Celler Schlosstheater

Schräges Musical „Ewig jung“ spielt mit Klischee

Das Celler Schlosstheater widmet sich in neuem Stück dem Thema Alter. Das schräge Musical hat sich zu einem Publikumsmagneten entwickelt.
  • Von Jürgen Poestges
  • 22. Sept. 2022 | 14:00 Uhr
  • 22. Sept. 2022
  • Von Jürgen Poestges
  • 22. Sept. 2022 | 14:00 Uhr
  • 22. Sept. 2022
Anzeige
Celle.

Wir schreiben das Jahr 2066. Das Schlosstheater hat seinen Betrieb eingestellt, es dient einer Handvoll hochbetagter Schauspieler als Altersresidenz. Das ist die Ausgangssituation des Stückes „Ewig jung“, dem Songdrama von Erik Gedeon, das am Freitag, 30. September, Premiere im Schlosstheater feiert.

„Das Stück spielt natürlich mit vielen Klischees“, sagt Regisseur Moritz Nikolaus Koch. „Es hält jedem einen Spiegel vor: Das wird eure Zukunft sein. Mir ist es aber sehr wichtig, dass wir das Thema Altern nicht ins Lächerliche ziehen, sondern es mit Respekt behandeln.“ Pointen gibt es genug, und auch ganz viel Musik. „Es sind einige Songs dabei, die man auf diese Weise interpretiert noch nie gehört hat“, sagt Ella Elia Anschein, für die Dramaturgie verantwortlich. Möglich wird das durch den musikalischen Leiter Burkhard Niggemeyer, der als „Herr Grau“ am Piano sitzt und aktiv ist.

Intendant Andreas Döring ist ebenfalls vertreten

Die Schauspieler haben die große Sehnsucht nach der großen Kunst von früher. Sie dürfen ab und an noch einmal auf die Bühne, die ihnen so viel bedeutet hat. „Auf der Bühne stehen noch viele alte Requisiten und Möbel“, erklärt Nadine Hampel, die für die Bühne und die Kostüme zuständig ist. „Wir haben ganz viel Theaterstaub verteilt, damit es auch ordentlich staubt, wenn sich jemand auf einen Sessel setzt.“ Zusätzlicher Hingucker: Der heutige Intendant Andreas Döring ist ebenfalls vertreten: Als Urne mit seinem Namen darauf.

In dem Stück spielen die Schauspieler buchstäblich sich selber. „In dem Originaltext sind die einzelnen Rollen mit Farben belegt, weil in jedem Theater jemand anderes in die Rolle schlüpft“, erklärt Anschein. Das heißt für das Schlosstheater: Frau Noll, Frau Heeß, Herr Breuer, Herr Böther und Herr Wenzel. Dazu kommt Schwester Rosa. Die unterhält die alten Herrschaften auf der Bühne mit Kinderliedern zum Mitklatschen.

Von „I Love Rock ’n’ Roll“ bis „I Will Survive“

Doch kaum dreht sie ihnen den Rücken zu, regt sich bei den alten Mimen die Lebenslust. Von „I Love Rock ’n’ Roll“ bis „I Will Survive“ zeigt sich: Der alte Kampfgeist ist noch nicht erloschen. Nur etwas eingeschränkt durch morsche Knochen und falsche Zähne. „Das waren dann solche Situationen bei den Proben, in denen wir etwas improvisieren mussten“, gesteht der Regisseur. „Wenn sich ein alter Mensch von einer Seite der Bühne zur anderen bewegt, dauert es halt etwas. Das mussten wir dann etwas beschleunigen.“

„Ewig jung“ nimmt die Besucher mit auf eine Zeitreise. Seit der Dresdener Uraufführung im Jahr 2007 hat sich das schräge Musical zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Und so ganz nebenbei kann man das aktuelle Ensemble des Schlosstheaters um Jahrzehnte gealtert erleben – aber nicht totzukriegen. „Der ein oder andere Schauspieler hat sich schon bedankt, dass wir ihm in der Maske zeigen, wie er einmal aussehen wird“, sagt Nadine Hampel lachend.

Am Sonntag, 25. September, um 11.30 Uhr lädt das Schlosstheater zur Matinee von „Ewig jung“ ein. Die Premiere findet am Freitag, 30. September, im Schlosstheater statt.