Konzert in Stadtkirche

Trost und Zuversicht übertragen

Die Celler Stadtkantorei hat in der Stadtkirche ein versöhnlich-hoffnungsvolles „Wiegenlied des Todes“ aufgeführt.
  • Von Doris Hennies
  • 21. Nov. 2022 | 12:41 Uhr
  • 21. Nov. 2022
Die Celler Stadtkantorei war unter Leitung von Stephan Doormann zu erleben.
  • Von Doris Hennies
  • 21. Nov. 2022 | 12:41 Uhr
  • 21. Nov. 2022
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Celle.

Ganz pur – die Version nur für Gesang und Orgel – dafür hatte sich Stephan Doormann entschieden, um mit der Stadtkantorei, zwei Solisten und einem ungewöhnlichen Konzert am Samstag den Ewigkeitssonntag einzuleiten. Die Stadtkirche war bis in die letzten Reihen von Besuchern besetzt, die zum einen gekommen waren, um nach langer Zeit wieder einmal den Chor zu hören. Zum anderen kam mit Gabriel Faurés „Requiem“(op. 48) ein Werk zur Aufführung, von dem es heißt, es behandle das Thema Tod auf eine besondere, versöhnliche und hoffnungsvolle Weise: Der Tod als Erlösung und Eintritt ins Paradies. Außerdem wurde das Programm um vier biblische Lieder von Antonín Dvorák erweitert.

Komposition verzichtet auf dramatisierte Darstellung

Die Zuhörer wurden nicht enttäuscht. Sie erlebten vor allem ein Requiem, das sich gesetzt und besonnen – in einem ruhigen Fluss der Zuversicht bewegte. Zwar nimmt Fauré die traditionelle Form einer Totenmesse auf, dennoch setzt er – auch in seiner verhaltenen impressionistischen Klangsprache – auf einen anderen Fokus. Seine Komposition verzichtet auf die übliche, dramatisierte Darstellung eines „Dies irae“ – dem Tag des Zorns, des Jüngsten Gerichts. Er setzt dafür in überzeugender Weise auf Ergebenheit und die Erlösung eines himmlischen Jerusalems. Eine positive, glückverheißende Botschaft, die in der Musik ihren klaren Ausdruck findet. Dieses von Zeitgenossen bespöttelte „Wiegenlied des Todes“ wurde an diesem Abend überzeugend umgesetzt und spürbar gemacht von einem motivierten Chor und den beiden Solisten Sopran: Alina Prochowska (Sopran) und Hinrich Horn (Bariton).

Fließendes Gleichmaß unverrückbarer Zuversicht

Ohne dramatische Einschüchterung und ohne übertrieben romantische Gefühlsaufwallungen bleibt Faurés Requiem trotz seiner kompositorischen Finessen klanglich gradlinig und bescheiden. Keine Ausbrüche, höchsten hier und da ein Aufwallen intensiver Innigkeit. Ein berührendes Agnus Dei. Ansonsten ein fließendes Gleichmaß unverrückbarer Zuversicht. Der Chor meisterte diese Herausforderung überzeugend und souverän. Der musikalische Leiter der Kantorei, Stephan Doormann, hat nicht nur mit der Wahl, auf ein Orchester zu verzichten und stattdessen auf pure Orgelbegleitung (Robin Hlinka) zu setzen, das Werk so heruntergebrochen, dass das Wesentliche in Klangsprache, Ausdruck und Botschaft Raum hatte, sich zu entfalten – feinfühlig und authentisch, eindringlich ohne Schwere.

Zuversichtliche Grundstimmung

„In vielen Passagen gleiten Moll-Klänge von Chor und Orchester in stimmungsvolle Dur-Akkorde und lassen tröstend das Himmelreich erahnen“ heißt es in einer Beschreibung des Requiems von Fauré. Die zuversichtliche Grundstimmung dieser Musik ist dazu angetan, den Zuhörer anzurühren – einzuhüllen wie in eine wärmende Decke. Ein Gefühl des Trostes und der Zuversicht, das auch dieses Konzert übertrug.