Ausstellung eröffnet

Mannigfache Facetten

Das Museum Wilhelm Busch in Hannover zeigt in der Ausstellung „Ronald Searle: Ein Künstlerleben“ das facettenreiche Werk des Künstlers.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 02. Sep 2020 | 18:00 Uhr
  • 10. Jun 2022
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  • 10. Jun 2022
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Hannover.

Eine Stippvisite im Museum Wilhelm Busch? Wer so plant, ist auf dem falschen Dampfer – für die neue Ausstellung sollte man eher eine Tagesreise anpeilen. Sie heißt „Ronald Searle: Ein Künstlerleben“, und besagtes Leben war nicht nur sehr lang, sondern auch äußerst facettenreich. Und keineswegs immer leicht.

In Kriegsgefangenschaft Zwangsarbeiten verrichtet

Searle, der mit 91 Jahren starb und im März dieses Jahres 100 geworden wäre, hat mehrere Jahre in der Hölle verbracht: Als britischer Soldat in Singapur stationiert, geriet er 1942 in japanische Kriegsgefangenschaft und musste beim Bau der Siam-Burma-Bahn unter schwersten Bedingungen Zwangsarbeiten verrichten. Wann immer sich die Gelegenheit bot, zeichnete er – das half ihm beim Überleben.

Weder Spaßvogel, noch verbittert

Es ist daher wenig erstaunlich, dass der Künstler in den Augen von Museumsdirektorin Gisela Vetter-Liebenow, die Searle persönlich gut kannte, keineswegs ein Spaßvogel war. Ebensowenig aber ein verbittertes oder mit Vorurteilen behaftetes Gemüt: „Das Gute im Menschen hat er sehr wohl wahrgenommen.“

Mädcheninternat zweifelhaften Ruhm verliehen

1920 in Cambridge geboren, lebte Searle seit 1961 in Frankreich. Diese Kombination spiegelt sich gleichsam in seiner Kunst: Es gibt eine gewisse Eleganz, es gibt emotionale Tiefe, und es gibt schwarzen Humor. So sind natürlich Arbeiten um das Mädcheninternat St. Trinian’s vertreten, dem Searle zwischen 1946 und 1952 einen zweifelhaften Ruhm verlieh: Wenn sie einen guten Tag haben, sind diese durchgeknallten Schülerinnen lediglich dreist, nicht selten jedoch leben sie genüsslich ihre Mordfantasien aus. Es wäre Searle wohl ganz recht gewesen, dass die Ausstellung diesen Abschnitt nicht gar zu umfangreich spiegelt – als er sich durch die große Popularität der Serie auf ein bestimmtes Genre festgelegt sah, zog er im wahrsten Sinne des Wortes den Schlussstrich und schaffte das morbide Internat in der letzten Folge mittels einer Atombombenexplosion aus der Welt.

Noch mehr zu bieten, als die Schau zeigt

Tatsächlich hatte der Künstler viel mehr zu bieten, und die Schau zeigt es. Die berühmten Bilder von mal durchtriebenen, mal leicht weggetretenen Katzen. Politische Karikaturen. Die liebevollen Blätter für Ehefrau Monica. Oder die Impressionen von zahlreichen Reisen: Verspielt wirkt das Blatt über das hannoversche Café Kröpcke, wo sich Max und Moritz über eine Torte hermachen, missgünstig beäugt von übergewichtigen Figuren an den Nebentischen. Die wiederum noch harmlos dargestellt sind im Vergleich mit den Menschen, die in Searles Sicht Miami Beach bevölkern: Spitznasige Frauen, trotz der Hitze mit Pelz über den Schultern, stolzieren da neben schmerbauchigen Männern einher.

Searle hatte einigen Einfluss auf Entwicklung des Animationsfilms

Und auch der ganz und gar ernste Searle kommt in dieser Ausstellung zu seinem Recht. So wird die eingangs erwähnte Kriegsgefangenschaft dokumentiert. Der Zeichner hat auch Flüchtlingslager besucht und 1961 im Auftrag des amerikanischen Magazins „Life“ den Eichmann-Prozess vor Ort verfolgt – die Blätter zeigen einen fast emotionslosen Angeklagten ohne jede Spur von Reue. Damit noch lange nicht genug. Es gibt Skizzenbücher, Fotografien, von Searle entworfene Medaillen und ein Minikino – der Künstler hatte einigen Einfluss auf die Entwicklung des Animationsfilms. Eine eher unscheinbare Vitrine gibt vielleicht besonders gut Auskunft über die mannigfachen Facetten des Ronald Searle: Zu sehen sind hier Briefe aus zwei Korrespondenzen – eine mit Loriot und eine mit Schriftsteller Samuel Beckett, dem Großmeister des Absurden.

Von Jörg Worat

Die Ausstellung ist bis zum 22. November im Museum Wilhelm Busch, Georgengarten, in Hannover zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags, 11 bis 17 Uhr.

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