Ausstellung in Galerie

Abstraktes mit Gegenständlichem vereint

Die junge Künstlerin Alida Warzecha zeigt in der Ausstellung „Blaupause“ ihre Werke in der hannoverschen „Feinkunst“-Galerie.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 23. Juni 2022 | 09:00 Uhr
  • 23. Juni 2022
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  • 23. Juni 2022 | 09:00 Uhr
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Hannover.

In der „Feinkunst“-Galerie kann man jederzeit mit Überraschungen rechnen, und auf einen bestimmten Stil ist man hier nicht festgelegt. So war zu Jahresbeginn die interessante, aber höchst reduzierte Ausstellung „Leinekiesel“ von Alexander Steig zu sehen. Demgegenüber geht die neue Schau „Blaupause“ mit Bildern der hannoverschen Künstlerin Alida Warzecha in die Vollen – beim ersten Rundgang mag sich der Besucher vielleicht sogar nachgerade erschlagen fühlen.

Farblich ist eine Menge los

Auf diesen überwiegend im Großformat angelegten Ölbildern ist schon rein farblich eine Menge los, wobei die reichhaltige Palette an Nuancen letztlich ausbalanciert wirkt. Das trifft auch auf den üppigen Detailreichtum zu, der abstrakte Motive mit gegenständlichen vereint: Die erstgenannten scheinen im Vordergrund zu stehen, gleichwohl kommen Bildtitel wie „Mit Blumen“ oder „Der Ballon“ keineswegs abwegig daher – nur der Name „Leerlauf“, mit dem die Künstlerin ein Werk versehen hat, ist etwas unangemessen.

Künstlerin arbeitet an bis zu 20 Werken parallel

Denn auch dieser visuelle Trip (ein Bild heißt tatsächlich „Blaurausch“) landet nicht in der Beliebigkeit. Warzecha versteht es, Ordnung ins vermeintliche Chaos zu bringen, selbst wenn sie Zufallselemente wie gespritzte oder geschüttete Farbe einbindet, was sicherlich damit zu tun hat, dass ihre Arbeiten reifen können. Der vordergründig befremdliche Satz „Der Corona-Lockdown kam wie für sie gerufen“ in der Pressemitteilung bezieht sich darauf, dass die Künstlerin an bis zu 20 Werken parallel arbeitet und sie nach der ersten Bearbeitung wegzustellen pflegt – die Zeit bis zur endgültigen Fertigstellung kann dann Monate oder sogar Jahre betragen. „Ich befinde mich“, so beschreibt Warzecha ihr Vorgehen, „ in einem Moment der Offenheit, wenn ich meine Bilder nach einer langen Pause wieder anschaue, bei der ich mich natürlich erinnere, wer und wie ich war, als ich zuletzt an den Bildern arbeitete. Oft bin ich überrascht, mal positiv, mal peinlich berührt. Aber dann sehe ich wie es weitergeht, damit das Bild beginnt zu leben.“

Kleinformatiges ist nicht weniger eindrucksvoll

Bei alledem kommt etwas sehr Eigenständiges heraus, das sich nicht ausschließlich durch die Größe definiert – eine Reihe von überarbeiteten kleinformatigen Monotypien wirkt nicht minder eindrucksvoll.

Warzecha gehört zu den Geheimtipps

Die 1993 in Ilsede geborene Warzecha, die in Braunschweig studiert hat, gehört sicherlich zurzeit noch eher zu den Geheimtipps. Aufmerksamkeit hat sie in der Szene aber bereits erregt: Dass es am Dienstag, 28. Juni, um 19 Uhr vor Ort zu einem Künstlergespräch mit Reinhard Spieler kommt, dem Direktor des Sprengel Museums, ist ein Indiz hierfür, und in einigen Sammlungen sind diese Werke auch bereits vertreten – unter anderem bei der Heitland Foundation Celle.

Die Ausstellung ist bis zum 14 August in der Galerie Feinkunst, Roscherstraße 5, in Hannover zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags, 14 bis 20 Uhr; mittwochs, 14 bis 17 Uhr; freitags, 14 bis 18 Uhr sowie jeden ersten Samstag, 15 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.

Von Jörg Worat