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Politik Lauterbach für Quarantäne-Ende mit Test nach sieben Tagen
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Omikron-Welle : Lauterbach für Quarantäne-Ende mit Test nach sieben Tagen

23:01 05.01.2022
Ordner mit der Aufschrift «Quarantäneende» stehen in einem Gesundheitsamt. Foto: Marijan Murat/dpa
Ordner mit der Aufschrift «Quarantäneende» stehen in einem Gesundheitsamt. Foto: Marijan Murat/dpa Quelle: Marijan Murat
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Berlin (dpa) - Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat vor neuen Bund-Länder-Beratungen über die Corona-Pandemie seine Forderung nach weiteren Kontaktbeschränkungen bekräftigt.

Er halte dies angesichts der Omikron-Welle für notwendig, sagte der SPD-Politiker im ZDF-«heute journal». Zwar müsse man mit Augenmaß vorgehen. Lauterbach betonte aber auch: «Wir werden wahrscheinlich noch einmal zulegen müssen.» Erforderlich seien zudem angepasste Quarantäne-Regeln sowie eine Fortführung der Booster-Kampagne. Die Auffrischungsimpfungen seien der beste Schutz vor der Omikron-Variante. Lauterbach rief dazu auf, das hohe Impftempo wie vor Weihnachten wieder aufzunehmen.

Für die Schulen sprach sich der Minister für das Tragen von Schutzmasken aus. Diese würden sehr gut gegen die Omikron-Variante wirken. Lauterbach appellierte an die Länder, das Tragen von Masken zur Vorgabe zu machen. Empfehlenswert wären hier FFP2-Masken. Leider gebe es für viele Kinder, vor allem kleinere, keine passenden Masken.

Quarantäneregeln

Lauterbach verteidigte zugleich die von der Gesundheitsministerkonferenz vorgeschlagenen geänderten Quarantäneregeln mit kürzeren Auszeiten für Personal in wichtigen Versorgungsbereichen geknüpft an PCR-Tests. Damit würden diese Bereiche lebensfähig gehalten. Genügend PCR-Tests seien dafür vorhanden. Pro Woche könnten bis zu 2,3 Millionen PCR-Tests vorgenommen werden.

Aus Sicht der Bundesregierung dürfte Omikron schon in wenigen Tagen auch deutschlandweit die dominierende Virusform sein. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und die Ressortchefs der Länder legten am Mittwoch jeweils Vorschläge zu künftigen Quarantäne-Vorgaben vor - mit kürzeren Auszeiten für Personal in wichtigen Versorgungsbereichen geknüpft an PCR-Tests. Politik und Experten mahnten, trotz meist milderer Krankheitsverläufe bei Omikron Risiken für schwere Erkrankungen nicht zu unterschätzen.

Vor den nächsten Corona-Beratungen von Kanzler Olaf Scholz (SPD) mit den Ministerpräsidenten an diesem Freitag liegen nun erste konkrete Konzepte auf dem Tisch. Im Blick stehen Quarantäne-Verkürzungen vor allem für Beschäftigte in der «kritischen Infrastruktur», um etwa Kliniken, Pflegeheime, Wasser- und Energieversorgung auch im Fall stark zunehmender Infektionen am Laufen zu halten. Lauterbach sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Mittwoch): «Studien zeigen, dass die Generationszeit - also auch die Phase, in der sich das Virus im Körper ausbreitet und die Phase, in der ein Mensch ansteckend ist - bei Omikron viel kürzer ist.» Daher könnten Quarantänezeiten bis zu einem gewissen Grad verkürzt werden, «ohne ins Risiko zu gehen».

Vorschlag des Bundes

Laut einem Plan von Gesundheitsministerium und Robert Koch-Institut (RKI) soll die Unterscheidung zwischen gängigen Virusformen und neuen «besorgniserregenden» Varianten entfallen. Noch gibt es für Omikron strengere Empfehlungen. Allgemein soll gelten, dass man nach sieben Tagen aus einer Quarantäne als Kontaktperson von Infizierten oder einer Isolation wegen einer eigenen Infektion heraus kann. Bedingung ist aber ein anschließender negativer PCR-Test oder ein «hochwertiger» Schnelltest. Nach zehn Tagen soll die Absonderung ohne Test enden, heißt es in dem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuvor berichteten «Bild»-Zeitung und «Spiegel» darüber.

Für die kritische Infrastruktur soll gelten: Kontaktpersonen können nach fünf Tagen mit obligatorischem PCR-Test aus der Quarantäne heraus, Erkrankte nach sieben Tagen ebenfalls nur mit PCR-Test aus einer Isolation. Bedingung soll demnach zusätzlich sein, dass man zuvor mindestens 48 Stunden frei von Krankheitssymptomen war. Ganz generell sieht der Vorschlag außerdem vor, dass unter anderem «Geboosterte» ab sieben Tagen nach der dritten Impfung von einer Quarantäne als Kontaktperson ausgenommen sein sollen.

Vorschlag der Länder

Nach Beratungen mit Lauterbach beschlossen die Länderminister einstimmig eigene Empfehlungen. Geimpfte Beschäftigte der kritischen Infrastruktur sollen demnach eine Isolation wegen einer Infektion «zum Zwecke der Arbeitsaufnahme» nach fünf Tagen mit einem negativen PCR-Test beenden können. So soll es in diesem Bereich auch bei der Quarantäne für enge Kontaktpersonen ohne Symptome möglich sein.

Generell sollen symptomfreie enge Kontaktpersonen für sieben Tage in Quarantäne gehen - Ungeimpfte könnten sie dann nur mit PCR-Test beenden. «Geboosterte» bräuchten nicht mehr in Quarantäne, ihnen sollen regelmäßige Selbsttests empfohlen werden. Die Vorsitzende der Länder-Minister, Petra Grimm-Benne aus Sachsen-Anhalt, sagte, man müsse zu einfacheren Regelungen kommen. «Wir wollen, dass die Menschen das verstehen, und wir wollen Lösungen haben, die die Gesundheitsämter mittragen», sagte die SPD-Politikerin.

Weitere Maßnahmen wahrscheinlich

«Verschärfungen werden leider notwendig sein, um der schweren Welle, die auf uns zukommt, zu begegnen», sagte Lauterbach mit Blick auf Alltagsbeschränkungen. Offen war zunächst, ob der Expertenrat der Regierung noch eine Stellungnahme vor der Bund-Länder-Beratung abgibt. Drosten bekräftigte: «Was richtig schützt gegen Omikron ist die Dreifach-Impfung.» Die Booster- und Impfkampagne habe über die Feiertage einen «leichten Knick» gehabt, räumte die Bundesregierung ein. Impfungen ziehen aber wieder an. Gut 40 Prozent der Bevölkerung haben inzwischen eine Booster-Impfung. Grundschutz mit der meist nötigen zweiten Spritze haben 71,4 Prozent der Gesamtbevölkerung.

© dpa-infocom, dpa:220105-99-600098/5