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Kultur Aufstieg und Fall eines Protegés
Weltgeschehen Kultur Aufstieg und Fall eines Protegés
21:47 20.01.2019
Foto: Sie lasen aus dem Briefwechsel von Arno Schmidt und Hans Wollschläger: Joachim Kersten (links) und Bernd Rauschenbach.
Sie lasen aus dem Briefwechsel von Arno Schmidt und Hans Wollschläger: Joachim Kersten (links) und Bernd Rauschenbach. Quelle: Doris Hennies
Celle

Anlässlich dessen 105. Geburtstags am 18. Januar hatte man zu einer Lesung von Auszügen des Briefwechsels zwischen Arno Schmidt und Hans Wollschläger in die Halle 19 eingeladen – mit Bernd Rauschenbach und Joachim Kersten als Rezitatoren. Die vorgetragenen Texte stammen aus der eben erschienenen 1000-seitigen Dokumentation über eine „äußerst merkwürdige Autoren-Beziehung“, wie Herausgeber Giesbert Damaschke es in seiner Einführung beschrieb.

Hans Wollschläger (1935 bis 2007) hatte sich unter anderem als Übersetzer des James-Joyce-Romans „Ulysses“ und als Autor einer Karl-May-Biographie einen Namen gemacht. Mit dem Verfassen eigener größerer Werke tat er sich schwer. Er gilt als einziger „Schüler“ Arno Schmidts – der ihm, bereits renommiert, gerade in Form von brieflichem Austausch lange als Ratgeber und Mentor zur Seite stand.

Arno Otto Schmidt (1914 bis 1979) lebte als freier Schriftsteller. Sein erster Band mit Erzählungen, „Leviathan“, erschien 1949. 1970 erschien sein monumentales Hauptwerk „Zettel’s Traum“. Außer den Prosaarbeiten entstanden zahlreiche Übersetzungen aus dem Englischen, Kurzgeschichten, Essays, eine detaillierte Biografie Friedrich de la Motte Fouqués sowie eine durch die Psychoanalyse angeregte Studie über Karl May (Sitara).

Vorliebe für Karl May

Es waren ganz offensichtlich die Interessens-Berührungspunkte, die den schon älteren, versierten Schmidt und den jungen Anfänger Wollenschläger zusammenführten: das Werk und Leben von Karl May (Wollenschläger arbeitete, zunehmend unwilliger, für den Karl-May-Verlag), die Vorliebe für James Joyce, vielleicht ein Stückchen schriftstellerische Seelenverwandtschaft. Das Publikum erfuhr aus der gewählten Auswahl von Briefmaterial viel Informatives über die Ansichten, aber auch die Persönlichkeit der Briefeschreiber selbst. Aus dem sich selbst und seine Arbeit immer wieder in Frage stellenden Jungautoren und dem sich schließlich zum Austausch erweichen lassenden Schmidt entwickelte sich eine respektvollen Beinahe-Freundschaft – die sich dann aber, vor allem von Seiten des als Misanthropen verschrienen Schmidt, schrittweise (vielleicht auch wegen des zunehmenden dokumentierten Selbstbewusstseins Wollenschlägers) abkühlte und in konsequentem Schweigen, einer Verweigerung von Kommunikation endete.

Von Doris Hennies

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