Weihnachtskonzert

Konzert mit einer Prise Swing und Latin Power

Die britischen King‘s Singers waren zu Gast im Kuppelsaal Hannover und sorgten mit der NDR-Radiophilharmonie für ein volles Haus.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 09. Dec 2019 | 11:00 Uhr
  • 10. Jun 2022
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  • 09. Dec 2019 | 11:00 Uhr
  • 10. Jun 2022
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Hannover.

Die Besucherränge des riesigen Kuppelsaals bei einem Weihnachtskonzert voll zu bekommen, ist keine einfache Aufgabe. Die aber offenbar zu lösen ist – man muss halt „nur“ Weltstars einladen. Was die NDR-Radiophilharmonie tat: Die britischen King‘s Singers sind so ziemlich das Beste, was im Bereich der Gesangsgruppen zu finden ist. Seit 51 Jahren besteht das Sextett nun schon und pflegt auch nach diversen personellen Umbesetzungen immer noch die besondere Aufstellung aus Tenor, Bass sowie je zwei Countertenören und Baritonen. Und immer noch hat die Gruppe eine wunderbare Klangbalance.

Ein facettenreiches Repertoire

Das allein würde vielleicht nicht unbedingt den universellen Erfolg erklären. Die King‘s Singers bringen aber zudem ein facettenreiches Repertoire und Begabung fürs Entertainment mit, ohne in den Klamauk zu kippen. Und so besteht auch die Zusammenstellung eines Weihnachtskonzerts nicht nur aus den üblichen Verdächtigen. Am eindringlichsten gerieten die Traditionals im ersten Teil. Titel wie „I Wonder As I Wander“, „Gaudete“ oder „Veni, veni, Emmanuel“ griffen direkt und kitschfrei ans Herz. Die zuweilen etwas kauzigen Ansagen, übrigens durchweg in ausgezeichnetem Deutsch, setzten allerdings schon hier einen gewissen Kontrapunkt: Die Eröffnungsnummer „Here We Come A-wassailing“, so erfuhr man beispielsweise, wurde einst an den Haustüren von umherziehenden Waisenkindern gesungen – die dafür bevorzugt ein warmes Bier mit auf den Weg bekamen.

Mal eine Prise Swing oder Latin Power

Ob A-cappella, ob mit dem Orchester unter Fawzi Haimor: Ausfälle gab es an diesem Abend nicht, höchstens einen Missgriff im Programm, denn die gesangsfreie Ouvertüre zu Rossinis „Wilhelm Tell“ hemmte den Fluss des Konzerts trotz einer durchaus engagierten Interpretation. Ja, es erklangen Lieder wie „In dulci jubilo“ oder „Still, still, still“, durchweg indes in originellen Arrangements, sodass selbst „Morgen, Kinder, wird‘s was geben“ eine ungewohnte Tiefe erhielt. Und der besagte Entertainment-Faktor schlug sich nicht zuletzt darin nieder, dass die Musik schon mal eine Prise Swing oder Latin Power verpasst bekam. Im Zugabenblock, das hat beim NDR-Weihnachten Tradition, gab‘s mit „O du fröhliche“ etwas zum Mitsingen, und als die ersten Besucher draußen vor den Garderoben schon einigen Radau machten, beendeten die Singers einen schönen Abend mit „Stille Nacht“.

Von Jörg Worat

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