Celle-Kultur

Sommerkonzerte im Festivalmodus

Ein Höhepunkt im Celler Kulturleben war das Konzert unter dem Titel „Neue Welt aus dem Nichts“ mit Nils Mönkemeyer und William Youn.
  • Von Reinald Hanke
  • 18. Aug. 2022 | 12:00 Uhr
  • 18. Aug. 2022
  • Von Reinald Hanke
  • 18. Aug. 2022 | 12:00 Uhr
  • 18. Aug. 2022
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Celle.

Man hätte es sich fast denken können – aber dass das Konzert mit Bratschist Nils Mönkemeyer und Pianist William Youn ein solch überragendes Niveau haben würde, das hat dann doch ein wenig überrascht. Konzerte diesen Kalibers kann man ansonsten meist nur in den besten Kammermusikzyklen und bei hochkarätigsten Festivals hören. Dort kommen allerdings auch mindestens fünfmal so viele Menschen im Vergleich zu den knapp 100 Zuhörern im Celler Rittersaal des Schlosses. Und die Eintrittskarten kosten dann auch ein Vielfaches der zwanzig Euro, die die Celler Sommerkonzerte dafür berechnen. Mit dieser Reihe haben Veranstalter Severine Kim und Knut Hanßen nicht nur eine jahrzehntelang vermisste kulturelle Sommerferienversorgung für Klassikfreunde in die Region gebracht, sondern ein festivalreifes Konzert, das sonst nie hier zu hören gewesen wäre. Bei diesem Konzert im Rittersaal passte einfach alles: die Musiker, die Instrumente, das Programm, die Akustik und das Musizierniveau.

Begnadeter Streicher

Mönkemeyer verfügt auf seinem Instrument über einen Ton, den man sofort erkennt: ungemein voluminös und selbst in den leisesten Momenten tragfähig, weich, dabei aber klar. Mönkemeyer ist ein so begnadeter Streicher wie einem nur wenige einfallen. Bei ihm hatte man das Gefühl, dass er vom ersten bis zum letzten Ton nicht nur auf der Suche nach der musikalischen Wahrheit gewesen sei, sondern diese auch für diesen Moment gefunden hat. Das Gleiche gilt für Pianist William Youn, der den großartigen über 100 Jahre alten Leihflügel aus Hamburg so wunderbar zum Klingen brachte, dass man sich gar nicht satthören konnte. Dass sich der zwar als Konzertsaal ungünstig gebaute Rittersaal im Celler Schloss trotz seines Halls als akustisch um Klassen besser erwies als die Akustik im Schlosstheater, das kam im positiven Sinn verstärkend hinzu. Das Programm war sehr klug zusammengestellt – und auch bestens gespielt.

Exquisites Erlebnis

Der anfänglichen Entdeckung des Stückes „Morpheus“ der zu Unrecht vergessenen Rebecca Clarke, ein Stück in einer Mischung aus Hochromantik und Impressionismus folgte Franz Schuberts bekannte „Arpeggione-Sonate“. Schon da wurde klar: Die beiden Musiker sind in der Welt der Romantik so selbstverständlich zu Hause, dass es wie aus einem Guss klang. Da stimmte alles von den Tempi über die weiten Bögen der Phrasierungen und nicht zuletzt die bis ins Kleinste austarierten Übergänge. Das nachfolgende, weniger bekannte Schumann-Stück gelang genauso exemplarisch. Nach der Pause folgte die so faszinierende wie gelungene Uraufführung eines aus sieben Miniaturen bestehenden Stückes der Griechin Konstantia Gourzi, in denen die Komponistin ungemein dicht mit melodischen, harmonischen, klangfarblichen und rhythmischen Mikromotiven spielte. Zum Schluss erklang die teilweise mit geradezu dramatischem Zugriff gespielte Viola-Sonate opus 120,1 von Johannes Brahms. So rundete sich dieser Abend zu einem exquisiten Erlebnis auf Festivalniveau.