Celle-Kultur

Ein in Erinnerung bleibender Abend

Literaturkonzert „die zerbrechliche Welt“ im Grooden Hus in Winsen: Im Rahmen der Celler Sommerkonzerte gab es Rezitation und Klavier zu erleben.
  • Von Kirsten Pröve-May
  • 19. Aug. 2022 | 13:00 Uhr
  • 19. Aug. 2022
  • Von Kirsten Pröve-May
  • 19. Aug. 2022 | 13:00 Uhr
  • 19. Aug. 2022
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Winsen.

Faszination, Nachdenklichkeit, Ergriffenheit: Der Applaus setzte am Ende des Literaturkonzertes „Die zerbrechliche Welt“ im Rahmen der Sommerkonzerte
erst zaghaft ein – so als wolle man das eben Gehörte nicht zerstören. Auch nach der Zugabe stürmten die zirka 50 Interessierten nicht zum Ausgang des Grooden Hus in Winsen, sondern saßen noch eine Weile oder nutzten die Gelegenheit, sich mit den beiden Künstlerinnen auszutauschen.

Texte zum Thema Natur

Ein zweiseitiges Programmheftchen und doch zu kurz. Johanna Krumstroh als Rezitatorin der unterschiedlichsten Texte zum Thema Natur und aus den verschiedensten zeitlichen Epochen, jeweils musikalisch „unterstrichen“ von der einmaligen Musik des Komponisten Claude Debussy (1862 – 1916). Wie kann man Natur in Töne fassen? Laut Jean Cocteau, französischer Schriftsteller (1889 – 1963) „haben die 1000 Wunder der Natur endlich einen Übersetzer gefunden“, in Form von Debussy. Séverine Kim am Klavier spielt die Noten nicht, sie lebt jede einzelne davon.

Abend ohne Pausen

Es war ein Abend ohne Pausen, das Klavier setzte ein, wenn die letzten Worte verklungen waren, Krumstroh mit angepasster Gestik und Mimik übernahm dann wieder den literarischen Teil.

Zeitgenössisches und Klassisches

Gedanken von Jörg Zink (evangelischer Theologe), Hermann Hesse, Henry David Thoreau (amerikanischer Schriftsteller und Philosoph, 1817 – 1862) und anderen wurden zu Gehör gebracht. „Meine Buche hat mir imponiert, wie lange meine kleine Buche ihre Blätter hält. Die Blätter werden heller, verlassen den Baum nicht, sie müssen die Knospen schützen. Im April weht ein sanfter Windhauch die Blätter zu hunderten dahin. Fünf, sechs Monate hat sie Widerstand geleistet, ihre bittere Ausdauer war nicht mehr nötig“ (aus „Bäume“ von Hermann Hesse). Und schon Herakles mahnte 500 vor Christus „sofern wir in die Natur eingreifen, müssen wir sie auch wieder herstellen!“ Zitate vom Dalai Lama, Astronauten und ihrer Ehrfurcht, die sie erleben beim Blick auf den gesamten Erdball, oder die „Ufergedanken“ von Jörg Zink „fast ist es eine Störung, dass ich hier bin“ (in der Natur), Zeitgenössisches und Klassisches war für diesen Abend ausgewählt worden.

Gedankenblock über Welterschöpfungstag

Dramatische Musik folgte auf den Gedankenblock über den Welterschöpfungstag, dem Tag, an dem die Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffe die Kapazität der Erde zur Reproduktion übersteigt, auch Erd-überlastungstag genannt. 1970 war dieser Tag im Dezember angesiedelt, 1990 im Oktober und laut Krumstroh „heute ist das Datum schon überschritten“, er war schon am 28. Juli! Das hinterließ Eindruck. Mit einer fröhlichen Weise, den „Hügeln von Anacapri“ von Debussy Prelude Nr. 5 wurde der Abend beschlossen. Ein Abend, den man nicht so schnell vergisst.