Buchpremiere im Schloss

Cellerin übersetzt erneut Tausendundeine Nacht

Claudia Ott aus Beedenbostel veröffentlicht dritten Band über Tausendundeine Nacht. Das Buch wird festlich im Celler Schlosstheater präsentiert.
  • Von Doris Hennies
  • 03. Juli 2022 | 14:00 Uhr
  • 03. Juli 2022
  • Von Doris Hennies
  • 03. Juli 2022 | 14:00 Uhr
  • 03. Juli 2022
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Celle.

„Wenn mir der Atem vor Durst wie Feuer brennte im Leib, Aus tiefstem Herzen verschmachtend heiße Flammen ich spie, Und man mich dann fragte: Willst du frischen, kühlen Trunk. Oder begehrst du, sie zu sehn? So sagte ich: Sie!»

Wie könnte brennende Liebe schöner und poetischer umschrieben werden? Im Rahmen eines besonderen Literatur-Events feiern der C.H.-Beck-Verlag und die gerühmte Übersetzerin Claudia Ott im Celler Schlosstheater die Buchpremiere des dritten Bands der so erfolgreichen Neuübersetzung von Tausendundeine Nacht: „Das Buch der Liebe“. Die Arabistin, Übersetzerin und Musikerin Claudia Ott hat sich in den vergangenen Jahren erneut den ältesten arabischen Handschriften angenommen, die als Quellen für die berühmten Geschichten aus Tausendundeiner Nacht aufzufinden sind. CZ-Mitarbeiterin Doris Hennies sprach mit Claudia Ott über ihre Arbeit und das neue Buch.

Der neue Band von Geschichten aus Tausendundeiner Nacht trägt den Titel „Das Buch der Liebe“ − warum?

„Der Band enthält vier große, atemberaubend schöne, schreckliche Liebesdramen: von einem Prinzen und einer Prinzessin, die partout nicht heiraten wollen, sich durch einen dämonischen Zauber aber ineinander verlieben. Oder die von einem verarmten Händler, der in den Besitz einer wunderschönen Sklavin kommt, die ihm arglistig geraubt wird. Schahrasad entführt uns in einen paradiesischen Liebesgarten, auf Basare, in Wüsten und schließlich sogar in die Unterwelt − und hält uns mit verliebten Beduinen, feuerspeienden Drachen, singenden Klostermönchen, hinterlistigen Händlern, grausamen Herrschern, klugen Haremswächterinnen und plötzlichen Wendungen des Schicksals in Atem.“

Was fasziniert Sie an diesen Geschichten?

„Es handelt sich dabei um Literatur auf höchstem Niveau. Die ältesten Vorläufer der Rahmengeschichte stammen aus Indien und sind fast 2000 Jahre alt. Ihre Erzählmotive wanderten nach Persien, wo sie in der Sasanidenzeit (2. bis 6. Jahrhundert nach Christus) eine schriftliche Form erhielten. Die mittelpersische Fassung wurde um etwa 800 nach Christus, wahrscheinlich in Bagdad, ins Arabische übersetzt und begann sich danach mit arabischen Geschichten zu füllen. Wie könnte das eine begeisterte Orientalistin nicht faszinieren? Die erste Übersetzung von 1001 Nacht − eine sehr freie Nachschöpfung der Erzählungen − stammt von 1704, von dem Franzosen Antoine Galland. Sich auf die Spuren der alten Originalhandschriften zu begeben, war Abenteuer und Herausforderung zugleich. Etwas, das mich nicht wieder losgelassen hat. Außerdem finde ich auch die Figur der geschickten Schahrasad, dieser so klugen und nervenstarken Protagonistin, sehr spannend. Ihr gelingt es, den grausamen König Schahriyar mit ihren so raffiniert erzählten Geschichten (die stets kurz vor dem spannenden Ende vor dem Morgengrauen abgebrochen werden) so zu fesseln, dass die Neugier auf mehr seine Rachsucht täglich aufs Neue besiegt. Das unterstreicht auch, dass diese Geschichten unbedingt erzählbar bleiben müssen. Darauf habe ich sehr geachtet.“

So läuft die Veranstaltung ab

Den festlichen Rahmen zur Buchpremiere am Sonntag, 10. Juli, ab 18 Uhr im Celler Schlosstheater wird musikalisch das „Ibtahidsch-Ensemble“ gestalten. Schauspielerin Johanna Marx, Rezitator Hermann Wiedenroth und Mitglieder der Übersetzerwerkstatt von Claudia Ott lesen Textauszüge. Außerdem sprechen die Übersetzerin Ott sowie Ulrich Nolte vom C.H.-Beck-Verlag über dieses große Kultur-Projekt und das Buch. Im Anschluss gibt es eine exklusive Signierstunde. Das Buch wird dazu erstmals und ausschließlich rund um die Veranstaltung im Schlosstheater erhältlich sein.

Karten zu 18 Euro gibt es an der Theaterkasse, Schuhstraße 46, unter Telefon (05141) 9050875 sowie unter www.schlosstheater-celle.de.