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Wirtschaft US-Notenbank berät: Corona-Krise setzt Fed unter Druck
Weltgeschehen Wirtschaft

Stützung der Konjunktur : US-Notenbank berät: Corona-Krise setzt Fed unter Druck

06:01 16.12.2020
Die US-Notenbank Federal Reserve in Washington. Die Fed hatte bereits im Frühjahr mit einer beispiellosen Lockerung ihrer Geldpolitik auf die Corona-Krise reagiert. Foto: Patrick Semansky/AP/dpa
Die US-Notenbank Federal Reserve in Washington. Die Fed hatte bereits im Frühjahr mit einer beispiellosen Lockerung ihrer Geldpolitik auf die Corona-Krise reagiert. Foto: Patrick Semansky/AP/dpa Quelle: Patrick Semansky
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Washington

Washington (dpa) - Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bestimmt inmitten einer erneuten Corona-Welle ihren weiteren geldpolitischen Kurs. Am Leitzins, der bereits in einer ultraniedrigen Spanne von 0,0 bis 0,25 Prozent liegt, dürfte sich heute nichts ändern.

Allerdings könnte die Fed angesichts der anhaltend starken Belastung der US-Wirtschaft durch die Pandemie Anpassungen an ihren milliardenschweren Wertpapierkäufen zur Stützung der Konjunktur vornehmen. Viele Ökonomen erwarten zumindest, dass die Notenbank mehr Klarheit über den künftigen Verlauf des Programms schaffen wird.

«Es gibt zu viel Ungewissheit, um nicht zu handeln», meint Analyst Steve Englander von der Bank Standard Chartered mit Blick auf zuletzt schwächere Daten vom US-Arbeitsmarkt. Dass die Fed ihre Wertpapierkäufe und damit die Geldschwemme ausweitet, mit der der Finanzmarkt geflutet und so die Wirtschaft angeschoben werden soll, gilt jedoch als relativ unwahrscheinlich. Erwartet werden eher kleinere Änderungen etwa bei den Laufzeiten der von der Notenbank zu kaufenden Anleihen oder konkretere Angaben dazu, wie lange und unter welchen Bedingungen das Programm noch fortgeführt wird.

Die Fed hatte bereits im Frühjahr mit einer beispiellosen Lockerung ihrer Geldpolitik auf die Corona-Krise reagiert. So wurden der Leitzins auf quasi Null gesenkt, massiv Anleihen gekauft und auch Kreditprogramme für die Wirtschaft aufgelegt. Nach einem drastischen Konjunktureinbruch konnte sich die größte Volkswirtschaft der Welt in den Sommermonaten stark erholen. Doch der zuletzt wieder deutliche Anstieg bei den Corona-Neuinfektionen bedroht den Aufholtrend - der jüngste Arbeitsmarktbericht gab bereits einigen Anlass zur Sorge. Dadurch nimmt der Druck auf die Notenbank mittlerweile wieder zu.

Zwar stieg zuletzt die Hoffnung, dass sich die Corona-Krise durch Impfungen in den Griff bekommen lässt. Doch bis dahin dürfte es noch dauern, und gerade die Wintermonate mit drohenden neuen Lockdowns gelten als große Herausforderung und wirtschaftliches Risiko. Handlungsbedarf sieht Notenbankchef Jerome Powell jedoch vor allem beim US-Kongress. Die Geldpolitik allein könne den wirtschaftlichen Aufschwung nicht garantieren, betont Powell stets. «Für das neuerliche Anschieben der konjunkturellen Erholung setzt man auf die Finanzpolitik», meint Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner.

Bislang konnten sich die großen US-Parteien aber nicht auf ein neues Konjunkturprogramm verständigen. Zuletzt stieg die Hoffnung zwar wieder, eine Einigung ist aber ungewiss. Zumindest beim Leitzins der Fed dürfte sich für lange Zeit nichts tun. Laut den zuletzt Mitte September veröffentlichten Projektionen dürfte es nicht vor 2023 zu einer Änderung kommen. Die Notenbank hatte die Zinsen nach dem Übergreifen der Pandemie auf die USA im März in zwei großen Schritten auf das jetzige Niveau gesenkt. «Der Fed-Zinsentscheid verspricht relativ wenig Spannung», heißt es im Ausblick der Dekabank.

© dpa-infocom, dpa:201216-99-709009/2

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