Robert Kreis im Hagensaal

Ausflug ins unbeschwerte Lachen

Eine Ein-Mann-Unterhaltungsshow mit Werken aus dem vergangenen Jahrhundert hat Entertainer Robert Kreis bei seinem Auftritt im Hagensaal gezeigt.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 21. Nov. 2022 | 14:05 Uhr
  • 22. Nov. 2022
Premiere: Kabarettist Robert Kreis brillierte vor 280 Besuchern im Hagensaal.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 21. Nov. 2022 | 14:05 Uhr
  • 22. Nov. 2022
Anzeige
Nienhagen.

„Ich möchte Sie heute Abend mitnehmen auf einen Ausflug ins unbeschwerte Lachen.“ Das sagte der niederländische Kabarettist Robert Kreis am Samstagabend zum Publikum im Hagensaal. Er hatte nicht zu viel versprochen, die Veranstaltung wurde zu einer Ein-Mann-Unterhaltungsshow mit Lachen am laufenden Band.

Exzellenter Bühnenpräsenz

Der Entertainer mit exzellenter Bühnenpräsenz schlug das hochverehrte Publikum, wie man einst sagte, ruck-zuck in seinen Bann. Und zwar mit Berliner Liedern aus den 1920er Jahren. Mit den so genannten Couplets, die er, in unnachahmlicher Manier, am Klavier sitzend und singend, präsentierte.

Variabler Einsatz der Stimmbänder

Beim virtuosen Griff in die schwarz-weißen Tasten und dem variablen Einsatz der Stimmbänder bis hin zum Falsett beließ es Robert Kreis nicht. Gestik, Körpersprache und Mimik sowie intensive, augenrollende Blicke ins Publikum gaben den gesungenen Alltags- und Liebesgeschichten aus Alt-Berlin ein ganz spezielles Flair. Sie hatten einen nostalgischen, in der Thematik aber gleichzeitig aktuellen Charakter. So wie ihn wohl nur der auf Java geborene Niederländer in seinem nachempfundenen Outfit aus den so genannten goldenen Jahren in der deutschen Metropole vermitteln kann.

Stück schwarzen Humors

Das Publikum jubelte. Was deutlich machte, dass der riesige Applaus, der Kreis bereits beim ersten Betreten der Bühne entgegengebrandet war, nicht auf Vorschusslorbeeren basierte. Selbst jüngere Leute wie Patrick Rühmann (40) und seine Frau Olga konnten sich dem Unterhaltungsreiz von Werken aus dem vergangenen Jahrhundert, wie einem ironischen Couplet des einstigen Top-Kabarettisten Otto Reutter, nicht entziehen. Zu hören war ein – in Noten und Text umgesetztes – Stück schwarzen Humors. Ein Lied voller augenzwinkernder Ironie über den Kaufrausch von Frauen anno 1927 mit dem Titel „Der Blusenkauf“. Das amüsiert offensichtlich noch heute kolossal. Eine emotionale Wirkung, die insgesamt diesen Abend durchzog, und die von der nicht verblassten Strahlkraft der musikalisch-literarisch-humoristischen Mixtur zeugt(e), die das Robert-Kreis-Programm kennzeichnete.

Wortakrobatik und Witz

Das Ehepaar Rühmann zog zur Pause eine Zwischenbilanz. „Wir wurden eingeladen mitzukommen. Erst dachten wir, das würde langweilig, und hatten keine Lust, mitzugehen. Da haben wir uns aber total getäuscht. Wortakrobatik und Witz, wir sind positiv überrascht. Und wir würden auf alle Fälle wieder herkommen, wenn Robert Kreis nochmals in Nienhagen auftreten würde.“

Plädoyer für Toleranz und gegen Antisemitismus

Und dann war da noch der Rückblick auf das Wirken jüdischer Künstler in der pulsierenden Kulturhauptstadt Berlin in den 1920er bis in die frühen 1930er Jahre. Seine Retrospektive nahm Robert Kreis zum Anlass, ein Plädoyer für Toleranz und gegen Antisemitismus zu halten. Das Ganze hätte er schärfer formulieren können. Aber immerhin: Der Kabarettist bezog Stellung gegen stärker werdende rechtsradikale Tendenzen.

Von Andreas Stolz