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Kultur Lieder zwischen Leid, Sehnsucht und Lebensfreude
Weltgeschehen Kultur Lieder zwischen Leid, Sehnsucht und Lebensfreude
22:06 03.03.2019
Foto: Sibylle Kynast und Band in der Celler Synagoge.
Sibylle Kynast und Band in der Celler Synagoge. Quelle: Doris Hennies
Celle

„Diese Lieder sind für mich wunderbare Zeitzeugen unterschiedlicher Kulturen und gesellschaftlicher Entwicklungen.“ Die Künstlerin ist weitgereist und steht bereits seit Ende der 60er Jahre – damals als junges Mitglied einer Folkloregruppe – in Deutschland auf der Bühne. Seit 2009 tritt sie unter ihrem Namen mit ihrem eigenen Ensemble auf. Die Lieder erzählen oft schon seit sehr langer Zeit Geschichten des Lebens und von Liebe, Sehnsucht, Trauer und Freude – Themen, die stets aktuell bleiben.

Wie aktuell diese „weltumspannende“ Vielfalt aus jiddischen, russischen, spanischen, serbischen, griechischen und aus der Roma-Tradition entstandenen Liedern ist, bewies der Zuspruch vorab, überzeugender aber noch die große Begeisterung des Publikums beim Konzert in der Celler Synagoge. Auf sehr charmante Weise bekamen die Zuhörer mehr als ausgezeichnete Musik zu hören. Die kurzen Erläuterungen und Übersetzungen der Texte verbanden Interpreten, und Gäste halfen, Brücken zu bauen und durch das Verständnis ein engeres Bad zueinander zu knüpfen – ganz im Sinne von Sibylle Kynast, die sich mit ihren Musikern Horst Memmen (Gitarre), Paul Rudolf (Kontrabass) und vor allem Ausnahmegeiger Sorin Ferat die Präsentation einer „Liedervielfalt der Kulturen“ aufs Banner geschrieben hat: „die Botschaft einer weltumspannenden Verbundenheit, für ein musikalisches Miteinander“.

In Celle haben die vier das bei ihrem Publikum ganz klar erreicht. Die Freude über mitreißende Fest- und Freudelieder war ebenso ersichtlich wie die Anteilnahme am musikalisch ausgedrückten Leid und der Sehnsucht. Der Raum war angefüllt von Emotionen, die sich in der Forderung von mehreren Zugaben Bahn brachen. Da gab es die Klänge von Heimat, den Stolz auf die eigenen Wurzeln. Etliche Lieder sprachen von Sehnsucht und Liebe. Manches setzte Erinnerungen frei – von Leid, aber auch von der Möglichkeit und dem starken Wunsch nach Versöhnung. Vor allem die schwungvolleren Rhythmen nahmen schnell und direkt zu einer nachempfindbaren Lebensfreude mit. Es wurde gewippt, im Takt gewogen und – hätte es dafür Raum gegeben – beinahe getanzt: eine Botschaft und ein Appell für das Schätzen vom Glück an den wichtigen Dingen – gesund zu sein und geliebte Menschen an der Seite zu haben. Es war der zweite Besuch des Kynast-Ensembles in Celle – und, misst man die Begeisterung, wohl nicht der letzte.

Von Doris Hennies