"Vater" im Schlosstheater

Ein Leben mit Alzheimer

Das Schauspiel "Vater" behandelt das Thema Alzheimer. Wie gehen Angehörige damit um, wie der Erkrankte.
  • Von Jürgen Poestges
  • 24. Jan. 2023 | 12:00 Uhr
  • 24. Jan. 2023
Jürgen Kaczmarek, hier in einer Szene mit Ruth Kennecke, spielt im Schauspiel „Vater“ die Titelrolle.
  • Von Jürgen Poestges
  • 24. Jan. 2023 | 12:00 Uhr
  • 24. Jan. 2023
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Celle.

André ist Witwer, Vater zweier Töchter und lebt noch alleine. Doch er findet sich im Alltag immer schlechter zurecht. Die ernüchternde Diagnose: Alzheimer. „Vater“ heißt das Schauspiel von Florian Zeller, das am Freitag, 3. Februar, um 20 Uhr Premiere im Schlosstheater feiert.

Regisseurin Ragna Guderian hat eigene Erfahrung mit ihrer Schwiegermutter gemacht wie sie erzählt. „Und jeder kennt jemanden, der sich mit diesem Thema beschäftigen musste oder noch muss.“

Das Leiden der Betroffenen

So geht sie den schmalen Grat an, Alzheimerkranke nicht in die Lächerlichkeit zu ziehen, sondern die Ernsthaftigkeit und das Leiden der Betroffenen zu beschrieben. „Es sieht derzeit so aus, dass wir bei den Proben eine Stunde am Stück arbeiten und danach vier Stunden zusammensitzen und reden.“ Es gehe um das maximale Nachempfinden dieser Situation. „Denn Fakt ist, dass sich bei dieser Krankheit das Gehirn auflöst.“

"Es gibt komische Situationen"

Sie sieht für sich als Regisseurin die Aufgabe darin, „alles in einen Steinbruch zu verwandeln und danach Stein für Stein wieder zusammenzusetzen“. Und natürlich, sagt die 1971 in Freiburg geborene Regisseurin, werde auch gelacht. „Es gibt sie ja, die komischen Situationen. Und das Lachen hilft einem auch ein wenig, mit dieser Lage fertig zu werden.“

Aus der Sicht des Erkrankten

Geschildert wird dies alles aus der Sicht des Erkrankten. Jürgen Kaczmarek verkörpert André. Ausgerechnet jetzt plant Anna, gespielt von Verena Saake, die ältere Tochter, zu ihrem Freund Pierre nach London zu ziehen. Sie will den Vater in Pflege geben. Der folgende Kampf des Vaters um die eigene Souveränität wandelt sich zur surrealen Spurensuche, in der seine Bezüge zu seiner Umwelt zunehmend verblassen.

Spukgestalten in einem Strudel von Verdacht

„Wir erleben, dass er Personen verwechselt oder gar nicht ehr erkennt“, sagt Dramaturg Matthias Schubert. „Aber wir erleben auch die lichten Momente, in denen er sich an vieles auch wieder erinnert.“ André blickt staunend und bangend auf all das Befremdliche, die Veränderungen in der Wohnung oder die seiner Mitmenschen: Anne, Pierre und Laura, die neue Pflegerin, kommen ihm wie Spukgestalten in einem Strudel von Verdacht und Verrat vor.

Autor Zeller stellt Demenz nicht als einen Befund der Handlung voran, sondern sein Stück konzentriert sich ganz auf die Wahrnehmung und Perspektive seiner Hauptfigur. So entsteht das berührende Bild einer Familie zwischen Missverstehen, Hoffnung und Verzweiflung, Wut und Trauer. Wie verlässlich sind Erinnerungen? Und wie findet man in eine gemeinsame Zukunft, wenn einem schon die Gegenwart mehr und mehr entgleitet?

Arbeiten mit Ensemble macht Spaß

Das Team hat eine ausführliche Probenphase hinter sich, seit Anfang Dezember, mit einer Pause zwischen Weihnachten und Neujahr, erarbeitet man sich den Stoff. „Mir ist es wichtig, dass ich die Meinung von allen Beteiligten höre. Jeder hat ja seine Vorstellungen, wie man seine Rolle anlegen könnte. Es waren immer sehr gute und konstruktive Gespräche. Das Arbeiten macht mit diesem Ensemble einen großen Spaß“, ist Guderian voll des Lobes für das Team.

Sie ist im Übrigen auch für die Bühnengestaltung verantwortlich. „Es handelt sich durchaus um eine wohlhabende Familie, das heißt, die Wohnung ist schon komfortabel.“ In diese Richtung gehen dann auch die Kostüme, die Iris Wuthnow in enger Absprache mit der Regisseurin entworfen hat.

„Vater“, Schauspiel von Florian Zeller. Premiere am Freitag, 3. Februar, 20 Uhr, im Schlosstheater. Matinee am Sonntag, 29. Januar, 11.30 Uhr.