Celler Kammermusikring

Klangvoller Dialog mit vier Händen

Die Brüder Lucas und Arthur Jussen beeindrucken das Celler Publikum beim Kammermusikring. Im Schlosstheater Celle bewiesen sie scheinbare Leichtigkeit und bewundernswerten Harmonie.
  • Von Doris Hennies
  • 25. Jan. 2023 | 15:00 Uhr
  • 25. Jan. 2023
Lucas (rechts) und Arthur Jussen sorgten im Schlosstheater für ein aufregendes Konzerterlebnis.
  • Von Doris Hennies
  • 25. Jan. 2023 | 15:00 Uhr
  • 25. Jan. 2023
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Celle.

Celle. Dass ein Konzert der beiden niederländischen Brüder Lucas und Arthur Jussen einen besonderen Musikgenuss zu versprechen schien, war offensichtlich vielen Klassikbegeisterten bewusst. Das Celler Schlosstheater war bis auf den letzten Platz besetzt, die Karten schon früh ausverkauft. Und das Publikum wurde wahrlich nicht enttäuscht. Dabei war es nicht nur die große Virtuosität der beiden jungen Pianisten, die so faszinierte. Vielmehr diese scheinbare Leichtigkeit und bewundernswerten Harmonie, mit der sie diesen klangvollen Dialog mit vier Händen zu einem perfekten Ganzen verschmelzen ließen.

Gemeinsamer Tanz in homogener Harmonie

Der erste Programmteil bis zur Pause stand ganz im Zeichen der Romantik. Perlende Tonreihen, klangmalerische Motive, zwischen Schwärmen und Bangen. All die Gefühle, die die beiden Brüder so unbeschwert, innig und doch luftig leicht ihrem Instrument entlockten. Hochromantisch das Andante A-Dur opus 92 von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Ursprünglich war es als Ergänzung zu einem Schumann-Konzert komponiert, als Duett für Klavier zu vier Händen (mit Clara Schumann zusammen uraufgeführt). Erst später wurde auch das temperamentvoller Allegro „brillante“ veröffentlicht.

Eine Hommage an die ideelle Liebe, voller widerstreitender Gefühlsaufwallungen und verträumter Improvisationen folgte − mit der Fantasie f-Moll D940 (opus 103) von Franz Schubert. Dicht Seite an Seite die Pianisten, schienen ihre vier Hände in einer faszinierenden Choreografie sich ebenso zu umgarnen und umwerben, wie es die Töne dieses − mal melancholisch, mal aufbrausenden − Stücks taten. Ein gemeinsamer Tanz in homogener Harmonie. Eine beinahe instinktiv wirkende Einigkeit, die sich in Maurice Ravels „La Valse“ fortsetzte. Ganz in der Musik gefangen − diesmal gegenüber an zwei Klavieren sitzend − brauchte es kaum einen zustimmenden Blick für einen Einsatz. Ein Spiel in völligem, inneren Gleichklang, nicht nur ohne Notenblatt, sondern auch meist mit geschlossenen Augen gaben sich die Kompositionen ihnen − und sie sich deren Interpretation hin.

Anspruchsvolles wie virtuos gemeistertes Highlight

Das ebenso anspruchsvolle wie virtuos gemeisterte Highlight folgte nach der Pause mit „Le Sacre du Printemps“ von Igor Strawinsky. Dominante Rhythmik, Melodienarmut, revolutionär neue Akkorde. Die „völlig neue Tonsprache“ des als „Schlüsselwerk der Neuen Musik Stück“ bescheinigten Werks verlangte auch den Zuhörern im Schlosstheater eine Umgewöhnung ab. Diese Musik hält auf Abstand, erzählt ohne auf Mit-Gefühl zu setzen. Aufgrund der außergewöhnlichen rhythmischen und klanglichen Strukturen und seiner zahlreichen Dissonanzen erregte es bei der Ballett-Uraufführung 1913 beim Publikum überwiegend Missfallen, das auch lautstark bekundet wurde. Die Fassung für zwei Klaviere hatte Strawinsky für die Ballettproben geschrieben. Lucas und Arthur Jussen machte daraus ein spannungsgeladenes aufregendes Konzerterlebnis. Großartig wie die Zugabe: Bachs „Gottes Zeit ist die beste Zeit“.