Celler Kammermusikring

Großartiges Konzert von "Ensemble Balance"

Anton Bruckners Siebte in der Kammerfassung gespielt vom "Ensemble Balance" fasziniert im Celler Schlosstheater von Anfang an.
  • Von Reinald Hanke
  • 01. Dez. 2022 | 14:00 Uhr
  • 01. Dez. 2022
Das Ensemble Balance überzeugte beim Kammermusikring im Celler Schlosstheater.
  • Von Reinald Hanke
  • 01. Dez. 2022 | 14:00 Uhr
  • 01. Dez. 2022
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Celle.

Das war eine positive Überraschung: Anton Bruckners gewaltige siebte Sinfonie funktioniert auch in Kleinstbesetzung statt mit großem Orchester und umfassender Bläserbesetzung, vor allem reichlich Blechbläser. Beim vergangenen Konzert vom „Ensemble Balance“ beim Celler Kammermusikring im Schlosstheater war der riesige brucknersche Blechbläserapparat reduziert auf ein Instrument, auf ein einziges Horn. Stattdessen gab es ein zeitweise zu zweit gespieltes Klavier und ein Harmonium, das eher klangschwach daherkam.

Das war dann das einzig Enttäuschende an dieser Wiedergabe, die als Ganzes sowohl faszinierte wie auch überzeugte. Und zwar nicht nur, weil man hier die ganzen inneren Strukturen der Musik hat wahrnehmen können, sondern auch weil es dem ausführenden Ensemble Balance unter der klaren und kompetenten Leitung von Friederike Kienle gelungen ist, in ganz langen Bögen zu musizieren.

In weiten Spannungsbögen musiziert

Da brach keine Phrase zu früh ab, da wurde nicht nur in weiten Spannungsbögen musiziert, sondern auch Bögen über die einzelnen Phrasen hinweg gehalten, sodass es tatsächlich gelungen ist, weiträumige Steigerungen hörbar zu machen, die ungemein unter die Haut gehen konnten.

Da wurde Bruckners atmender sinfonischer Koloss zu einem Elementarereignis musikalischen Erzählens und Sich-Versenkens in eine Statuarik, innerhalb der sich eben doch immer etwas bewegt.

Claude Debussy und Paul Dukas

So sehr die Bläserklangfarben gefehlt haben, so sehr das blockhafte Gegeneinander von Orchesterstimmen hier vermisst wurde, die so ganz anders geartete Spielweise von Bruckners Siebter erwies sich auch in dieser Version als ein in die Seele dringendes Ereignis der besonderen Art. Eine tolle Erfahrung.

Obwohl diese Bruckner-Wiedergabe alleine schon über eine Stunde dauerte, spielte das Ensemble Balance vorab noch zwei weitere Stücke. Claude Debussys „Six Épigraphes antiques“ konnten da wesentlich mehr gefallen als „Der Zauberlehrling“ von Paul Dukas. Debussys Musik wurde klangfarblich wunderbar ausgeleuchtet und mit einer feinen Subtilität dargeboten, dass man sich dieses Stück kaum besser musiziert vorstellen konnte.

Großartiges Konzert schlechter besucht

Dukas Musik hingegen verlor in der Bearbeitung für zehnköpfiges Ensemble hingegen arg. Dieser Version des Stückes fehlte einfach die klangliche Tiefe, sodass der generell etwas grelle Klang das Ohr schon bald ermüdete. Da machte sich das fast vollständige Fehlen von tiefen Bläsern stärker bemerkbar als bei Bruckner.

Insgesamt aber hat der Kammermusikring einmal mehr ein großartiges Konzert angeboten, das allerdings im Vergleich zur Zeit vor Corona doch deutlich schlechter besucht war. Aber im Vergleich zu vielen anderen Städten ist ein Großteil des Klassikpublikums in Celle inzwischen doch wieder in die Säle zurückgekehrt. Und da der Kammermusikring seit der Übernahme der Leitung durch Klaas Endler auch in Nachwuchsarbeit investiert, kommen inzwischen auch einige jüngere Zuhörer ins Schloss. Eine insgesamt erfreuliche Entwicklung, von der viele andere Konzertveranstalter andernorts nur träumen können.