Konzert

„Eroica“ begeistert in Hannover

Die NDR Radiophilharmonie will bis zum 10. November sämtliche Symphonien und Klavierkonzerte von Beethoven in Hannover aufführen.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 22. Okt. 2019 | 12:25 Uhr
  • 10. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 22. Okt. 2019 | 12:25 Uhr
  • 10. Juni 2022
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Hannover.

„Diese Noten könnten auch von Haydn oder Mozart stammen“, sagt Andrew Manze. „Aber die Akzente nur von Beethoven.“ Klassik anschaulich gemacht: Mit einem Gesprächskonzert begann der große Beethoven-Zyklus der NDR Radiophilharmonie – bis zum 10. November will das Orchester sämtliche neun Symphonien und fünf Klavierkonzerte des Komponisten aufführen, dessen Geburtstag sich 2020 zum 250. Mal jährt. Weil der Große Sendesaal des NDR zurzeit umgebaut wird, finden die Veranstaltungen im Kuppelsaal statt – sicherlich kein Nachteil, kamen doch zum Auftakt rund 2800 Besucher, die ins angestammte Haus am Maschsee niemals hineingepasst hätten. Und bei besagtem Auftakt drehte sich alles um die 3. Symphonie, die berühmte „Eroica“.

Zuhören wird zum Genuss

Im ersten Teil tauschte sich Chefdirigent Manze mit Moderatorin Friederike Westerhaus über das Werk aus. Nach wie vor spricht er lieber Englisch – das wird zuweilen kritisiert, liegt indes darin begründet, dass er, wie einst in einem Interview vermerkt, in dieser Sprache „mehr sagen könne“. Manze zuzuhören, ist in jedem Fall ein Genuss: Engagement und Charme mischen sich bei ihm vortrefflich mit einem gewissen britischen Humor.

Manze lässt Respekt vor Komponisten spüren

Zudem kann er komplexe Zusammenhänge allgemein verständlich darstellen. Inwieweit Beethoven etwa in der „Eroica“ einerseits der Tradition verhaftet blieb, andererseits neue Wege ging, dürfte so auch für den Laien nachvollziehbar geworden sein, zumal zwischendurch exemplarisch Musikpassagen angespielt wurden. Manzes großer Respekt vor dem Komponisten war jederzeit zu spüren, doch eigene Temposetzungen behielt er sich trotzdem vor: „Die Vorgaben fühlten sich für uns manchmal falsch an. Vielleicht war ja Beethovens Metronom kaputt ...“

Keine Scheu vor Kontrasten in Hannover

Als nach dem Gesprächsteil die Symphonie in ihrer ganzen Pracht gespielt wurde, fühlte sich das jedenfalls sehr richtig, mindestens aber stimmig an. Manze und sein Orchester hatten keine Scheu vor scharfen Kontrasten, die aber nie zu echten Brüchen wurden. Auch die zunächst gewöhnungsbedürftigen, fast schon schroffen Streicher-Einwürfe im ersten Teil des Finales fügten sich alsbald ins Gesamtgeschehen ein.

Publikum im Kuppelsaal kann sich mit Klatschen nicht zurückhalten

Der Kopfsatz alleine hätte das Kommen schon gelohnt: Lang ist er, wurde aber nie langweilig, da Manze, wie immer höchst konzentriert, den Facettenreichtum der Dynamik immer im Blick hatte und das Orchester auch in leise Regionen zu führen wusste. Dass einige Besucher anschließend den Brauch vergaßen, zwischen den Sätzen nicht zu klatschen, war zwar etwas störend, aber nicht unverständlich.

Festival in Hannover geht weiter

Das Beethoven-Festival geht schon heute weiter: Ab 20 Uhr stehen die 8. Symphonie und das 5. Klavierkonzert mit Solist Nobuyuki Tsujii auf dem Programm.

Von Jörg Worat

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