Fulminante Uraufführung

Feuerwerk ganz eigener Klasse

Das sechste Konzert im Rahmen des Celler Kammermusikrings bot den Gästen unter anderem eine fulminante Uraufführung.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 21. Jun 2022 | 15:00 Uhr
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  • 21. Jun 2022 | 15:00 Uhr
  • 21. Jun 2022
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Celle.

Prunk und prachtvoll – als gelte es zu zeigen, wie viel Gefühl man auf ein Notenblatt zwängen kann. Ein sehr gelungenes Beispiel, was barocke Kammermusik sein kann, erlebten am Montag die Zuhörer beim sechsten Konzert im Rahmen des Celler Kammermusikrings. Hochkarätig mit dem Countertenor Nicholas Tamagna und dem Quartett „I Porporini“ besetzt, ent- und verführte das Programm das Publikum im Schlosstheater mit der emotional aufgeladenen Klangwelt „con affecto“. Und als Höhepunkt gab es mit „un’alma innamorata“ des sogar anwesenden Komponisten Raphael Fusco noch eine fulminante Uraufführung oben drauf.

Titel treffend gewählt

Das Programm gespickt mit Namen und Werken, für die der Titel des Konzerts „Verliebt und verrückt …“ ganz eindeutig treffend gewählt wurden. Steffani, Gasparini, Caldara, Porpora und Vivaldi – Komponisten des Generalbassalters, die sich so schwelgerisch in die idyllische Vision „Arkadien“ hineinversetzen konnten. Ihre Musik füllte diesen poetisch geschaffenen Lebens(t)raum – Natur und Hirtenidylle – unverstellt, voller Harmonie aber auch Vergänglichkeit – in Klang und Liedtexten verklärt.

Nicholas Tamagna souverän und auf den Punkt

Kaum jemand vermittelt diese Aufwallungen von Gefühl – schmerzlich in seiner Intensität – Liebe, Sehnsucht, Eifersucht, Trauer, Wut – besser als ein Countertenor. Mit dieser männlichen Altstimme verbindet sich Feminines mit Maskulinem. Welch Glück, wenn man für ein solches Konzert einen Virtuosen wie den in Amerika geborenen Nicholas Tamagna gewinnen kann. Stimmlich in jeder Facette, jeder noch so gewagten Koloratur sicher, ja souverän – dabei akzentuiert und auf den Punkt, in jeder Stimmlage. Das, was Tamagna darüber hinaus besonders macht, ist die Fähigkeit, bei all dieser erforderlichen Stimmakrobatik und Anstrengung noch mit scheinbarer Leichtigkeit die Emotionalität glaubhaft zu machen – auch ein darstellerisches Vergnügen.

Variationsreich und kunstvoll

Das vierköpfige Ensemble „I Porporini“ – bestehend aus Kerstin Linder-Dewan und Semion Gurevich (Barockviolinen), Claire Gautrot (Barockcelle) sowie Gerd Amelung (Cembalo und Leitung) stellten in diesem Konzert weit mehr als die passende Begleitung. In den instrumentalen Stücken dokumentierten sie überzeugend, wie variationsreich und kunstvoll barocke Kammermusik sein kann.

Wunderbare Anbindung im frischen Gewand

Den Höhepunkt setze abschließend die Umsetzung von Raphael Fuscos neuer Komposition. Deutlich der barocken Tradition verhaftet aber weniger pompös, leichter gelang ihm eine wunderbare Anbindung im frischen Gewand. Ehrwürdig mit respektvollem Ernst blitzten darin humorvoll Anleihen anderer Genres auf. Blitzlichter von Jazz, Folk, Klassik zwischen das barocke Konstrukt gestreut. Ein Feuerwerk ganz eigener Klasse.

Von Doris Hennies