Celler Schlosstheater

Premiere von "Der Messias" als köstliche Komödie

Ein Pingpong der Dialoge liefern sich die beiden Schauspieler Klaus Beyer und Marius Leonard bei der Premiere von „Der Messias“ im Schlosstheater.
  • Von Reinald Hanke
  • 28. Nov. 2022 | 11:58 Uhr
  • 28. Nov. 2022
Klaus Beyer (links) und Marius Leonard brillieren in der Komödie „Der Messias“ im Celler Schlosstheater.
  • Von Reinald Hanke
  • 28. Nov. 2022 | 11:58 Uhr
  • 28. Nov. 2022
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Celle.

Eines vorweg: Wer sich Erkenntnisse zur Theologie der Weihnachtsgeschichte von Patrick Barlows Komödie „Der Messias“ erwartet, der wird an diesem Premierenabend des Schlosstheaters im Malersaal nicht erhellt nach Hause gehen. Aber er dürfte wohl bestens unterhalten werden, denn was Regisseur Stefan Eberle zusammen mit seinen beiden Schauspielern Klaus Beyer und Marius Leonard aus der Spielvorlage dieses Autors gemacht hat, das war köstlich. Und das, obwohl keineswegs alles auf den Punkt gebracht war. Da gab es sehr wohl Leerlauf, weil dann doch mal in der einen oder anderen Szene weder Schauspieler noch Regisseur so recht zu wissen schienen, wie sie diese oder jene Klippe der Vorlage lösen sollten. Aber das störte alles nicht, denn insgesamt funktionierte diese Aufführung so gut, dass sie fast sicher zu einem Renner werden dürfte, der mehr als eine Saison funktionieren wird.

„Der Messias“ als köstliche Komödie im Malersaal des Celler Schlosstheaters mit Klaus Beyer (rechts) und Marius Leonard (links).

Zwei Schauspieler einer Theatertruppe, die kurz vor dem finanziellen Ende ist, versuchen mit aller Kraft und Würde und vor allem größter Freude die Weihnachtsgeschichte aufzuführen. Aber nichts klappt. Weder die Requisite noch die Kostümabteilung oder die Technik haben irgendetwas richtig vorbereitet. Also muss improvisiert werden. Und zwar auf Teufel komm raus. Oder Messias komm zu uns. Und das machen Beyer und Leonard anfangs zwar noch etwas zu arg zwischen blass (Leonard) und übertrieben (Beyer) schwankend, im Lauf des Abends dann immer mehr zu einer gemeinsamen szenischen Sprache findend, die in einem Pingpong der Dialoge eine Szene der Weihnachtsgeschichte neben die andere stellt. Die große komödiantische Steigerung findet mit der Geburt Jesu statt. Da bleibt den Zuschauern selbst die Fruchtblase nicht erspart.

Komödie als eine Art Improvisationstheater

Regisseur Eberle hat kein ausgetüfteltes Komödienspiel inszeniert, sondern eher eine Art Improvisationstheater arrangiert, in dem die Schauspieler jeden Abend neben dem festgelegten grundsätzlichen Ablauf immer wieder neu mit wachem Sinn versuchen müssen, das Beste aus dem Zusammenspiel mit dem Publikum zu machen. Dabei ist aber nicht gemeint, dass Eberle auf Mitmachtheater setzt, indem er einzelne Theaterbesucher in das Spiel einbauen würde. Nein, er verwendet das Publikum als Kollektiv, das in seinen provozierten oder vereinbarten Reaktionen den Abend in gewissem Maße beeinflussen kann. So dürfte jeder Abend zwar stärker anders werden als bei den meisten sozusagen normalen Aufführungen, aber letztlich wird das inhaltliche Gerüst immer klar erkennbar bleiben.

Diverse pathetische Filmmusiken zu hören

Und natürlich wird es deshalb auch jeden Abend nicht nur die sehr besonderen Dialoge zwischen Zimmermann Josef (47 Jahre alt) und der Jungfrau Maria (14 Jahre alt) geben, sondern auch die Szenen mit dem Erzengel Gabriel oder den römischen Tribunen, die sich bei der abzuhaltenden Volkszählung fast so dämlich anstellen wie die Verwaltungsbeamten in Berlin. Und Hirten treten genauso auf wie Weisen aus dem Morgenland. Lediglich die den ganzen Abend angekündigte Gastsängerin steckte am Bahnhof in Hannover fest und kam nicht rechtzeitig zur Apotheose des Stückes in Celle an.

Übrigens: Es gibt den ganzen Abend über kein einziges originales „Halleluja“ aus Händels „Messias“ zu hören, dafür aber diverse pathetische Filmmusiken höchst fragwürdiger Qualität und auch Schuberts gerne verkitschtes „Ave Maria“.

Termine: Am 2., 3., 8., 9., 14., 15., 16. und 23. Dezember um 20 Uhr auf der Turmbühne, am 4. und 11. Dezember bereits um 18 Uhr, am 18., 22., 26., 29., um 20 Uhr im Malersaaal. Karten unter Telefon (05141) 9050875.