Junge Kreative

Zwischen Handwerk und Kunst

Die Handwerksform Hannover zeigt in der Ausstellung „Young Professionals“ Werke von jungen Kreativen.

  • Von Jörg Worat
  • 21. Sept. 2022 | 14:00 Uhr
  • 21. Sept. 2022
  • Von Jörg Worat
  • 21. Sept. 2022 | 14:00 Uhr
  • 21. Sept. 2022
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Hannover.

Eine Chance für den Nachwuchs: In unregelmäßigen Abständen widmet die Handwerksform Hannover ihre Ausstellung Designern und Kunsthandwerkern, die noch am Anfang ihrer Laufbahn stehen. So auch bei der neuen Schau „Young Professionals“, zu der Kreative eingeladen wurden, deren Abschlussprüfung nicht länger als fünf Jahre zurückliegt. Autodidakten waren nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sofern sie einen hinreichenden beruflichen Hintergrund nachweisen konnten.

Grenzgänge im Bereich zwischen Kunsthandwerk und Kunst

Wie üblich, zeigte sich die Handwerksform hinsichtlich der Gewerke offen: Es gibt recht viel Keramik zu sehen, aber auch Schmuck, Glas- oder Textilarbeiten. Ebenfalls typisch sind die Grenzgänge im Bereich zwischen Kunsthandwerk und Kunst.

Einen praktischen Zweck im herkömmlichen Sinn erfüllt etwa die Arbeit von Mara Niederprüm kaum, es sei denn als Spielzeug. Das bunte, variabel gestaltbare Gebilde aus Holz und Magneten ist in bester postmoderner Lesart vor allem nach dem Motto „Einheitlichkeit ist langweilig“ und dem Spaßfaktor ausgerichtet.

Im Gegensatz dazu ist der große Hingucker in der oberen Etage ganz in Schwarz und Weiß gehalten. Die Modedesignerinnen „Lex & Julez“ alias Alexandra Huhn und Julia Bianca Berg präsentieren ein Bio-Baumwoll-Ensemble aus Mantel, T-Shirt, Kleid und Weste, das in mannigfacher Weise kombiniert werden kann – eine Liste mit entsprechenden Vorschlägen liegt aus.

Schmuckvitrinen zeigen Kontraste

Kontraste sind auch bei zwei benachbarten Schmuckvitrinen zu beobachten. Laura Sophie Herrlich gibt Brosche und Halsschmuck schon mal den Namen „Industriebauten“ und verwendet unter anderem Materialien wie Neusilber, Papier, Kupfer, getrocknete Blumen und Schnürsenkel, während Ina Mutschler die Jahrhunderte alte Tradition des ostfriesischen Goldfiligranhandwerks aufgreift, um modernen Schmuck zu gestalten, darunter auch Nasenstecker.

Apropos Tradition: Eine gewisse Renaissance scheint das altehrwürdige Handwerk des Flechtens zu erfahren. Rosa Gies hat ihrem flachen Korb aus Weide, Kastanienspan und Hanf den etwas paradox erscheinenden, aber durchaus passenden Namen „Grobes Feingeflecht“ gegeben. Die Designerin gehört zu den zehn Vertretern der vom Bundesverband Kunsthandwerk zusammengestellten „Young Collection“, die in die Ausstellung integriert worden sind. Für zwei von ihnen hat die Handwerkskammer zudem einen Geldpreis in Höhe von je 500 Euro ausgelobt, und auch hier kann man von Kontrasten sprechen: Jil Köhns Schmuck ist von einer speziellen Extravaganz geprägt, die klar gestaltete Limoges-Porzellan-Serie von Laura Niemeier hingegen wirkt ebenso ästhetisch wie alltagstauglich – dass diese Teile mit Preisen zwischen 16 und 38 Euro zudem erschwinglich sind, stellt sicherlich keinen Nachteil dar.

Etwas teurer ist ein zauberhaftes Schränkchen von Andreas Pfister, für das man 9000 Euro hinlegen muss. Alleine die Beschreibung „Sägefurnier Räuchereiche, mittige Einlage in Birne, Beine in Kirsche“ ist ein Gedicht, und Ausstellungskurator Rüdiger Tamm, Diplom-Desginer und gelernter Tischler, hat dafür einen kurzen, aber um so hochkarätigeren Kommentar parat: „Der kann’s richtig!“

Die Ausstellung „Young Professionals“ ist bei Handwerksform Hannover, Berliner Allee 17, zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags, 12 bis 19 Uhr; samstags, 12 bis 17 Uhr; sonntags, montags und an Feiertagen geschlossen.