Sonderausstellung

Faszination des Puppenspiels

Das Bomann-Museum in Celle eröffnet seine neue Sonderausstellung „Wenn die Puppen tanzen“, die für jedes Alter interessant ist.
  • Von Doris Hennies
  • 23. Nov. 2022 | 13:35 Uhr
  • 23. Nov. 2022
Textil-Restauratorin Frauke Pezold hatte so manchen Fadenstich zu setzen und die Bekleidung vorsichtig aufzubügeln bevor die Hauptdarsteller dieser Schau nun im richtigen Glanz erstrahlen.
  • Von Doris Hennies
  • 23. Nov. 2022 | 13:35 Uhr
  • 23. Nov. 2022
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Celle.

Überall auf der Welt spielen Menschen mit Puppen Theater – und das seit Jahrhunderten. Puppen werden zum Vermittler, zum Kommunikator, zum Ersatz und Stellvertreter. Mit ihrer Hilfe spiegeln sich Gesellschaft und Alltag ebenso wieder, wie die Erschaffung von Utopie oder Fiktion. Sie dürfen sagen, was man nicht sagt – sich lustig machen über scheinbar Ernstes – den Finger auf Umstände legen, die man ignoriert. Sie sind komisch, frech, sarkastisch – und sie polarisieren, je nach Rolle. Ein gutes Puppenspiel trifft immer emotional – es transportiert Gefühle, bietet Identifikationsflächen und erzählt Geschichten. Es haucht seinen Figuren Leben ein und die bringen Menschen zum Lachen, zum Weinen, zum Mitfühlen oder Staunen. Und immer sorgt es für Unterhaltung.

Großartige Präsentation

Das Bomann-Museum widmet seine diesjährige Familienausstellung den unterschiedlichsten Formen und Figuren des Puppenspiels. Unter dem Titel „Wenn die Puppen tanzen“ hat Kuratorin Kathrin Panne eine Fülle von Informationen und Fakten zusammengetragen. Mit großer Ausdauer gesichtet, ausgewählt, geordnet und platziert – und daraus eine großartige Präsentation geschaffen, die ohne Frage alle Generationen begeistern kann. „Das ist ja stets das Ziel unserer Winterausstellung, man kann sie gemeinsam anschauen. Von Großeltern bis Enkelkinder – jedes Alter kann mit dem Begriff Puppenspiel etwas anfangen. Es weckt Erinnerungen, die erzählt werden können und immer wieder neue Lust, es auszuprobieren und kreativ zu sein“.

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Die Idee zu dieser Ausstellung sei, so erzählt die stellvertretende Leiterin des Bomann-Museums, schon vor einigen Jahren entstanden. Irmgard Ey und Christa Pastor aus Viersen hatten sich Celle angesehen und das Museum besucht. „Das Zwillingspaar hat sich bei mir vorgestellt und von ihrer, in Jahrzehnten gewachsenen Handpuppen-Sammlung erzählt. Die mitgebrachten Fotos waren sehr vielversprechend – ihre ältesten Objekte stammen von 1870“. Die Pandemie hat eine konkrete Planung zunächst aufgeschoben, aber dann ging es doch an die Realisierung – und einem ersten Gegenbesuch am Niederrhein.

ZITAT

Ausgehend von der Pastor’schen Handpuppensammlung als Basis wurden weitere Fäden gesponnen, Kontakte geknüpft, Netzwerke aufgebaut und abgefragt. „Ich wollte zumindest einen kleinen Abriss von der großen Vielfalt und Bandbreite des Puppenspiels und Figurentheaters zusammentragen und wiedergeben“, so Kathrin Panne. Und so fanden in den vergangenen Tagen auch Stabpuppen, Marionetten, Tischfiguren, Masken, Klappmaul- und Kaukautzky-
puppen sowie kleine und größere „Spielstätten“ (Theater und Kulisse gehören dazu) ihren Platz in der unteren Museums-Etage. Bis zum letzten Tag – vor der offiziellen Eröffnung heute Abend – wurde noch gewerkelt und drapiert. Die Handwerker des Museums hatten Schaukästen und Befestigungen angebracht und für die perfekte Beleuchtung gesorgt. Unzählige Kisten waren auszupacken und Textil-Restauratorin Frauke Pezold hatte so manchen Fadenstich zu setzen und die Bekleidung vorsichtig aufzubügeln bevor die Hauptdarsteller dieser Schau nun im richtigen Glanz erstrahlen.

