Kantaten von Telemann

Ideale Stücke für livemusikreduzierte Coronazeit

Dorothee Knauer beschäftigt sich mit Kantaten Georg Philipp Telemanns und hat während Corona schon mehrere zur Aufführung gebracht.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 21. Juni 2022 | 14:00 Uhr
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  • 21. Juni 2022 | 14:00 Uhr
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Celle.

Wie kommt es, dass seit geraumer Zeit in mehreren kirchlichen Veranstaltungen immer wieder Kantaten Georg Philipp Telemanns auftauchen? Schon acht Kantaten wurden von diesem Komponisten in den vergangenen zwei Jahren in hiesigen Kirchen aufgeführt. Initiatoren und Ausführende waren immer Dorothee Knauer an der Geige, Lisa Michaelis am Cembalo und Kerstin Weise mit ihrer Sopranstimme. Die Gründe für diese Aufführungen sind ganz einfach: Sie eigneten sich ganz besonders für die Aufführungsbedingungen unter Corona.

Neuenhäuser Kirche als Kooperationspartner

Telemann hat eine riesige Menge Stücke dieser Art geschrieben, die heute weitgehend unbekannt sind. In Gottesdiensten werden normalerweise nur in Musikmetropolen derartige Stücke musiziert. Für den Konzertbetrieb sind sie aufgrund ihrer textlichen Einbindung an die Predigttexte dann doch nicht recht geeignet. Nun aber, unter Corona, als es keine Konzerte mehr geben durfte, da gab es in Niedersachsen sehr wohl die Möglichkeit, im sehr klein besetzten Rahmen innerhalb von Gottesdiensten Musik zu machen. Diese Möglichkeit wurde von diesem Trio mit genau diesen Stücken genutzt. „Diese Kantaten erwiesen sich als geradezu ideal für diesen Zweck. Kleine Besetzung, überschaubarer, gut in den Gottesdienst zu integrieren, nicht zu lang.“ Knauer hatte zusammen mit ihren Musikerkolleginnen die „idealen“ Stücke für die livemusikreduzierte Coronazeit gefunden. So suchte man Kooperationspartner, die zunächst und am umfassendsten in der Gemeinde der Neuenhäuser Kirche gefunden wurde.

Telemann-Reihe soll im Herbst weitergehen

Aus organisatorischen Gründen musste zwar letztens dort eine Telemann-Musikandacht entfallen, aber im Herbst soll es dort weitergehen mit der kleinen Telemann-Reihe. Nun sind erst einmal wieder zwei Kantaten aus dem Fundus von sage und schreibe 1600 Kantaten in der evangelischen Winser Kirche zu hören. Und zwar am Sonntag, 26. Juni, um 18 Uhr.

Musik soll einfach Freude machen

Da darf man sich dann freuen auf eine Musik, die davon geprägt ist, dass der Komponist der Auffassung war, Musik solle das Gefühl direkt ansprechen und einfach Freude machen. „Deshalb setzte er auch weitaus mehr auf Melodien als auf komplizierte Satztechniken, auch wenn er die ebenfalls bestens beherrschte. Er wollte keine „Falten im Gesicht“ des Publikums sehen, sondern entspannte Mienen.“ Knauer spricht von Telemann weniger als Barockmusiker denn als einen Vorläufer Mozarts. Wie gut, dass man diese Einordnung hörend mit den eigenen Eindrücken abgleichen kann.

Von Reinald Hanke