Lebendiges Archiv

Versteckte Schätze in Altencelle sichtbar machen

Die letzten verbliebenen Höfe in Altencelle haben viel zu erzählen. Beim Lebendigen Archiv werden die Spuren der Vergangenheit wieder sichtbar gemacht.

  • Von Carsten Richter
  • 01. Aug. 2022 | 09:00 Uhr
  • 01. Aug. 2022
  • Von Carsten Richter
  • 01. Aug. 2022 | 09:00 Uhr
  • 01. Aug. 2022
Anzeige
Altencelle.

Das Verwaltungsgebäude der Stiftung Linerhaus in Altencelle: Vor dem Haus weht eine Fahne mit einem Hinweis auf das 175-jährige Bestehen der sozialen Einrichtung an der Baker-Hughes-Straße. Das Jubiläum sollte schon 2020 groß gefeiert werden, dann kam Corona dazwischen. Wird die Feier in diesem Herbst nachgeholt? Das Team um Linerhaus-Leiter Thomas Röttger hofft es. "Dann wollen wir den Gedenkstein zur Erinnerung an Thomas Hugues aufstellen", sagt er und führt die Mitglieder der Fördergemeinschaft Historisches Altencelle und den CZ-Reporter um das Haus herum. Zur Erklärung: Pastor Hugues hatte im 19. Jahrhundert den „Celler Verein für innere Mission“ gegründet, der wiederum Träger des Linerhauses wurde. Der Gedenkstein ist derzeit in einem Gebüsch versteckt. Zur Feier soll er wieder hervorgeholt und an passender Stelle platziert werden.

 

Fördergemeinschaft Historisches Altencelle stellt Tafeln auf

Von außen sichtbar ist von der Stiftung Linerhaus heute tatsächlich vor allem das Verwaltungsgebäude. "Viele denken, das hier ist das Haupthaus", erzählt Röttger – so kann man sich irren. Das Hauptgebäude, in das nach dem Umbau vor wenigen Monaten der Linerhaus-Kindergarten Rasselbande eingezogen ist, befindet sich auf dem weitläufigen Gelände dahinter. 1845 wurde es errichtet, damals wurde alles landwirtschaftlich genutzt. Wie Altencelle überhaupt ursprünglich sehr dörflich war. "Um 1800 gab es hier rund 70 Höfe", erzählt Lutz Ellermann von der Fördergemeinschaft. "Heute ist es nur noch eine Handvoll."

 

Lebendiges Archiv in Altencelle hat einen Vordenker

Ellermann hat sich wie der Vorsitzende Günter Wenzel und Jürgen Kohls, Beisitzer im Vorstand, der Erforschung ihres Stadtteils verschrieben. Alle drei sind seit Jahrzehnten in Altencelle zu Hause. Bei der Auswahl der Stationen für das Lebendige Archiv konnten sie auf ein festes Fundament zurückgreifen. Der 2014 verstorbene Dieter Reinebeck war Gründer und langjähriger Vorsitzender der Fördergemeinschaft und eine Art Vordenker. Dokumente und Zeugnisse aus der Ortsgeschichte hat er gesammelt und vor allem auch die Forschungen zur versunkenen Stadt "Tsellis" unterstützt. Das war ein guter Grundstock, auf dem Wenzel und Co. aufbauen konnten. "Wir haben die Recherchen noch intensiviert", berichtet Kohls.

 

Zeitzeugin erinnert sich an eingebrochenen Panzer in der Aller

Geburtsurkunden, alte Fotos, Pläne und andere Unterlagen wurden gesichtet und ausgewertet. Schließlich wurden, so weit noch möglich, Zeitzeugengespräche geführt. Auf dem Reithof, wo 966 die Brunonenburg und damit der Ursprung Celles errichtet wurde, hat sich Dietrich Klages mit der über 90-jährigen Eva Schulz-Wallheinke unterhalten, die unter anderem etwas zum eingebrochenen Panzer der Alliierten in der Aller im April 1945 erzählen konnte. Erinnerungen aus erster Hand sind Gold wert für ein Projekt wie das Lebendige Archiv. "Wir haben viel Wissen dazugewonnen", sagt Kohls.

 

Wo in Altencelle Tafeln aufgestellt wurden und werden

Sechs Tafeln wurden aufgestellt, mindestens zwei weitere kommen noch hinzu. So auch am Linerhaus. Die Fördergemeinschaft ist sich noch ganz einig, wo der beste Standort ist – wahrscheinlich aber gut sichtbar vor dem Verwaltungsgebäude. Einrichtungsleiter Röttger steht dem Projekt aufgeschlossen gegenüber und verspricht den drei Mitgliedern der Fördergemeinschaft: "Ihr Schild wird einen guten Platz bekommen."

Das ist das Lebendige Archiv

Das „Lebendige Archiv“ ist ein gemeinsames und finanziell gefördertes Projekt von elf Heimatvereinen in der Leader-Region Aller-Fuhse-Aue. Dazu gehören die Samtgemeinden Flotwedel und Wathlingen, der Celler Stadtteil Altencelle und die Gemeinde Uetze. Alle aufgestellten Tafeln zu den historischen Orten verfügen über QR-Codes, die per Smartphone eingescannt werden können. So gelangen Interessierte auf die Internetseite www.lebendiges-archiv-afa.de, über die weitere Bilder und Infos abgerufen werden können. Die CZ unternimmt mit den Heimatvereinen Rundgänge zu ausgewählten historischen Orten und stellt sie in loser Reihenfolge vor.