"Best of Harlem Gospels"

Mit Gospelsängern geht die Post ab

Es war ein Erleben mit allen Sinnen: Akteure und Publikum in der Celler Stadtkirche haben ihren Glauben und Rhythmus mit Temperament ausgedrückt.
  • Von Doris Hennies
  • 20. Jan. 2023 | 13:25 Uhr
  • 20. Jan. 2023
„The Best of Harlem Gospel“ brachte das Publikum in der voll besetzten Celler Stadtkirche zum Toben.
  • Von Doris Hennies
  • 20. Jan. 2023 | 13:25 Uhr
  • 20. Jan. 2023
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Celle.

Nun gehört spontanes Singen, Mitklatschen und in den Reihen Tanzen nicht gerade zum typischen Verhalten in Deutschlands klassischen Gottesdiensten. Wer allerdings am Donnerstagabend in der Celler Stadtkirche gewesen war, der musste einen ganz anderen Eindruck gewinnen. Da ging nämlich auch beim Publikum salopp gesagt die Post ab – und nicht nur bei den neun Akteuren von „The Best of Harlem Gospel“. Den neun Gospelsingers gelang es mit Leichtigkeit, ihre Empfindung von Freude und Temperament, mit der sie ihren Glauben und Rhythmus verbinden und ausdrücken, auf die Zuschauer zu übertragen. Die großartige Stimmgewalt jedes Einzelnen war die perfekte Zugabe.

Mit spektakulärer Bühnenschau

Die Bankreihen waren bis zur letzten besetzt und schon mit dem ersten Lied verschmolzen Sängerinnen und Sänger auf der Bühne mit den Zuschauern zu einer Gemeinschaft, in der „Bereitschaft, sich darauf einzulassen, sie zu hören, zu spüren und mit allen Sinnen zu erleben“ – ganz wie es im Programm angekündigt war. Das Versprechen, die Menschen mit dieser Musik, deren Blütezeit afroamerikanischer Kultur in den Zwanzigerjahren unter dem Namen „Harlem Renaissance“ bekannt ist, abzuholen, wurde zur Gänze erfüllt. Dazu gab es, in wechselnden Farben getaucht, eine spektakuläre Bühnenschau – also Entertainment à la American. Einzig allein die etwas übertriebene Lautstärke aus den Lautsprechern wäre zu rügen, wollte man ein Haar in der sonst köstlichen Suppe suchen.

„The Best of Harlem Gospel“ brachte das Publikum in der voll besetzten Celler Stadtkirche zum Toben.

Lieder wie „Whole World In His Hands“ oder „I Will Follow Him” brachten das Publikum zum Toben – da war nur wenig Anschubs-Animation von Nöten. Erst mal eingestimmt, klappte es mit der Einbindung wie von selbst. Und auch bei den leiseren, sehr innigen Stücken – wie „Amen“ oder einem grandiosen „Ave Maria“ blieben Zuhörer und Akteure stetig in Bewegung. Das half gut, die kühlen Temperaturen im Kirchenschiff durchzustehen – nicht jeder Besucher war darauf mit dicker Kleidung und mitgebrachten Decken vorbereitet.

Beste Unterhaltung und Musikgenuss

Der Chor unter der Leitung von Grammy-Preisträger Reverend Gregory M. Kelly vereint mit Reverend Charles R. Lyles, Timothy Riley, Dorrey Lin Lyles, Brittany Lyles, Steven McCaster, Segdrick Marsh, Brenda Turner und Tiffany Mosley neun namhafte Künstler, die nicht nur im Gospel, sondern auch in Jazz, Blues und Soul glänzen. Gemeinsam sorgten die „Best of Harlem Gospel“ nicht nur professionell, sondern auch sehr authentisch (und ohne Pause) für fast zwei Stunden beste Unterhaltung und Musikgenuss.