Gedichte für den Frieden

„Liebe vor Gewehre binden“

Schlosstheater-Mitarbeiter lesen in der Buchhandlung Sternkopf & Hübel "Gedichte für den Frieden"
  • Von Jürgen Poestges
  • 15. Juni 2022 | 09:00 Uhr
  • 15. Juni 2022
  • Von Jürgen Poestges
  • 15. Juni 2022 | 09:00 Uhr
  • 15. Juni 2022
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Celle.

Worte finden zu einem Geschehen, das uns eigentlich sprachlos macht: So hat Stefan Jakubik, der Inhaber der Bücherei Sternkopf & Hübel an der Neuen Straße, beschrieben, was da am Montagabend in seinem Ladenlokal passierte. Tanja Kübler und Bérénice Brause vom Ensemble des Celler Schlosstheaters, Chefdramaturg Matthias Schubert, dazu die gebürtige Ukrainerin Yuliya Zadnipryana und der Perkussionist Erik Mrozek hatten sich die „Gedichte für den Frieden“ auf die Fahnen geschrieben. Und rund 50 Besucher waren gekommen, um dabei zu sein. Sie erlebten eine Stunde mit Gedichten und Lyrik, teilweise in zwei Sprachen, eindrucksvoll intoniert von den drei Schlosstheater-Mitarbeitern.

Tanja Kübler als Initiatorin

Tanja Kübler hatte die Texte zusammengestellt. „Ich kannte ja schon einige von den Lesungen, die wir vor dem Schloss veranstaltet haben“, erklärte sie. „Und an einem Sonntag habe ich sie zusammengestellt.“ Dramaturg Schubert sorgte dann für den „roten Faden“, die Wechsel in den Lesungen und die durch den Musiker eindrucksvoll unterstützen Passagen. In den kurzen Lesepausen bewies Mrozek, der unter anderem im Jazz-Sextett „Was nun“ aktiv ist, dass ein Schlagzeug weit mehr ist als „nur“ ein Rhythmus-Instrument.

Gedichte aus dem Band „#Antikriegslyrik“

Den Schwerpunkt der Lesung bildeten kurze Gedichte aus dem Band „#Antikriegslyrik“ aus dem Trabantenverlag. Fabian Leonhard hatte jedermann dazu aufgefordert, seine Gedanken zum Krieg in der Ukraine zum Ausdruck zu bringen. Und es waren wirklich beeindruckende Verse dabei. Es ging um verwehte Friedensgedanken, das Sturmgewehr der Mutter oder der Krieg, der Blasen im Kopf hinterlässt und Narben auf den Augen. Nach wie vor gibt es Frühling, Sommer, Herbst und Winter. „Die Erde vertraut uns noch immer. Womit haben wir das verdient?“, fragt der Verfasser. Ein anderer fordert die Verantwortlichen dazu auf, „Liebe vor die Gewehre“ zu binden.

Zeitgenössische ukrainische Autoren

Drei Gedichte aus dem Band „Drei Strophen“ von Dmytro Pavlytschko wurden zunächst von Zadnipryana, die in der Interkulturellen Bibliothek der Stadtbibliothek arbeitet, in ihrer Muttersprache vorgetragen, bevor Kübler, Brause und Schubert sie in deutsch rezitierten. Am Ende standen dann zwei Ausschnitte aus Büchern zeitgenössischer ukrainischer Autoren: „Frühling auf dem Mond“ von Julia Kissina und „Warum ich nicht im Netz bin“ von Serhij Zhadan.

Bei der anschließenden Sammlung kamen 314 Euro zusammen, die in die Hilfe für Celles Partnerstadt Sumy fließen.