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Dass in dieser Ausstellung weit mehr Exponate, als die aus der umfangreichen Sammlung der Geschwister Pastor zu sehen sind, verdankt das Museum der großzügigen Unterstützung der Puppentheater Magdeburg und Hameln sowie dem Fundus des Schlosstheaters Celle. Weitere Leihgaben aus all den möglichen Sammlungen und Ländern wären zu aufwendig und kostspielig geworden. So hatte die Kuratorin in zahlreichen Anschreiben vor allem um geschichtliche Informationen und Bildmaterial gebeten. Was zurück kam, ist inzwischen bestens ausgearbeitet und ergänzt die Exponate nun auf Schau-, Text- und Fototafeln rund um die Ausstellung.

Volksbelustigung bis alltägliches Spielzeug

Diese dokumentiert die Geschichte des Figurentheaters. Anhand ihres Schwerpunkts, dem Handpuppentheater, wird die Bandbreite des Spiels – von der (nicht nur seichten) Volksbelustigung über das künstlerische Figurentheater bis zum alltäglichen Spielzeug für Kinder und einem festen Platz in der Fernsehunterhaltung – deutlich gemacht. Kathrin Panne: „Die Schau zeigt, dass politische und gesellschaftliche Strömungen immer das Puppentheaterspiel beeinflusst haben und beeinflussen. Puppen und Spiel spiegelten und spiegeln die Gesellschaft, ihre Entwicklungen und Veränderungen aber auch ihre Gewohnheiten und Ansichten wieder. Die Bühne diente immer auch als Plattform für offene oder geschickt verbrämte politische Statements.“

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Im deutschsprachigen Raum werde das Puppentheater oft etwas geringschätzig, mit dem Kasperl als frechen Kerl im Kindertheater gleichgesetzt. Dabei habe sich gerade seine Figur vom ehemaligen Unheilstifter und Narren zum harmlosen Spaßmacher über die Jahrhunderte verändert. „Heute sind die Themen und Umsetzungen im künstlerischen Puppentheater ebenso facetten- und fantasiereich wie das Material und Art der Puppen“. Es hat nichts von seiner Aktualität und Faszination für alle Altersstufen verloren – im Gegenteil, es erfährt eine Renaissance.

Das Bomann-Museum lädt am Donnerstag ab 19 Uhr zur Vernissage von „Wenn die Puppen tanzen…“ ein. Die Ausstellung ist bis zum 27. August im Celler Bomann Museum zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags, 11 bis 17 Uhr. Am 24., 25. und 31. Dezember ist das Museum geschlossen; am 26. Dezember geöffnet, 11 bis 17 Uhr, sowie am 1. Januar, 13 bis 16 Uhr.

Angebote für Kitas und Schulen

Figurentheater der Gruppe „Urania – Wissen macht Theater“ in der Ehrenhalle im
Bomann-Museum für Kinder ab vier Jahre
am 24. Januar, 9.30 bis 10.15 Uhr und
11 bis 11.45 Uhr; für Kinder ab sechs Jahre
am 25. Januar, 9.30 bis 10.15 Uhr und
11 bis 11.45 Uhr. Der Eintritt ist frei
Puppenspiel-Workshop für Erziehende und Lehrkräfte am 26. Januar ab 17 Uhr in der museumspädagogischen Werkstatt – es entstehen den Teilnehmern keine Kosten.

Anmeldungen unter Telefon (05141) 124555 oder per E-Mail an bomann-museum@celle.de.