Kirchenreihe an(ge)dacht

Bach glasklar durchleuchtet

Nicht nur einen Bach-Choral spielte Knut Hanßen am Blüthner-Flügel der Stadtkirche, sondern auch das Italienische Konzert. Sehr überzeugend.
  • Von Reinald Hanke
  • 15. Aug. 2022 | 10:00 Uhr
  • 15. Aug. 2022
  • Von Reinald Hanke
  • 15. Aug. 2022 | 10:00 Uhr
  • 15. Aug. 2022
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Celle.

Schon im vergangenen Jahr war die Verzahnung der Celler Sommerkonzerte mit der Stadtkirchenreihe „an(ge)dacht“ eine reizvolle Sache, dieses Mal wurde sogar der inhaltliche Schwerpunkt der Stadtkirchenreihe – Bach und Italien – konkret in der Musik aufgegriffen: Knut Hanßen spielte nicht nur einen berühmten Bach-Choral in der Busoni-Fassung, sondern auch das sogenannte Italienische Konzert des Meisters am Blüthner-Flügel der Stadtkirche. Und Pastor Volkmar Latossek sprach zum Thema „Schöpfung“, das wiederum im Zentrum der Celler Sommerkonzerte steht.

Wer jedoch erwartete, dass Hanßen nun das Italienische Konzert mit der für das südliche Land typischen Spiellust, Verzierlaune oder sprühendem Temperament spielen würde, der sah sich mit einer ganz anderen Spielweise konfrontiert. Hanßen spielte das dreisätzige Stück brilliant in seiner Motorik und glasklar auf seine inneren Strukturen hin durchleuchtet. Man hörte jede einzelne Stimmführung, jede Raffinesse Bachs.

Langsamen Satz eher fließend interpretiert

Die Tempi der beiden Außensätze wählte er zügig, aber keineswegs schnell, den langsamen Satz musizierte er eher fließend denn wie eine langsame Arie. Das wirkte als Ganzes sehr überzeugend – wenngleich dann doch das eine oder andere irritierte, wie die nicht gleichzeitige Spielweise der Dezimen im Choral. Diese griff er nämlich hintereinander und nicht zusammen. Und das teilweise gebrochene Spiel des Eingangsakkords im Hauptthema des ersten Satzes, das wirkte doch eher inkonsequent, genauso wie das Langsamerwerden am Ende jedes einzelnen Satzes.

Da die Gesamtrichtung der Interpretation aber stimmte, sind das alles Einwände am zweitrangigen Detail. Lediglich eines wirkte grundsätzlich problematisch: Hanßen gönnte sich und den Zuhörern in den Randsätzen keinen Moment dynamischer Zurückhaltung. Wirklich leise erklang hier höchstens mal eine Schlussformel. Da fehlte doch etwas die Spannbreite in der Lautstärke, die Hanßen bei Beethoven doch so exzellent breit zu spannen in der Lage ist. Das wird dann wohl doch eher bei seinem Beethoven-Abend am kommenden Samstag in Oppershausen zu hören sein.