergangene Woche neue Akten ein. Die legten Y. unter anderem einen Einbruch in ein Celler Sanitätshaus, begangen am 15. Oktober 2009, und Raub auf eine Spielhalle an der Bahnhofstraße, datiert auf den 24. September 2010, zur Last. Y. bestritt, damit etwas zu tun zu haben. Die Kammer stellte nach längerer Beratung das Verfahren über diese Delikte ein. Die Richterin begründete das unter anderem damit, dass eine Reihe von Zeugen nicht mehr lebe. „Eine Beweisaufnahme unter diesen Gesichtspunkten verläuft äußerst langwierig und zäh“, sagte Hagemann.

„Ihnen muss klar sein: Kommt da noch was, geht‘s ab in Knast.“

Claudia Hagemann, Richterin

Langes Register an Vorstrafen

Der Lebenslauf von Y. ist Zeugnis persönlichen Scheiterns. Wenige Wochen nach der Geburt in der Türkei wanderten die Eltern mit ihm und den sieben Geschwistern nach Celle aus. Hier gelang es ihm nicht, Fuß zu fassen. Er erreichte nur den Abschluss der Sonderschule.

Ab 1997 traten Konflikte mit dem Gesetz auf. Das polizeiliche Führungszeugnis enthält insgesamt zwölf Vorstrafen. Es geht um Betrug, Rauschgiftdelikte, Urkundenfälschung und Falschaussage vor dem Amtsgericht Celle.

Richterin warnt Angeklagten Kenan Y.

„Ich habe viel falsch gemacht in der Vergangenheit und will mich jetzt ändern“, sagte der Angeklagte zum Abschluss. Der 39-Jährige träumt davon, als Gärtner in einem Park zu arbeiten. „Ihnen muss klar sein: Kommt da noch was, geht‘s ab in Knast“, mahnte Richterin Hagemann. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.