Celler Künstlerverein

Vorsitzende beweist langen Atem für Musiker

Gudrun Blanke-Hepper hat den Celler Künstlerverein in einer besonders schweren Zeit für Musiker geprägt. Geplant waren nur zwei Jahre als Vorsitzende.
  • Von Reinald Hanke
  • 30. Nov. 2022 | 14:05 Uhr
  • 30. Nov. 2022
Gudrun Blanke-Hepper durfte sich für den Künstlerverein ins Goldene Buch der Stadt Celle eintragen und erhielt den Kulturpreis.
  • Von Reinald Hanke
  • 30. Nov. 2022 | 14:05 Uhr
  • 30. Nov. 2022
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Celle.

Als sich Gudrun Blanke-Hepper am vergangenen Freitag vor der Überreichung des Celler Kulturpreises als Vertreterin des geehrten Celler Künstlervereins ins Goldene Buch der Stadt eintragen durfte und im Rahmen des Bürgerempfangs mit einer Urkunde geehrt wurde, da musste sie das Dokument erst einmal im Rathaus lassen. Es schien ihr nicht passend, das gerahmte Blatt auf dem Fahrrad zu transportieren. Das war ihr dann doch zu riskant, denn schließlich wollte sie mit ihren 89 Jahren keinen Unfall auf dem Fahrrad riskieren.

Beim Celler Künstlerverein im Beckmannsaal trat am 12. Februar das Duo Encke Melcher an Violine und Klavier mit französischem Programm auf.

Dieses Bild sagt eine Menge aus über die Frau, die im Jahr 2010 die Leitung des Künstlervereins vom langjährigen, gleichfalls sehr verdienstvollen Vorsitzenden Heinz-Jürgen Dietrich übernommen hatte. Blanke-Hepper erzählt: „Eigentlich war nur geplant, dass ich das Amt bis zur Jubiläumssaison 2012 übernehme und dann jemand Jüngeres nachfolgen soll. Oder der Verein dann nach 150 Jahren aufgelöst wird.“ Doch alles kam anders.

Vorliebe für modernere Stücke

Blanke-Hepper fand viel Freude daran, die Veranstaltungen des Künstlervereins zu organisieren und die vielen langjährigen Kontakte zu vielen Künstlern, vorwiegend Musikern, zu pflegen. Und so wurden aus zwei Jahren Vereinsleitung insgesamt nun zwölf Jahre. Und zwar Jahre, in denen Blanke-Hepper nicht nur die altbekannte Linie profilstarker Konzerte, wie sie unter Dietrich üblich waren, fortgesetzt, sondern in denen sie weitere Akzente gesetzt hat. Vor allem fanden nun auch modernere Stücke Eingang in die Programme. Man denke nur an das großartige Kammermusikwerk von George Alexander Albrecht, das vergangenes Jahr im Schloss gespielt wurde. Oder an Werke des Celler Komponisten Thorsten Encke oder auch von solch früheren Avantgardisten wie Karlheinz Stockhausen.

Immer kam etwas dazwischen

Eigentlich hatte Blanke-Hepper zwischenzeitlich vor, ihren Leitungsposten abzugeben, aber immer kam etwas dazwischen. Einmal sagte eine potenzielle Nachfolgerin im letzten Moment ab. Und dann kam Corona. Da legte Blanke-Hepper dann eine kaum zu überschätzende Meisterleistung hin: Indem sie mit allen legalen Mitteln dafür sorgte, dass selbst in dieser Zeit, sobald es nur möglich war, wieder Konzerte stattfanden. Entweder in aufgesplitteter und gedoppelter Form im Beckmannsaal oder in der Stadtkirche.

Nachfolgerin lebt in Hannover

Blanke-Hepper war es früh klar, dass die Künstler ihres Vereins auf ihre Einnahmen angewiesen sind und deshalb unbedingt Auftrittsmöglichkeiten brauchten. Sie organisierte alles um, notfalls mehrfach, besprach die zu ändernden Programme und sorgte dafür, dass sich Musiker wie Zuhörer sicher fühlen konnten. Sie sagt: „Ach, wissen sie, ich hab' ja Zeit seit dem Tod meines Mannes. Warum soll ich diese nicht nutzen dafür? Mir geht es doch gut mit meiner Pension und meinem Haus. Da musste ich gar nicht viel überlegen, ob ich das würde machen wollen. “ Bemerkenswert ist das nicht zuletzt wegen des Alters von Blanke-Hepper, sondern auch weil sie alters- oder zeitbedingt kaum Helfer hatte aus der Breite des Vereins. Lediglich der bestens funktionierende Vorstand stand ihr zur Seite.

"Weiß um Endlichkeit des Lebens"

Nun hat sie sich vor Kurzem dann aber doch entschlossen, ihr Amt abzugeben. Entscheidend war wohl, dass die aus Celle stammende, in Hannover lebende Cordula Schulz-Wick die Nachfolge übernehmen wollte. „Da muss ich nun die Gelegenheit nutzen und mein Amt weitergeben. Ich weiß ja um die Endlichkeit des Lebens“, sagt Gudrun Blanke-Hepper. Ja, diese so geerdete Frau hat wahrlich segensreich gewirkt für das Kulturleben in Celle. Und sie wird auch weiterhin im Hintergrund aktiv bleiben, so lange wie sie noch mit dem Rad durch Celle fährt.